Was, wenn die Drachme doch wieder kommt?
Von Mischa Aebi. Aktualisiert am 18.11.2011 6 Kommentare
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Immer unverhohlener sprechen einzelne renommierte Ökonomen und Unternehmer insbesondere aus der Reisebranche von einem möglichen Ausstieg Griechenlands aus dem Euro. Die Mehrheit der Experten warnt indes vor den Folgen eines solchen Schritts. Doch wie müsste die griechische Regierung vorgehen, um wieder eine eigene Währung einzuführen? Hier die Antworten zu den acht wichtigsten Fragen in dieser Thematik.
1. Wie würde sich ein Ausstieg Griechenlands aus dem Euro abspielen?
Experten gehen davon aus, dass die griechische Regierung die Rückkehr zur Drachme unter strengster Geheimhaltung vorbereiten müsste. Erst wenn der Währungswechsel fixfertig vorbereitet wäre, würde die Regierung bekannt machen, dass das Land aus dem Euro aussteigt. Wahrscheinlich würden im Rahmen der Vorbereitungen – natürlich ebenfalls streng geheim – bereits Banknoten der neuen Währung gedruckt. Im gleichen Moment, in dem die Regierung die Wiedereinführung der Drachme ankündigte, würden, so vermuten Experten, alle Banken und Bancomaten Griechenlands für einige Tage geschlossen. Ebenso lange müssten möglicherweise sogar die Grenzen geschlossen werden. Wenn dann die Banken wieder öffneten, wären alle Eurobeträge auf den Konten der Griechen zu einem einheitlichen Anfangskurs in die neue Währung umgeschrieben.
2. Warum müsste der Währungswechsel unter strenger Geheimhaltung vorbereitet werden?
Wenn im Voraus bekannt würde, dass die griechische Regierung den Ausstieg aus dem Euro plant, wäre ein sogenannter Bankrun und damit ein gewaltiges Fiasko die Folge: Wohl jeder Grieche würde auf seine Bank rennen und seine Euroguthaben abheben, ins Ausland transferieren oder wenigstens unter das Kopfkissen legen. Gemäss Manuel Oechslin, Assistenzprofessor für Volkswirtschaft am World Trade Institute an der Uni Bern, würde nur schon ein glaubwürdiges Gerücht über einen geplanten Währungsaustausch ausreichen, um einen Sturm auf die Banken auszulösen. Deshalb wären geheime Vorbereitungen unumgänglich.
3. Warum genau würden die Griechen ihre Konten leeren wollen?
Den Bürgern Griechenlands wäre klar, dass die neue Währung in den Tagen nach dem Währungstausch an den Devisenmärkten gegenüber dem Euro stark an Wert verlieren dürfte. Jeder würde zu Recht vermuten, dass er viel mehr Drachmen erhält, wenn er seine Euros vor dem Währungsumtausch abhebt und dann erst Wochen nach dem Umtausch zu einem viel besseren Kurs in Drachmen umtauscht.
4. Warum muss man davon ausgehen, dass sich die neue Währung nach dem Ausstieg aus dem Euro stark abwerten würde?
Die neu unabhängige griechische Notenbank würde die Geldmenge rasch ausweiten, um die Wirtschaft anzukurbeln. Diese Ausweitung der Geldmenge würde zu einem starken Anstieg der Inflation führen – was laut Oechslin «eine sofortige Abwertung der griechischen Währung» zur Folge hätte. Diese Abwertungstendenz würde dadurch verstärkt, dass viele Griechen aus Angst vor einem Kollaps des griechischen Bankensystems ihre Ersparnisse ins Ausland bringen würden.
5. Welche Folgen hätte der Währungswechsel für Griechenland?
Vieles würde von der technischen Umsetzung des Währungsaustausches abhängen. Klar ist aber: Wenn die im Ausland gehaltenen Schulden Griechenlands in Euros bestehen blieben, wäre Griechenland sofort definitiv bankrott. Denn die bestehenden Schulden würden sich um so viel vergrössern, wie die neue Währung gegenüber dem Euro an Wert verliert. Diese Schuldenlast könnte Griechenland mit Sicherheit nicht mehr bewältigen. Ein effektiver Staatsbankrott hätte zur Folge, dass das Land für eine gewisse Zeit hohe Zinsen auf neue Staatsschulden bezahlen müsste. Langfristig böte sich für Griechenland aber durchaus eine Chance: Das Land könnte wegen des abgewerteten Kurses der neuen Währung Produkte viel günstiger ins Ausland exportieren. Ein florierender Export könnte Griechenland zum Aufschwung verhelfen.
6. Worin besteht ganz konkret die Gefahr für die EU?
Anzunehmen ist, dass viele Banken in EU-Ländern noch mehr Geld verlieren würden, weil Griechenland dann auch die nach dem kürzlichen Forderungsverzicht verbleibenden Schulden definitiv nicht mehr zurückzahlen könnte. Es bestünde also die Gefahr, dass der Ausfall der Schulden Griechenlands einige Banken im Euroraum noch stärker in Schieflage bringen würde. Ökonomen vermuten, dass deshalb einige Banken Staatshilfe beanspruchen müssten. Allerdings gehen die meisten Experten davon aus, dass sich dieses Problem in Grenzen halten und letztlich gelöst werden könnte.
7. Welches ist das gefürchtete Worst-Case-Szenario für die EU?
Laut Oechslin droht der EU ein zweites – unvergleichbar grösseres – Problem: die Ansteckungsgefahr. Ein Ausstieg Griechenlands aus dem Euro könnte an den Finanzmärkten als Signal aufgenommen werden: Das heisst, es könnte sich die Meinung breitmachen, dass die EU nach Griechenland bald auch Länder wie Portugal, Irland oder sogar Italien aus dem Euro aussteigen lassen könnte. Allein die Befürchtung dass weitere Länder aussteigen, könnte eine verheerende Eigendynamik entfachen: Die Zinsen für Staatsanleihen dieser Ansteckungskandidaten würden in untragbare Höhen schnellen, weil die Finanzmärkte vermuten, dass die Staatsschulden dieser Länder nun auch teilweise abgeschrieben werden müssten. Die noch höheren Zinsen würde diese Länder erst recht ans Limit bringen. Dies wiederum würde die Angst vor dem Ausstieg dieser Länder noch mehr schüren. Im Fall, dass ein solcher Teufelskreis beginnt, droht ein Kollaps der Finanzmärkte.
8. Warum glauben einige Ökonomen trotzdem, dass der Ausstieg Griechenlands besser wäre?
Zum Beispiel Wolfgang Gehrke, emeritierter Professor für Bank- und Börsenwesen, findet, ein Ausstieg Griechenlands wäre die beste Lösung. Gehrke ist Präsident des Bayerischen Finanz-Zentrums. Wäre Griechenland bereits früher ausgestiegen, hätte man viel Geld gespart, sagt Gehrke in der Sendung «Eco» des Schweizer Fernsehens. Auch er sagt zwar, dass ein Ausstieg Griechenlands nicht schmerzlos wäre. Es sei aber eine Illusion, zu glauben, dass Griechenland im Euro konkurrenzfähig werden kann. Vor allem in Bezug auf die EU sieht es Gehrke umgekehrt wie die meisten anderen Ökonomen: Wenn man Griechenland im Euro lasse, habe das auf andere hoch verschuldete Länder wie Portugal oder Italien eine falsche Signalwirkung, und nicht umgekehrt. Diese Länder stützten sich darauf ab, dass man, wie Griechenland, auf Rettungsmassnahmen der EU zählen könne, statt das Problem selber zu lösen. (Berner Zeitung)
Erstellt: 18.11.2011, 10:43 Uhr
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6 Kommentare
Es kommt darauf an wie die EU sich weiter entwickeln will. Wenn GR in der Euro Zone bleibt, dann muss bekanntlich ein konstanter à fonds perdu Geldstrom vom Norden in den Süden fliessen, damit das Land nicht bankrott geht. Die EU wird zur Transfer - Gemeinschaft. Das geht nicht ohne Aufgabe gewisser Souveränität. GR würde wie ein Gebirgskanton. Wenn nicht, muss die Drachme wieder eingeführt werden Antworten
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