Pauken und Vuvuzelas zu Wulffs Abschied
Aktualisiert am 08.03.2012 38 Kommentare
Pauken und Vuvuzelas: Christian Wulff wurde lautstark verabschiedet.
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Trotz Absagen, Kontroversen und Vuvuzelas: Die Verfassungsorgane wahrten Fassung und Würde. Bei der Verabschiedung des zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff mit militärischen Ehren demonstrierten Bundesratspräsident Horst Seehofer Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundestagspräsident Norbert Lammert am Donnerstagabend politische Normalität. Doch dieser lange umstrittene Grosse Zapfenstreich war anders als all die anderen.
Wulff stand auf dem roten Podest im Fackelrauch zwischen Seehofer und Verteidigungsminister Thomas de Maiziere. Die Musik spielte «Over the rainbow», aber das Musikkorps der Bundeswehr war kaum zu hören. Die Demonstranten, die sich an beiden Seiten des Parkes von Schloss Bellevue versammelt hatten, skandierten unüberhörbar «Schande, Schande». Die unifomierten Musiker konnten die Buhrufe und das Getröte der Vuvuzelas, deren Nervpotenzial seit der Fussball-WM in Südafrika bekannt ist, kaum übertönen.
«Das bedeutet mir sehr viel»
Schmal geworden im Gesicht verfolgte der zurückgetretene Bundespräsident, gegen den die Staatsanwaltschaft Hannover wegen des Verdachts der Vorteilsannahme ermittelt, den Zapfenstreich. Am Weltfrauentag überreichte ihm eine Soldatin die Urkunde des Wachbatallions, auf dem Datum und Anlass vermerkt sind. «Vielen Dank, das bedeutet mit sehr viel», antwortete Wulff mit ernstem Gesicht.
Für die feierliche Abendmusik waren neben Spielmannszug und Musikkorps zwei Züge Soldaten unter Gewehr sowie Fackelträger angetreten. Neben Wulff stand - wie es sich gehört - auch Generalinspekteur Volker Wieker. Vizekanzler Philipp Rösler und Aussenminister Guido Westerwelle verfolgten im Publikum das Zeremoniell.
Zehn Stuhlreihen waren aufgebaut, ein paar Stühle blieben leer. Zahlreiche Spitzenpolitiker und Wulffs Amtsvorgänger hatten ihre Teilnahme am Zapfenstreich abgesagt. Am wichtigsten wird Wulff aber wohl gewesen sein, dass seine Frau Bettina und Annalena, seine Tochter aus erster Ehe, unter den rund 200 erschienenen Gäste sassen.
Die ehemalige First Lady hat die Haare kurz geschnitten. Als die Kanzlerin zusammen mit dem Bundestagspräsidenten im Garten erschien und neben Bettina Wulff Platz nahm, schaute sie irritiert um sich. Die Protestler waren nicht zu sehen, aber es wurde immer lauter.
Bettina, Annalena und Merkel in der ersten Reihe
Für die höchste Form militärischer Ehrerweisung deutscher Soldaten hatte sich Wulff vom Musikkorps der Bundeswehr vier Lieder gewünscht. Die Soldaten spielten «Over the Rainbow» von Harold Arlen, eine Serenade aus dem «Alexandermarsch» von Andreas Leonhardt, «Da berühren sich Himmel und Erde» von Christoph Lehmann sowie die «Ode An die Freude» von Ludwig van Beethoven. In den Pausen waren immer wieder die Vuvuzelas zu hören.
Wulffs Ehefrau, Merkel, Lammert und Annalena sassen nebeneinander in der ersten Reihe. Und es war Bettina Wulff, der es gelang, das starre Militärzeremoniell doch noch aufzulockern. Lächelnd ging sie am Ende des Zapfenstreichs auf ihren Mann zu, dessen Miene sich nun ebenfalls aufhellte. Winkend verabschiedete sich die Wulffs von den spontan applaudierenden Gästen. Dann verschwanden sie im festlich erleuchteten Schloss. (wid/dapd)
Erstellt: 08.03.2012, 18:12 Uhr
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