«Steuersumpf Schweiz austrocknen»

Immer mehr führende deutsche Politiker unterstützen den Kauf der Steuersünder-CD. Und sie wettern gegen das «Geschäftsmodell Schweiz».

Sie machen sich unbeliebt in der Schweiz: Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble und Kanzlerin Angela Merkel.

Sie machen sich unbeliebt in der Schweiz: Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble und Kanzlerin Angela Merkel.
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Die Stimmung wendet sich immer mehr gegen die Schweiz: Bundestag in Berlin.

Die Stimmung wendet sich immer mehr gegen die Schweiz: Bundestag in Berlin. (Bild: Keystone)

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Steueraffäre

Kein Strafverfahren der Schweizer Justiz

Die deutschen Behörden haben sich inzwischen zum Kauf der Bankdaten entschlossen, die angeblich in der Schweiz gestohlen worden sind. Der Schweizer Justiz reicht dies nicht aus, um ein Strafverfahren wegen möglichen Daten-Diebstahls zu eröffnen. Dafür lägen derzeit keine genügend konkreten Anhaltspunkte vor, hiess es bei der Bundesanwaltschaft (BA) am Freitag auf Anfrage. Diese wäre in dem Fall zuständig, weil es sich beim Daten-Klau um wirtschaftlichen Nachrichtendienst handeln könnte. Aber noch steht nicht einmal fest, von welcher Bank die angeblich gestohlenen Daten stammen. Ob entsprechende Abklärungen im Gang sind und wer die entsprechenden Informationen einholen würde, war bei der Bundesanwaltschaft nicht zu erfahren. Normalerweise betraut diese die Bundeskriminalpolizei mit solchen Ermittlungen. Sie kann aber auch auf die kantonalen Untersuchungsbehörden oder die Hilfe anderer Behörden des Bundes zurückgreifen. (sda)

Nach dem neuerlichen Votum von Bundeskanzlerin Angela Merkel für den Kauf der Schweizer Steuer-CD mehren sich in den Koalitionsparteien die Zustimmungsbekundungen. Führende Politiker aus CDU und FDP stellten sich am Freitag hinter Merkel und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Einem Bericht der «Süddeutschen Zeitung» zufolge rechnen die Finanzbehörden damit, dass der Deal mit den Daten deutscher Steuerhinterzieher bei einer Schweizer Bank bis zu 400 Millionen Euro einbringen kann.

Die Schätzung beruht nach dem Bericht darauf, dass mittlerweile hundert Stichproben aus der Datensammlung ausgewertet wurden. Die Steuerfahnder hätten dabei festgestellt, dass etliche Bankkunden Steuern in beträchtlicher Höhe hinterzogen haben. Die Daten stammen nach Angaben mehrerer Quellen aus dem Bankhaus Credit Suisse. Interne Unterlagen der Bank aus dem Jahr 2004 legten den Verdacht nahe, dass mehr als 80 Prozent aller Deutschen, die ihr Geld bei Credit Suisse in der Schweiz anlegten, ihre Zinserträge vor dem Fiskus versteckten.

Deutsche Behörden gehen davon aus, dass Mitarbeiter der Credit Suisse über Jahre systematisch Beihilfe zur Steuerhinterziehung geleistet haben, wie die Zeitung weiter schreibt. Die Steuerbehörden seien mit dem Fall schon knapp ein Jahr befasst. Aus einer internen Schätzung der Credit Suisse gehe hervor, dass bis zu 100'000 Deutsche ihr Geld in der Schweiz vor dem deutschen Fiskus versteckt hätten. Insgesamt belaufe sich dieses Vermögen auf 34 Milliarden Schweizer Franken.

«Alles andere als ein Kavaliersdelikt»

Kanzlerin Merkel hatte am Donnerstagabend noch einmal den Ankauf verteidigt. Zwar sei die Entscheidung schwierig, sagte sie im ZDF-«heute journal». Die Bundesregierung habe sie aber gemeinsam mit der nordrhein-westfälischen Landesregierung getroffen. Steuerhinterziehung sei «alles andere als ein Kavaliersdelikt», betonte die Kanzlerin.

Der Vorsitzende des CDU-Wirtschaftsrats, Kurt Lauk, unterstützte die Kaufentscheidung und die «Austrocknung des Steuersumpfs» Schweiz. Er sagte bei «busch(at)n-tv», er halte es «unter machtpolitischen Gesichtpunkten für ausdrücklich richtig, die Schweiz unter Druck zu setzen». Deutschland habe es zwar versäumt, für eine klare Steuergesetzgebung zu sorgen, räumte er ein, fügte aber hinzu: «Wir müssen das Geschäftsmodell Schweiz trockenlegen.»

Der Vorsitzende des Bundestags-Finanzausschusses, Volker Wissing, wies Finanzminister Wolfgang Schäuble «grosse Verantwortung» zu. «Sollte der Bundesminister der Finanzen mit seiner Rechtsauffassung vor einem Finanzgericht oder gar dem Verfassungsgericht unterliegen, wäre das ein schwerer Schlag für den Rechtsstaat», meinte der FDP-Politiker. Die Freien Demokraten unterstützten Schäuble, aber er stehe «in der politischen Verantwortung dafür, dass auch im Falle des Erwerbs der Daten-CD die Prinzipien des Rechtsstaates gewahrt bleiben» (vin/ddp)

Erstellt: 05.02.2010, 14:59 Uhr

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