Warum Sarkozy so unbeliebt ist
Interview: Samuel Reber. Aktualisiert am 15.03.2010 12 Kommentare
Berichtet für den «Tages-Anzeiger» aus Marseille: Oliver Meiler. (Bild: TA)
Artikel zum Thema
- «Der grosse Zampano ist entzaubert»
- Der rosarote Traum vom «Grand Slam»
- Das Glamourpaar im Gerüchtestrudel
Stichworte
Sarkozys Lager hat in der ersten Runde der Regionalwahlen gegen die Linke mit 39,8 zu 53,6 Prozent der Stimmen deutlich verloren. Wie schätzen Sie diese Niederlage ein und was sind die Gründe dafür?
Das ist eine schallende Niederlage für Frankreichs Rechte, die seit 1958 kein solch schwaches Resultat registriert hat. Und da Frankreichs Rechte von einem Mann monopolisiert wird, von Präsident Nicolas Sarkozy, ist das auch eine schallende Niederlage für ihn. Seine Omnipräsenz im politischen Tagesgeschäft strahlt notgedrungen auch ab auf Regionalwahlen, die im Grunde mit der nationalen Politik wenig gemein haben. Nicht weniger als 20 Minister und Staatssekretäre der rechten Regierung sind in diesen Wahlen engagiert. Sarkozys persönliche Unpopularität dürfte also den Ausschlag gegeben haben.
Ist eine Regionalwahl derart richtungsweisend, wie Medienberichte nun suggerieren?
Es ist die letzte Wahl vor der Präsidentenwahl 2012 - und darum ein bedeutsamer Stimmungstest. Wenn es den Wählern darum ging, ihre Unzufriedenheit auszudrücken, war das die Chance dazu. Viele bürgerliche Wähler dürften den Urnen ferngeblieben sein aus Protest - die Wahlbeteiligung war mit etwa 48 Prozent historisch tief. Andere rechte Wähler, die bei den letzten Präsidentschaftswahlen für Sarkozy gestimmt hatten, haben nun wieder Front National gewählt, der sich besser geschlagen hat, als angenommen wurde.
Ist Sarkozys Zeit abgelaufen? Wenn nicht, was muss er nun dringend machen, um bei der nächsten Präsidentschaftswahl nicht abgewählt zu werden?
Nein, so deutlich kann man das nicht sagen. Sarkozy ist ein starker Wahlkämpfer, und da Präsidentschaftswahlen in Frankreich derart personenbezogen sind, darf man ihn nicht abschreiben. Manchmal braucht es ja nur ein Grossereignis, das die Ausgangslage wieder fundamental verändert. Dennoch: Es scheint, als wirke sein Diskurs nicht mehr, als seien viele ernüchtert über die wahre Reformkraft des Mannes, der angetreten war, Frankreich aus seinen Verkrustungen zu befreien. Es blieb in vielem bei den grossen Versprechen, den Ankündigungen. Natürlich: Die Krise hat sein Projekt auch gebremst. Aber wenn man sieht, mit welcher Eigensinnigkeit er regiert, ist das wahrscheinlich ein Segen.
Haben die Gerüchte um ausserehelichen Affären von Herrn und Frau Sarkozy-Bruni zur Niederlage beigetragen?
Nein, in Frankreichs Medien war das überhaupt kein Thema. Sein privater Lebensstil geht vielen Franzosen auf die Nerven. Und das hat er gemerkt: Es dringt immer weniger davon an die Öffentlichkeit. Ausserdem waren die französischen Medien immer schon sehr zurückhaltend in der Berichterstattung über die intimen Affären ihrer Politiker. Man denke nur an François Mitterrand, der seine uneheliche Tochter Mazarine jahrelang verstecken konnte, obwohl viele von ihr wussten.
Was sind die Stärken der Sozialisten?
Ihre Stärke ist die Schwäche Sarkozys - und fast nur das. Noch immer gelten sie als zerstritten in ihrer Spitze, noch immer mangelt es ihnen an einem Programm für Frankreich. Die Sozialisten müssen erst noch beweisen, dass sie eine programmatische Alternative bieten können für 2012. Und natürlich einen starken Spitzenkandidaten oder eine starke Spitzenkandidatin. Martine Aubry, die Parteichefin, steht nun gestärkt da. Doch hat sie das Zeug zur Präsidentin? Reicht ihr Charisma für die Wahl? Kann sie die gesamte Linke, inklusive der Radikalen und den Grünen, hinter sich vereinen? Und wie wird sie sich gegen ihre parteiinternen Konkurrenten Ségolène Royal und Dominique Strauss-Kahn durchsetzen können? Das sind alles offene Fragen.
Wie werden die Stichwahlen vom 21. März ausgehen?
Wahrscheinlich wird die Linke 25 der 26 Regionen gewinnen - vielleicht aber auch alle 26. Nur das Elsass scheint noch wacklig.
(Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 15.03.2010, 11:45 Uhr
Kommentar schreiben
12 Kommentare
Dem Ethikempfinden des Waehlers wird etwas zu viel Kredit gegeben. Sarkozy hat von Anfang an keinen Hehl daraus gemacht, wessen Geistes Kind sein Modus Vivendi ist. Die Frustration duerfte eher bei den Waehlern liegen, die ihn vor zwei Jahren als Vorbild beim steilen Erklimmen der gesellschaftlichen Leiter sahen. Ihre Abwahl Sarkozys ist ein Abschied von den eigenen Illusionen. Caliban im Spiegel. Antworten
Egal wie gross der Reformwille einer Regierung ist, letztendlich kommt es immer auf die Reaktion der Bevölkerung an. Und die allermeisten Bürger denken zuerst mal an sich, und erst dann an die zukünftige Generation. Siehe Demonstrationen in Griechenland oder das Schweizer Nein zum BVG-Umwandlungssatz. Daraus kann man Herrn Sarkozy keinen Strick drehen, im streikfreudigen Frankreich sind Reformen s Antworten
Ausland
- 11:17Plant Berlusconi einen Anlauf mit neuer Partei?
- 06:36Mob wirft Steine auf Präsidentschaftskandidaten
- 23:08Grosser Andrang vor ägyptischen Wahllokalen
- 21:28«Dieses Ungleichgewicht zerstört die Europäische Union»
- 19:31Weil er die Spur zu Osama bin Laden legte: Arzt muss ins Gefängnis
- 18:03«Das Verhalten von Deutschland weckt Erinnerungen an Kriegszeiten»
Ausland
- 11:17Plant Berlusconi einen Anlauf mit neuer Partei?
- 06:36Mob wirft Steine auf Präsidentschaftskandidaten
- 23:08Grosser Andrang vor ägyptischen Wahllokalen
- 21:28«Dieses Ungleichgewicht zerstört die Europäische Union»
- 19:31Weil er die Spur zu Osama bin Laden legte: Arzt muss ins Gefängnis
- 18:03«Das Verhalten von Deutschland weckt Erinnerungen an Kriegszeiten»
Meistgelesen in der Rubrik Ausland
- 1«Dieses Ungleichgewicht zerstört die Europäische Union»
- 2«Das Verhalten von Deutschland weckt Erinnerungen an Kriegszeiten»
- 3Weil er die Spur zu Osama bin Laden legte: Arzt muss ins Gefängnis
- 4Plant Berlusconi einen Anlauf mit neuer Partei?
- 5Mob wirft Steine auf Präsidentschaftskandidaten
- 6«Sie wollen Angst verbreiten, indem sie Mädchen vergiften»











Die Welt in Bildern


















