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Mit Edelhuren für Gefälligkeiten belohnt

Von Oliver Meiler. Aktualisiert am 12.02.2010 15 Kommentare

Die Bestechungsaffäre um Italiens obersten Zivilschützer erfasst die Politik – und spiegelt Berlusconis Regierungsstil.

Vom Sockel geholt: Chef des italienischen Zivilschutzes, Guido Bertolaso.

Vom Sockel geholt: Chef des italienischen Zivilschutzes, Guido Bertolaso.
Bild: Keystone

Selten wohl ist ein Volksheld so schnell von seinem Sockel gefallen wie Guido Bertolaso – innert 24 Stunden vom pragmatischen und immer effizienten Staatsdiener zum anrüchigen Verwalter eines korrupten Apparats. Seit nämlich bekannt ist, dass gegen den Chef des italienischen Zivilschutzes ermittelt wird, brechen alle Dämme. Die italienischen Medien zitieren nun ausgiebig aus den Protokollen abgehörter Telefonate von Bertolaso, dessen Mitarbeitern und den mutmasslichen Günstlingen eines offenbar gut geölten Systems.

«Grosses Missverständnis»

Man erfährt so zum Beispiel, dass der gefeierte Zivilschützer und Untersekretär im Kabinett von Silvio Berlusconi, der bald hätte Minister werden sollen, mitunter auch mit Edelprostituierten belohnt wurde für seine Gefälligkeiten. Ein kleines Römer Bauunternehmen, das von der Spitze des Zivilschutzes mit öffentlichen Grossaufträgen über Hunderte Millionen Euro bedacht wurde, lud Bertolaso jeweils in sein Fitnessund Wohlfühlzentrum ein – für Massagen und mehr.

Am liebsten war dem 59-jährigen, hohen Funktionär offenbar die Gesellschaft einer Brasilianerin. Laut den Ermittlern organisierte Diego Anemone, der Unternehmer, eine «megagalaktische Party mit Sex» für Bertolaso. Und zwar aus Dankbarkeit, nachdem dieser die völlig überteuerte Rechnung für das Bauprojekt für den G-8-Gipfel von letztem Jahr gebilligt hatte. Bertolaso wird auch verdächtigt, mehrere Zehntausend Euro erhalten zu haben. In einem Telefonat ist von 50'000 Euro in bar die Rede. Sein Anwalt sagt, es handle sich hier um ein grosses Missverständnis.

Die Freude der «Schakale»

Für starke Empörung sorgt in Italien nun auch die Reaktion der Organisation nach dem Erdbeben in den Abruzzen im letzten Jahr, bei dem mehr als 300 Menschen umkamen. Aus einem abgehörten Gespräch in der Katastrophennacht geht hervor, dass sich die «Bande von Banditen», wie sie der Untersuchungsrichter nennt, über die Tragödie freute, weil sie ihr neue Aufträge versprach. «Wir müssen loslegen, so ein Beben passiert ja nicht jeden Tag», wird einer der inkriminierten Unternehmer zitiert im Gespräch mit einem Kollegen.

Der Bürgermeister von L’Aquila, Massimo Cialente, nannte sie am Donnerstag «Schakale»: «Ich könnte weinen über dieses Land, wenn solche Dinge passieren.» Zwei Söhne des Bürgermeisters starben unter den Trümmern. Dieselben Unternehmer dürften in der Folge mit dem Wiederaufbau von L’Aquila und den umliegenden Dörfern betraut worden sein. Bertolaso, der einst schon unter linken Regierungen diente, hatte unter Berlusconi immer freie Hand. Und sein Aktionsradius wurde über die Jahre stetig grösser.

Der oberste Zivilschützer kümmerte sich nicht nur um die Hilfe nach Erdbeben, Überschwemmungen und Bränden. Alle Grossereignisse der letzten Jahre fielen unter seine Kompetenz – so etwa auch die Organisation des G-8-Gipfels, die Schwimmweltmeisterschaften oder Neapels Notfall mit dem Abfall. Er hatte Sonderbefugnisse, musste nie auf Bewilligungen warten und jonglierte mit gigantischen Budgets – unkontrolliert. Bertolasos Tempo gefiel Berlusconi. «Der Premier hat die Mentalität eines Unternehmers», schreibt der «Corriere della Sera» in einem kritischen Kommentar, «er hat ein Faible für schnelle Umsetzung, man soll sehen, was er als Regierungschef zu leisten vermag.»

So entstünden Grauzonen, in denen die Illegalität nun einmal floriere. Für die linke Opposition ist der Fall Bertolaso eine neuerliche Illustration für Berlusconis unlauteren Regierungsstil. Das rechte Lager dagegen hielt auch am Tag 2 der Heldendämmerung zu Bertolaso, wenn auch weit weniger leidenschaftlich als zuvor. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.02.2010, 12:31 Uhr

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15 Kommentare

Teresa Bagnato

12.02.2010, 08:38 Uhr
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Ich bin schockiert... diese Regierung toppt sich immer wieder selbst... Der Bürgermeister von L'Aquila spricht mir aus dem Herzen... ich könnte ebenfalls weinen, es ist alles so unfassbar traurig, was in meinem Heimatland passiert... Antworten


Teofilo Folengo

12.02.2010, 07:26 Uhr
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kann mir jemand den Unterschied zwischen einer Prostituierten und einer "Edelprostituierten" erklären? Was edel an Patrizia D'Addario und Konsorten sein soll, ist mir völlig unklar... Antworten




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