Wer nicht mitzieht, wird blossgestellt
Aktualisiert am 27.01.2012 65 Kommentare
Einigung über Schuldenschnitt ist sehr nah: EU-Währungskommissar Olli Rehn am WEF. (Video: Keystone )
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Die Euro-Zone hat laut EZB-Präsident Mario Draghi bedeutende Fortschritte im Kampf gegen die Schuldenkrise erzielt. Ein zwischenstaatlicher Vertrag für eine bessere Haushaltsdisziplin wäre seiner Ansicht nach vor drei Monaten noch undenkbar gewesen.
Die Länder wären damals noch nicht bereit gewesen, Teile ihrer Souveränität bei der Haushaltspolitik abzugeben, sagte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) am Freitag am Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos: «Euroland ist eine andere Welt.»
Grosse Entschlossenheit
Die strukturellen Reformen und die Fortschritte bei der Budgetdisziplin seien erstaunlich. Die Entschlossenheit, noch mehr zu tun, sei gross. Neue und härtere Regeln zur Beschränkung von Defiziten in den Staatshaushalten sind für den Präsidenten der EZB die Voraussetzung für mehr Finanzkontrolle in der Eurozone.
Die europäischen Staaten müssten beweisen, dass sie sich selbst tragen könnten, und nicht schon von Beginn an andere um finanzielle Hilfe bitten, sagte EZB-Chef Mario Draghi heute beim Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos. Es wird erwartet, dass die EU-Regierungschefs am Montag in Brüssel strengere Defizitregeln als Antwort auf die Euro-Krise festlegen. Der sogenannten Fiskalpakt sei der «erste, wenn auch zaghafte» Schritt in Richtung einer Fiskalunion, sagte Draghi.
Damit verfüge man über Instrumente, um die Konsolidierung und die Entwicklung in der Euro- Zone als Ganzes zu garantieren, erklärte der ständige EU- Ratspräsident Herman Van Rompuy im Vorfeld des Gipfels.
Schäuble schiesst gegen Cameron
Der Vertrag über den Fiskalpakt könne dann im Februar definitiv unterzeichnet werden, sagte der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble am WEF. Gleichzeitig konnte sich Schäuble einen Seitenhieb auf den britischen Premier David Cameron nicht verkneifen. Wer den mehr als 500 Millionen EU-Bürgern im Streit um die Schuldenkrise Auskunft über die Wahrung ihrer Interessen geben kann, wusste er anlässlich einer Podiumsdiskussion am WEF ganz genau: «Ich möchte Ihnen gern die Handynummer von David Cameron geben», sagte er heute bei einer vom Fernsehen in alle Welt übertragenen Diskussion auf die Frage einer schwedischen Europa-Abgeordneten.
«Das ist kein Witz», fügte Schäuble mit Blick auf die Streitigkeiten mit dem britischen Premierminister hinzu, gab die Nummer dann aber doch nicht preis. Hintergrund der Aussage sind Unstimmigkeiten mit Grossbritannien, das sich beim Gipfeltreffen der EU-Staats- und Regierungschefs im Dezember in Brüssel gegen eine Vertragsänderung gesperrt hatte, mit der EU-weit mehr Haushaltsdisziplin festgeschrieben werden sollte.
Die 17 Euroländer beschlossen daraufhin, allein einen solchen Fiskalpakt voranzutreiben, der beim EU-Sondergipfel am Montag in Brüssel verabschiedet werden soll. Zudem sperrt sich die britische Regierung weiter gegen eine europäische Finanztransaktionssteuer, weil sie Nachteile für den Finanzplatz London fürchtet.
(mrs/sda)
Erstellt: 27.01.2012, 18:44 Uhr
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65 Kommentare
Das Vereinigte Königreich hat mit der Eurozone soviel zu tun wie die Glarner Landsgemeinde mit einem Fünfjahresplan aus Pjöngjang. Ist aber interessant, dass schon Unbeteiligte diffamiert werden, wenn interne Ablenkungsmanöver nicht mehr genügen. Vermutlich muss sich auch die Schweiz auf Diffamierung aus der Zentrale Frankfurt/Brüssel vorbereiten. Antworten
. . .und wenn Herr David Cameron doch nicht ganz Unrecht hätte mit seiner Meinung zum "Problem" ? Es ist natürlich klar, dass diese Ansicht aus der Ferne, dann noch von einer fernen Insel gesehen, den weisen Europäern auf dem Festlande etwas quer zu liegen kommt. Antworten
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