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So sind wir Griechen nun einmal

Von Taki Theodoracopulos. Aktualisiert am 02.03.2010

Starrsinnig. Gaunerisch. Der Vetternwirtschaft zuneigend: griechische Eigenschaften seit der Antike. Und dass das Land jetzt tief in der Krise steckt, folgt auch aus dem Nationalcharakter. Schreibt der Publizist Taki – ein Grieche.

Ein Volk, listenreich und brutal, kühn und raffiniert zugleich: Odysseus und seine Gefährten blenden den riesenhaften Zyklopen.

Ein Volk, listenreich und brutal, kühn und raffiniert zugleich: Odysseus und seine Gefährten blenden den riesenhaften Zyklopen.
Bild: Keystone

Griechische Legende: Steinreicher Reeder Stavros Niarchos, Mitglied der «Golden Greeks» auf einem Foto von 1955.

Griechische Legende: Steinreicher Reeder Stavros Niarchos, Mitglied der «Golden Greeks» auf einem Foto von 1955. (Bild: Keystone)

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Der Grieche in Gstaad

Taki Theodoracopulos

Taki Theodoracopulos, genannt Taki, ist bekannt für seine vielen Talente: Der gebürtige Grieche wurde 1937 geboren und ist der Erbe eines riesigen Reedereivermögens. Er war ein erfolgreicher Sportler und wurde bekannt als Autor, Gesellschaftskolumnist, Frauenheld sowie als politischer Kommentator. Seit 1977 schreibt Taki eine Kolumne im konservativen britischen Heft «Spectator». Darin attackiert er schonungslos und direkt die Linken genauso wie neokonservative Ideologen oder die Oberschicht. Er war einst Kapitän der griechischen KarateNationalmannschaft und spielte Tennis beim Davis-Cup. Taki lebt heute in Gstaad, London und New York.

Griechen lieben Gerüchte und Gerede. Das liegt ihnen seit ewigen Zeiten im Blut. Schon Platon hat sich dazu geäussert. Demagogen brachten ihre Gegner mithilfe von Gerüchten und Klatsch zum Schweigen – der Begriff Demagogie kommt schliesslich aus dem Griechischen. Griechen lieben aber auch das gesprochene Wort. Wie schon bei ihren Vorfahren untergräbt die Macht des gesprochenen Wortes bisweilen die Vernunft. Während ich diese Zeilen schreibe, höre ich meine Landsleute ziemlich unvernünftige Dinge sagen. Etwa: «Die Deutschen und die Franzosen haben es auf unsere Industrie und unsere Bodenschätze abgesehen.» Oder: «Die EU war von Anfang an gegen Griechenland gerichtet.» Am besten gefällt mir: «Ohne Griechenland wird Europa untergehen.»

Gigantische Staatsverschuldung

Eher scheint mir, dass Europa, also die Europäische Union, wegen Griechenland untergehen könnte. Ich will hier nicht gross auf die gegenwärtigen Probleme eingehen; jede Zeitung und jeder Fernsehsender der Welt hat ausführlich darüber berichtet, einschliesslich der «Mogadiscio Daily News» und des «Monrovia Mirror».

Kurz gesagt, die griechische Staatsverschuldung ist dermassen gigantisch, dass Athen auf Hilfe der EU-Partner angewiesen ist. Also natürlich vor allem auf die Hilfe Deutschlands. So unbeliebt die Deutschen auch sein mögen – sobald es um Rettungspakete geht, heisst es immer: Deutschland über alles! Ausserdem sind die Amerikaner pleite, die Engländer noch viel mehr, die Franzosen reden viel über Sex, zahlen aber nicht, und die Niederländer sind vollauf damit beschäftigt, den Bürgern beizubringen, sich wie Muslime zu kleiden, zu verhalten und zu sprechen.

Die plötzliche Deutschenliebe

Kein Wunder, dass Deutschland von uns Griechen plötzlich so bewundert wird. Gut, das «plötzlich» stimmt nicht ganz: Deutsche Frauen sind seit den Fünfzigerjahren in Griechenland sehr beliebt, und obwohl ihre Popularität nach der Einführung von Haarfärbemitteln ein wenig gelitten hat (es gibt inzwischen mehr falsche Blondinen in Griechenland als echte Blondinen in Schweden), so gelten deutsche Mädchen noch immer als besonders begehrenswert bei griechischen Männern.

Nein, die gegenwärtige Bewunderung für Deutschland rührt daher, dass dieses Land das erste war, in dem Arbeitslose und Migranten versorgt wurden. Das Ganze nannte sich «Sozialstaat» und bewirkte, dass ein deutscher Arbeiter mit Familie weniger Geld in der Lohntüte hatte als ein (oft ausländischer) Arbeitsloser, der vom Weihnachtsmann, pardon: vom Staat, Geld bekam. Warum sollte das nicht für uns Griechen gelten? Immerhin haben wir ja auch die Geometrie, Trigonometrie, Chemie, Medizin, Astronomie, Philosophie, Tragödie, Dichtung und Geschichtsschreibung erfunden sowie Knabenliebe und Steuerhinterziehung. Womit ich zum griechischen Nationalcharakter kommen möchte.

Wir alle kennen die alten Griechen. Kühn waren sie, stolz, erfindungsreich; emotional, eigenwillig, heroisch, aber auch neidisch und rachsüchtig. Tatsache ist, dass wir heutigen Griechen nicht nur die Sprache der dorischen Stämme geerbt haben, sondern auch ihre Unzulänglichkeiten.

Individualistisch und unberechenbar

Während Odysseus wegen seiner Überheblichkeit einst den Zorn der Götter auf sich lud und zehn Jahre durch die Welt irren musste, geben die meisten Griechen heute Amerika und Europa die Schuld für ihre Probleme. Zudem haben vierhundert Jahre osmanischer Herrschaft das Ihre dazu beigetragen; griechische Intellektuelle und Historiker lasten die Probleme der Nation gern auch den Türken an.

Tatsache ist, dass unterdrückte Völker im Kampf um ihre eigene Würde allmählich ihre Unterdrücker kopieren. Die Brutalität, Härte und Kompromisslosigkeit, mit der die Parteien in Griechenland aufeinander einprügeln, bezeugt diese These.

Hinzu kommt die Unberechenbarkeit der Griechen, vermutlich das Einzige, was sie mit ihrer glorreichen Vergangenheit verbindet. Als ausgeprägter Individualist beugt sich der Grieche nur ungern dem Diktat anderer. Sein Eigensinn hat ihm geholfen, jahrhundertelange Fremdherrschaft zu überstehen und Schwierigkeiten (wirtschaftlicher und anderer Natur) zu meistern. Andererseits sind ihm die Vorzüge eines wahrhaft demokratischen Gemeinsinns fremd geblieben. Der Grieche wird alles tun, um seine Ziele zu erreichen, und selbst vor Lüge und Betrug nicht zurückschrecken. Auf diese Weise ist ein Klima entstanden, in dem Betrug gewissermassen zum Leben gehört und niemand ein schlechtes Gewissen hat, nur weil er unehrlich ist – erst recht nicht in der Politik.

Schamlose Vetternwirtschaft

Ein direktes Ergebnis dieser Haltung ist die Vetternwirtschaft. Diese ist zwar keine griechische Spezialität, aber nirgends wird sie so schamlos praktiziert wie in Griechenland. Noch jede Regierung hat ihren Freunden Posten verschafft, um sich zu revanchieren, und Gesetze in ihrem Sinne geändert. Auf diese Weise entsteht Unmut und eine Haltung des «Wartet nur, bis ich dran bin». Keine griechische Regierung hat sich bislang ernsthaft darum bemüht, die Gräben zuzuschütten.

Am schlimmsten – aus meiner Sicht – war Andreas Papandreou (oder Ali Babandreou, wie ich ihn nenne). Er betrog und log fast zwanzig Jahre lang; bis er schliesslich das Zeitliche segnete. Der Zweitschlimmste war Kostas Karamanlis, der für die jüngste Euromisere verantwortlich ist. (Der gegenwärtige Premier Georgios Papandreou, Sohn von Ali Baba, ist ein ehrlicher und seriöser Mann; der an der Misere keine Schuld trägt.)

Karamanlis war angeblich ein Konservativer, aber er fuhr das Land vor die Wand, indem er tat, was alle anderen vor ihm getan haben, nur noch ein bisschen intensiver: Er machte falsche Angaben zur Staatsverschuldung, glaubte, Brüssel in der Tasche zu haben, umgab sich mit Gaunern. Und als die Sache aufflog, rief er Al Capone (in der Verkleidung von Goldman Sachs) zu Hilfe. Der Rest ist Geschichte, wie Herodot zu sagen pflegt.

Takis weiser Rat

Der weltberühmte Ökonom Taki schlägt nun folgenden Ausweg aus dem griechischen Dilemma vor. Jagt die Brüsseler Eurokraten zum Teufel, führt die Drachme wieder ein und wertet sie ab: Der Wechselkurs wird auf 15 000 Drachmen für einen Euro festgelegt. Alsbald werden Kellner und Hilfskellner losziehen und sich nagelneue Toyota (ebenfalls abgewertet) von den Trinkgeldern all der Eurotrottel kaufen, die massenhaft in das billigste Land der zivilisierten Welt (nun ja) strömen: Das Defizit bezahlen wir mit Drachmen, woraufhin die Euroheinis vor Neid nur so erblassen. Trichet soll Leine ziehen, und Van Rompuy, oder wie der EU-Ratspräsident heisst, soll Fritten essen: Griechen, hört auf, immer nur zu fordern, das funktioniert nicht mehr!

Das Vokabular des Anspruchsdenkens hat der griechischen Politik mehr geschadet als die Plünderung der Staatskasse. Griechische Beamte sind nicht viel besser als jene, die der blutrünstige Robert Mugabe ernannt hat. Über die Ineffizienz, den Schlendrian und die Schäbigkeit griechischer Beamter werden mehr Witze gemacht als seinerzeit über Monica Lewinsky und die Flecken auf ihrem Kleid: Schafft die Privilegien dieser Leute ab, sie sollen Steuern zahlen wie alle anderen auch; und wenn sie streiken, werden sie gefeuert. Und holt ein paar altmodische Deutsche, damit sie das Ruder übernehmen, bis das Land wieder auf den Beinen steht.

Folgt diesen Empfehlungen von Taki, dem berühmtesten Ökonomen der Welt. Anschliessend könnt ihr wieder an den Strand gehen.

Aus dem Englischen von Matthias Fienbork. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.03.2010, 18:30 Uhr


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