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«Rückständig»: Russlands Präsident schimpft über sein Land

Aktualisiert am 10.09.2009 15 Kommentare

Dmitri Medwedew spricht in einem Beitrag einer Internetzeitung aus, was kein Präsident vor ihm zu sagen wagte.

Weniger Passivität, weniger Alkohol: Dmitri Medwedew hofft auf Russlands Bürger.

Weniger Passivität, weniger Alkohol: Dmitri Medwedew hofft auf Russlands Bürger.
Bild: Keystone

Mit den Worten «rückständig und korrupt» beschreibt der russische Präsident Dmitri Medwedew sein Land in einem Beitrag für die Internetzeitung «Gazeta.ru». Zudem habe Russland eine «schwache Demokratie», eine primitive Wirtschaft und sei «zurückgeblieben».

Russland sei es in den vergangenen 20 Jahren nicht gelungen, sich von der «erniedrigenden Rohstoffabhängigkeit» zu befreien, schreibt Medwedew weiter. Russlands Wirtschaft ignoriere wie zu Sowjetzeiten die Bedürfnisse des Menschen. Der Bevölkerung fehle es dagegen an Initiative.

Starke Präsenz des Staates

Die Kolummne trägt den Titel «Vorwärts Russland!». Bei aller Kritik ruft Medwedew seine Landsleute auf, gegen Korruption, Passivität und Trunkenheit anzugehen. Russlands Bürgerinnen und Bürger sollten ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen, statt den Staat für die eigenen Probleme verantwortlich zu machen.

In der langjährigen exzessiven Präsenz des Staates in der Wirtschaft sieht Medwedew eine der Ursachen der Korruption. Er kritisierte zugleich, dass viele Unternehmer mehr auf Schmiergeldzahlungen setzten, als nach «talentierten Erfindern» zu suchen oder «einzigartige Technologien» einzuführen.

Seitenhieb gegen Wladimir Putin

Medwedew prangerte auch die «niedrige Qualität der öffentlichen Diskussion, einschliesslich kritischer Reaktionen» an. Damit kritisierte Medwedew nach Einschätzung von Experten die Einschränkung von Grundrechten wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit unter seinem Vorgänger Wladimir Putin.

In seinem beispiellosen Appell forderte Medwedew die Bevölkerung schliesslich auf, ihm Vorschläge für seine Rede zur Lage der Nation zu liefern. Der Präsident will die Rede nach Angaben einer Sprecherin Ende Oktober oder Anfang November halten. Am 21. und 22. September kommt Medwedew auf einen Staatsbesuch in die Schweiz. (oku/sda)

Erstellt: 10.09.2009, 18:15 Uhr

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15 Kommentare

Ernst Boller

10.09.2009, 19:15 Uhr
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Ich bewundere Herrn Medwedews Mut und wünsche ihm jeden Erfolg. Er wird wissen, dass er von Menschen umgeben ist, denen seine Aussagen bestimmt nicht passen und die auf "Abhilfe" sinnen werden. Antworten


Patrick Tigri

10.09.2009, 19:06 Uhr
Melden

Mutig von Medwedew, zwischen den Zeilen seinen Ziehvater zu kritisieren. Er kann sich das wohl nur leisten, weil er in Russland mittlerweile politisch sehr anerkannt ist. Antworten




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