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Vom Buhmann zum beliebtesten Politiker
Von Knut Krohn, Warschau. Aktualisiert am 09.02.2010
Artikel zum Thema
- Die Rache des Wiktor Janukowitsch
- In der Ukraine kommt es zur Stichwahl
- «Das Ende der Orangenen Macht»
- Timoschenko liegt im Präsidentenrennen zurück
- Die Orange Revolution ist weit weg
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Es ist leicht, sich über Wiktor Janukowitsch lustig zu machen. Noch immer kursiert die Geschichte, dass er bei «Beruf» einst «Proffessor» hinkritzelte, als er sich vor der Präsidentenwahl 2004 ins Kandidatenregister eintrug. Als Knecht des Kremls mit sehr überschaubaren intellektuellen Fähigkeiten wurde er verspottet, als Bauerntölpel aus Donezk, der über ein grosses Repertoire an unflätigen Flüchen verfüge und zu Wutausbrüchen neige.
Doch das ist nur die eine, wenig ruhmreiche Seite dieses Politikers. Inzwischen gibt es auch einen anderen Wiktor Janukowitsch, der feine Anzüge trägt und bei Interviews nur Artigkeiten von sich gibt. Es war ein langer Weg, und der Mann musste sich neu erfinden. Geholfen haben ihm dabei Berater aus den USA. Männer, die schon das Image amerikanischer Präsidenten aufpoliert haben oder den philippinischen Diktator Marcos in neuem Licht erscheinen liessen. Die fleissigen Helfer haben aus dem Wahlfälscher von 2004 einen weltoffenen, redegewandten Menschen geformt. Selbst seine Wahlkämpfe verraten die amerikanische Handschrift und ähneln inzwischen bemerkenswert dem Auftritt der grossen Vorbilder in Washington. Auf diese Weise ist der Buhmann zu einem der beliebtesten Politiker der Ukraine geworden.
Hobbyrennfahrer
Der Erfolg war Wiktor Janukowitsch nicht in die Wiege gelegt. Er wurde 1950 in der Nähe der ostukrainischen Industriestadt Donezk als Kind einer Arbeiterfamilie geboren. Seine Mutter starb, als er zwei Jahre alt war. Mit sehr viel Energie und grosser Zähigkeit arbeitete er sich nach oben. Ende der 60er-Jahre war er Gasinstallateur in der Jenakijewer Metallfabrik und besuchte nebenbei das Bergbau-Technikum, wo er 1973 einen Abschluss machte. In diesen Jahren frönte er auch mit einigem Erfolg seinem Hobby, der Rennfahrerei. 1974 trat er für die damalige UdSSR als Rennfahrer bei der Rallye Monte Carlo an.
In den 90er-Jahre zog es Wiktor Janukowitsch in die Politik, und er brachte es schliesslich bis zum Gouverneur des Donezker Oblast. Damals wurden die Machthaber in der Ukraine auf den ehrgeizigen Mann aus dem Osten des Landes aufmerksam. Im November 2002 wurde er schliesslich unter dem Präsidenten Leonid Kutschma zum Premierminister gekürt. Zwei Jahre später sollte er den Gipfel der Macht erklimmen. Als Kandidat der Mächtigen gewann er die Präsidentenwahlen gegen seinen Herausforderer Wiktor Juschtschenko. Doch setzten die offensichtlichen Unregelmässigkeiten bei der Abstimmung die sogenannte Orange Revolution in Gang. Die Wahl wurde wiederholt, Janukowitsch, der damals als Marionette des russischen Präsidenten Wladimir Putin galt, unterlag seinem Rivalen Juscht-schenko. Damit schien das Ende der Karriere des Aufsteigers besiegelt.
Der geglättete Lebenslauf
Doch die Entzweiung seiner beiden Kontrahenten Julia Timoschenko und Wiktor Juschtschenko sowie die ihm eigene Zähigkeit verschafften ihm eine neue Chance. Als das demokratische Lager wegen der Streitigkeiten zerfiel, kehrte Janukowitsch nach der erfolgreichen Wahl 2006 in das Amt des Ministerpräsidenten zurück. Es blieb jedoch nur ein kurzer Ausflug an die Spitze der Regierung, denn das Parlament zerbrach, und 2007 musste erneut gewählt werden. Wieder gewann Janukowitsch mit seiner «Partei der Regionen» die meisten Stimmen, doch das orange Lager raufte sich noch einmal zusammen. Zu seinem Verdruss wurde Julia Timoschenko Premierministerin, und er musste auf der harten Oppositionsbank Platz nehmen.
Schnell aber wurde deutlich, dass Janukowitsch in Wahrheit nach Höherem strebte. Sein Ziel war es, nach der gelungenen Rehabilitation, im zweiten Anlauf doch noch Präsident der Ukraine zu werden. Dazu hat er mit einigem Aufwand noch einmal seinen Lebenslauf glätten lassen. Vor einigen Tagen verkündete ein ukrainisches Gericht, dass die Haftstrafen, die gegen den jungen Janukowitsch einst wegen Körperverletzung ausgesprochen wurden, zu Unrecht verhängt wurden. Alles sei in gewisser Weise ein Justizirrtum gewesen. In der Ukraine würde es inzwischen niemanden mehr wundern, wenn Janukowitsch auch die Orange Revolution für ungültig erklären lassen würde.
Tausende Janukowitsch-Anhänger begrüssten am Montag in Kiew den Ausgang der Wahl. Foto: AP Photo, Keystone
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 09.02.2010, 04:00 Uhr
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