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«Sarkozy packte die Gelegenheit, seinem Land eine neue Rolle zu geben»

Interview: Reto Hunziker. Aktualisiert am 25.03.2011 21 Kommentare

Mit seinem Einsatz in Libyen verfolgte Nicolas Sarkozy sowohl nationale als auch persönliche Ziele, sagt «Tages-Anzeiger»-Korrespondent Oliver Meiler.

1/4 Am 19. März gab Nicolas Sarkozy die Unterstützung der demokratischen Bewegung in Libyen bekannt.
Bild: Keystone

   

«Fauxpas vergessen lassen»: Oliver Meiler, Frankreich-Korrespondent des «Tages-Anzeiger».

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Nicolas Sarkozy tat sich im Libyen-Konflikt als Leader hervor. Zu Recht?
In der Phase, als Sarkozy diplomatisch aktiv wurde, herrschte im Libyen-Dossier absolute internationale Lähmung. Ohne das Engagement der Franzosen wäre es nicht zur UNO-Resolution 1973 gekommen. Von einem diplomatischen Standpunkt betrachtet und ohne die Initiative werten zu wollen, muss man sagen, dass der Vorstoss Erfolg hatte.

Welches Kalkül steckt dahinter?
Das muss man sich fragen, sofern man davon ausgeht, dass es sich nicht bloss um ein nobles Unternehmen handelt, einen demokratischen Aufstand zu unterstützen. Ein mögliches Motiv für den Einsatz ist auf nationaler Ebene zu finden: Die geopolitische Bedeutung Frankreichs, das sich einst als Grossmacht sah, ist in den letzten Jahrzehnten immer kleiner geworden. Sarkozy konnte nun die Gelegenheit beim Schopf packen, seinem Land eine neue Rolle zu geben.

Es gibt bestimmt noch weitere Gründe.
Frankreich kommt traditionell eine wichtige Rolle in der arabischen und afrikanischen Welt zu, nur schon wegen der ehemaligen Kolonien. Seit Beginn der jüngsten Demokratiebewegung in der arabischen Welt hat Frankreich jedoch eine sehr schlechte Figur abgegeben. Die Aussenministerin Michèle Alliot-Marie etwa befand sich kurz vor den Aufständen im Urlaub in Tunesien und hatte sich von einem regimenahen Unternehmer herumfliegen lassen – und dann schlug sie Ben Ali auch noch vor, ihm bei der Neutralisierung der Demonstranten zu helfen. Ferner war der Premierminister François Fillon an Weihnachten auf Einladung der Regierung Hosni Mubaraks in Ägypten. Beim Einsatz in Libyen ging es also auch darum, diese Fauxpas vergessen zu machen und das Image etwas zu korrigieren.

Welche Rolle spielen die Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr?
Die gehören natürlich zu Sarkozys persönlichem Kalkül. Er ist extrem unpopulär. Kein Präsident vor ihm hatte so schlechte Umfragewerte ein Jahr vor den nächsten Präsidentschaftswahlen. Und die Franzosen sind, wie wir wissen, immer sehr interessiert daran, dass Frankreich eine wichtige Rolle auf dem internationalen Parkett spielt. Das stärkt ihr Selbstverständnis als Grande Nation. Sarkozy taktiert hier also bestimmt auch im eigenen Interesse.

Und, goutiert sein Land seinen Einsatz?
Unter den Parteien findet eine Mehrheit, Frankreich habe richtig gehandelt. Sogar die Linken, auch wenn diese sagen, die Militäraktion sei überstürzt und nicht gut genug geplant gewesen.

Und das Volk?
Auch die Franzosen finden: Das hat er richtig gemacht. Ob ihm das hilft, seine Popularitätswerte aufzubessern und zwar so, dass es ihm bei den Wahlen dienlich ist, das wage ich allerdings zu bezweifeln.

2007 empfing Sarkozy, kaum war er Präsident, Muammar al-Ghadhafi mit grossem Trara in Paris.
Der Empfang war wirklich pompös. Schon die Tatsache, dass Ghadhafi überhaupt empfangen wurde, war damals umstritten. Als Sarkozy dann auch noch zuliess, dass Ghadhafi sein Zelt gleich gegenüber dem Elysée-Palast aufschlug und sich mit dem Despoten inszenierte, wirkte das auf viele wie eine traurige Farce.

Nun hat Sarkozy bewiesen, dass er kein Freund von Ghadhafi (mehr) ist.
Und prompt kommt die Retourkutsche. Ghadhafi droht, er werde publik machen, wie viel Geld er Sarkozy für den Präsidentschaftswahlkampf gegeben habe. Beweise hat er zwar noch keine auf den Tisch gelegt, aber er behauptet, es gebe Belege dafür. Selbst wenn Ghadhafi als nicht sehr glaubwürdig gilt, ist der Verdacht doch recht brisant.

Geniesst Ghadhafi in Frankreich ein besseres Image als hierzulande?
Nein, er wird so gesehen wie in allen anderen europäischen Ländern auch. Dank seines Ölreichtums und den wirtschaftlichen Verstrickungen hatte und hat er auch Lobbyisten und Freunde in der französischen Politik. Die sind nun jedoch etwas ruhiger geworden. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.03.2011, 12:55 Uhr

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21 Kommentare

Eric Greney

25.03.2011, 13:22 Uhr
Melden

Frankreich tut was eigentlich die gesamt EU tun sollte, nämlich aussenpolitisch nicht nur immer reden und debattieren sondern auch mal die Zähne zeigen. Natürlich ist auch ein Touch Wahlkampf dabei, aber man sollte nicht vergessen, dass F schon immer aussenpolitisch sehr aktiv war und ist. Zeit für Nägel mit Köpfe. Das war auch im Georgien-Krieg so, wo Sarkozy den Waffenstillstand aushandelte. Antworten


Alain Burky

25.03.2011, 13:21 Uhr
Melden

Auch wenn ich als "Wahlfranzose" kein Freund von Sarko (Monsieur CAC40) bin -
in dieser Sache hat er richtg gehandelt.
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