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«Menschen wurden aus ihren Autos gezerrt»

Interview: Marc Brupbacher. Aktualisiert am 28.08.2011 91 Kommentare

London brennt. Die 29-jährige Miriam Dembach wohnt im Stadtteil Hackney – einem der Brandherde. Die Modejournalistin beschreibt, wie sie die Ausnahmesituation erlebt.

Heisse Nacht: Krawall in Hackney gestern. Miriam Dembach wohnt in diesem Stadtteil in Ost-London.

Heisse Nacht: Krawall in Hackney gestern. Miriam Dembach wohnt in diesem Stadtteil in Ost-London.

Luftaufnahmen zeigen London als Kriegsgebiet: Nach drei Krawallnächten ist die Zerstörung in der britischen Hauptstadt gewaltig. (Video: Reuters )

Bildstrecke

Krawalle in England

Krawalle in England
In verschiedenen Stadtteilen Londons ist es zu schweren Ausschreitungen gekommen.

Ohne Gewissen: Video zeigt Jugendliche, die einen bereits verletzten Jungen auf der Strasse ausrauben. (Video: Reuters )

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Frau Dembach, Sie wohnen mitten im Londoner Krisengebiet. Wie ist die Stimmung vor Ort?
Nach den gestrigen Ausschreitungen in Hackney ist es momentan ruhig. Doch schon bald könnte es wieder losgehen. Polizeihelikopter fliegen immer noch Einsätze. Die Strassen sind voller zerschlagener Schaufenster.

Was für ein Quartier ist Hackney?
Hackney ist im Osten Londons. Hier leben Menschen unterschiedlichster Nationen, Religionen und kultureller Hintergründe meistens friedlich nebeneinander. Seit einigen Jahren ziehen viele Kreative in die Gegend, die das Viertel zu einem aufstrebenden Teil Londons gemacht haben. Dennoch ist die Arbeitslosigkeit recht hoch. Ich lebe hier, weil Hackney viel zu bieten hat – tolle Parks und Galerien. Ausserdem sind die Mieten noch erschwinglich.

Ist es für Passanten dort noch sicher?
Für Unbeteiligte ist es halbwegs sicher. Ich war gestern nicht auf der Strasse, bin in meinem Haus geblieben und habe die Geschehnisse am TV verfolgt. Dort sah man Leute, die zwischen den Randalierern standen und Fotos gemacht haben. Allerdings würde ich jedem raten, zu Hause zu bleiben, denn das Aggressionspotenzial ist gross. Menschen wurden aus ihren Autos gezerrt und diese danach in Brand gesteckt. Und selbst untereinander berauben sich die Randalierer. Bilder auf BBC zeigen, wie ein verletzter Mann ausgeraubt wird (siehe Video links).

Kann man noch einkaufen gehen?
Leider nein. Ich wollte gerade gehen und alle Läden sind geschlossen. Vielleicht beginnen die Krawalle gleich wieder.

Der Frust von jungen Leuten ohne Perspektive hat sich in Gewalt entladen. Können Sie das nachvollziehen?
Ich habe kein Verständnis für diese Art von Krawallen. Hier zerstören Leute ihre eigenen Gemeinden. Plündern Hab und Gut anderer und brennen Häuser nieder. Das ist ein feiger Akt der nichts mit einer vernünftigen Revolution zu tun hat. Würde man diese Energie in die richtigen, gewaltlosen Bahnen lenken, könnte daraus aber durchaus etwas Positives entstehen.

Was macht die Jugendlichen so wütend?
Ich verstehe den Unmut vieler Jugendlicher. Die Einsparungen der Regierung treffen besonders die jungen Menschen aus den Problemvierteln. Viele können wegen Zuschusskürzungen kein Abitur mehr machen und sehen so in eine ziemliche dunkle Zukunft. Einige der Randalierer haben die ungerechte Verteilung von Geldern als Grund für ihren Unmut genannt. So wurde viel Geld in das Herausputzen von Hackney für die Olympischen Spiele 2012 gesteckt, doch für die Bewohner bleibt nichts übrig.

Momentan sind Schulferien, auch ein Grund?
Sicher spielt Langeweile eine Rolle. Viele Kids haben in den Ferien nichts zu tun. Viele Jugendzentren wurden geschlossen und sie wissen nichts mit sich anzustellen. Eltern haben da auch versagt. Wie man hört, waren selbst Mütter mit ihren Kindern unter den Plünderern von Elektronik- und Sportartikelshops. Keine guten Vorbilder.

Haben Sie vor, die nächste Nacht in Hackney zu bleiben?
Ja. Ich bleibe lieber in meinem Haus und kann handeln, wenn etwas passiert. Ausserdem hoffe ich wieder, dass die Einsatzwagen der berittenen Polizei vor unserem Haus positioniert werden und wir uns so sicher fühlen können.

David Cameron will heute Nacht 16'000 Polizisten nach London schicken. Erleichtert?
Natürlich. Es dürfen nicht noch mehr Häuser in Flammen aufgehen und Menschen um ihr hart erarbeitetes Lebenswerk gebracht werden. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.08.2011, 18:20 Uhr

91

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91 Kommentare

Sylvia Keller

09.08.2011, 17:14 Uhr
Melden 185 Empfehlung

Die Elite weiss es schon seit 40 Jahren, was auf Europa zukommt. Sie sind es, die die Schleusen geöffnet haben, an denen unsere Vorfahren mit Blut und Schweiss Jahrhunderte gearbeitet haben. Deshalb werden wir leider solche Bilder in Europas Metropolen in Zukunft noch öfters sehen, den politisch Verantwortlichen sei es gedankt. Antworten


Felipe Brauchli

09.08.2011, 20:05 Uhr
Melden 98 Empfehlung

Der Immigrationsdruck auf Europa hält unvermindert an. 90% der Weltbevölkerung wären glücklich, in einem europäischen "Problembezirk" auf der Strasse herumlungern zu können. Der Staat offeriert Schulbildung, Gesundheitsversorgung, ein Dach über dem Kopf und verhungern muss niemand. Wenn man noch ein Natel und einen TV braucht, schliesst man sich einer nächtlichen Plünderung an. Was will man mehr? Antworten




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