Wird Schweden heute ausgeknipst?

Die Zeitung «Aftonbladet» titelt: «Schweden wird gelöscht». Denn die arktische Kälte führt zu einem riesigen Energiebedarf – während die Stromversorgung arg schwächelt.

Noch beleuchtet: Schwedens Hauptstadt Stockholm.

Noch beleuchtet: Schwedens Hauptstadt Stockholm.
Bild: Keystone

«Aftonbladet» fürchtet einen Stromausfall heute in Teilen von Schweden. Ein Grund sind vor allem die Kernkraftwerke. Die zum 30 Jahre alten Reaktoren werden seit dem Frühjahr renoviert. Ursprünglich war geplant, dass die Arbeiten im Oktober fertig sei sollten. Doch sie verzögerten sich um mehrere Monate. Der Energieproduzent Svensk Energi: «Das schwedische Kraftnetz warnt, dass die Lage am 8. Januar angespannt sein kein.» Im Klartext heisst dies, dass es zu einem grossen Stromausfall kommen kann.

Derzeit sind zwei von zehn Reaktoren ausser Betrieb, ein drittes läuft derzeit auf nur 30 Prozent. «Wir tauschen sämtliche Kontrollgeräte», erklärte Lars Björnkvist, der das Kraftwerk Ringhals 2 betreibt – einer der beiden Reaktoren, die derzeit nicht laufen. Anders Richter von Svensk Energi rät jedenfalls den Schweden, Kerzen bereit zu haben.

Probleme auch in Frankreich

Auch in Frankreich droht der Stromkollaps. Seit die Temperaturen um fünf, sechs Grad unter das saisonale Mittel gerutscht sind, kann der Elektroproduzent EDF nicht mehr rund um die Uhr die Versorgung des Landes sicherstellen. Speziell in den Abendstunden nach 19 Uhr, wenn TV-Geräte, Elektroherde und -öfen angestellt werden, befürchten die Ingenieure in den Schaltzentralen, dass die Netze schwächeln. Die Manager der rund 100’000 Kilometer langen Überlandleitungen befürchten gar ein Blackout.

Die Atomnation braucht deshalb fremden Strom, die AKW-Betreiber müssen bei den deutschen Kohlekraftwerken um Zulieferungen bitten. Insgesamt kann das französische Netz nicht mehr als 9000 Megawattstunden aus dem Ausland aufnehmen, vorausgesetzt die Stromzulieferungen kommen geografisch gleichmässig verteilt, über Deutschland, Belgien und Italien. Damit ist klar: Die Versorgungspanne ist gefährlich nahe – zumal jedes zusätzliche Minusgrad sich in einer weiteren Nachfrage von 2100 Megawatt niederschlägt.

Besonders betroffen von dem möglichen Ausfällen sind die Randregionen des Landes wie Provence-Alpen-Côte d'Azur oder auch die Bretagne, die selbst nur acht Prozent des eignen Strombedarfs produziert. In Rennes, Hauptstadt der Küstenregion und zehntgrösste Stadt Frankreichs, wurde vorsorglich schon mal die städtische Weihnachtsbeleuchtung gelöscht. (son)

Erstellt: 08.01.2010, 15:40 Uhr

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