«Mutter für Österreich» für die einen, «Kellernazi» für die anderen
Von Bernhard Odehnal, Wien. Aktualisiert am 03.03.2010
Diese Frau muss der Traum aller alten Kameraden sein: kantiges Gesicht, aufrechter Gang, oft im Trachtenanzug und zehn Kinder mit urgermanischen Namen: Wolf, Horst, Arne, Volker, Mechthild, Hildrun, Hedda, Ute, Alwine, Sonnhild. Dazu ein Ehemann (Horst Jakob), der in einer rechtsextremen Partei aktiv war und ein rechtsextremes Pamphlet herausgibt. Alles am familiären Hintergrund von Barbara Rosenkranz würde also für eine glänzende Karriere in der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) sprechen. Und tatsächlich tritt die 52-jährige FPÖ-Landesrätin in Niederösterreich nun zum ersten Mal aus dem Schatten der männlich dominierten Parteiführung.
Bei den Bundespräsidentenwahlen am 25. April wird Rosenkranz gegen Amtsinhaber Heinz Fischer (SPÖ) antreten und als einzige einen glänzenden Wahlsieg des Sozialdemokraten gefährden können. Die konservative Volkspartei (ÖVP) und die Grünen haben angesichts Fischers Popularität beschlossen, keine Kandidaten aufzustellen. Rosenkranz könnte deshalb auch Stimmen von bürgerlichen Wählern bekommen. «Eine Mutter für Österreich», lautet ihr Wahlkampfmotto.
Unterstützung von der «Krone»
FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache glaubt, seine Kandidatin könne 35 Prozent der Wählerstimmen holen. Das liegt zwar weit über den Prognosen, aber Rosenkranz hat starke Unterstützung. Im auflagenstärksten Boulevardblatt des Landes, der «Kronen Zeitung», verfasste der greise Herausgeber Hans Dichand einen Wahlaufruf für Rosenkranz: «Wählen wir sie, denn sie wird eine gute Bundespräsidentin sein!»
Eine ähnliche Kampagne der «Kronen Zeitung» hatte im vergangenen Jahr den EU-Skeptiker Hans-Peter Martin ins Brüsseler Parlament getragen. Auch an Rosenkranz gefällt Dichand besonders gut die Ablehnung der EU in ihrer heutigen Form. Die Wahlwerbung der «Krone» ist vor allem eine Ohrfeige für die Sozialdemokraten, die in Form von Inseraten viele Millionen Euro in das Boulevardblatt investieren, um sich damit die Gunst des Herausgebers zu kaufen. Vergebens. Dichand begründet seine Entscheidung unter dem Titel «Eine mutige Mutter» und warnt gleich vor der bevorstehenden «Sudelkampagne der vereinigten linken Medienlandschaft», die versuchen werde, Rosenkranz «ins rechte Eck zu stellen».
Warnung vor den «Kellernazis»
Aber dort steht die Kandidatin ohnehin schon längst. Seit 1993 ist Rosenkranz Abgeordnete der FPÖ im niederösterreichischen Landesparlament, für die zarten liberalen Tendenzen in ihrer Partei zeigte sie nie Sympathie. Auf die Aktivitäten ihres Mannes möchte sie nicht angesprochen werden. Horst Jakob Rosenkranz war Funktionär einer Kleinstpartei, die wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung verboten wurde. In Niederösterreich trommelt Rosenkranz gegen die Bedrohung durch den Islam. In einem Bundesland mit über 400 Kirchen, 10 Klöstern und einer Moschee warnt Rosenkranz’ Partei vor einem «Wildwuchs von Moscheen und Minaretten» und fragt: «Wird Niederösterreich bald zu Klein-Ankara?» «Grenzen dicht» lautete eines der Wahlkampfmantras von Rosenkranz.
Gleich nach der offiziellen Bekanntgabe der Kandidatur gestern Nachmittag kamen die ersten scharfen Proteste der jüdischen Kultusgemeinden, die «alle Österreicher, Medien, NGOs, Kirchen, Parteien» aufrufen, die Kandidatur nicht «als Betriebsunfall» hinzunehmen. Es sei nicht akzeptierbar, dass in Österreich weitere politische Positionen von «Kellernazis» besetzt würden: Die Rosenkranz-Kandidatur sei «eine Verhöhnung der 65'000 in der Schoa ermordeten österreichischen Juden». Der Chef der Grünen, Stefan Wallner, meinte: Rosenkranz komme aus «der rechtesten Ecke» und verharmlose NS-Verbrechen.
Keine klare Aussage zu Gaskammern»
Schon vor Jahren hatte die heutige Kandidatin etwa das NS-Verbotsgesetz als verfassungswidrig bezeichnet, Zweifel an Gaskammern zählte sie zur «freien Meinungsäusserung». In Medien bekräftigte die Präsidentschaftskandidatin am Mittwoch ihre Haltung, wonach die Meinungsfreiheit im Vordergrund stehe. Im ORF-Morgenjournal gab sie ein Interview, in der sie sich nicht klar zur Frage der Existenz von Gakskammern äusserte. «Sie verweigert dazu jede klare Aussage und spricht in Chiffren, die von Holocaustleugnern verwendet und in der rechtsextremen Szene klar verstanden werden», kommentierten danach die Grünen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 03.03.2010, 14:00 Uhr
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