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Mehr als dreistündige Wartezeiten

Aktualisiert am 29.12.2009

Die verschärften Sicherheitsmassnahmen an den internationalen Flughafen werden nicht überall wohlwollend akzeptiert.

Penible Kontrollen: Die verschärften Sicherheitsmassnahmen an den Flughäfen und im Flugzeug sorgen für viel Ärger.

Penible Kontrollen: Die verschärften Sicherheitsmassnahmen an den Flughäfen und im Flugzeug sorgen für viel Ärger.
Bild: Keystone

Handgepäck wurde penibel kontrolliert, und sogar Babys wurden gefilzt. An Bord wurden Bildschirmanzeigen der aktuellen Flugroute abgeschaltet. Von Europa bis nach Asien wurden nach dem Beinahe-Anschlag auf einen US-Airbus die Sicherheitsvorkehrungen auf internationalen Flughäfen verschärft. Passagiere mussten schlangestehen, Verspätungen und andere Unannehmlichkeiten erdulden, doch das Chaos hielt sich am Montag in Grenzen.

Auf dem Londoner Airport Heathrow bildeten sich an den Gates zum Abflug kurze Warteschlangen, Flüge in die USA hatten bis zu einer Stunde Verspätung. Die meisten Fluggäste, die über die Feiertage unterwegs waren, nahmen es gelassen. «Es ist ja auch Weihnachten, also rechnet man mit Verspätungen», meinte eine Reisende, die zu Silvester nach New York wollte. «Ich habe mich gerade erst angestellt, und es geht gut voran. Ich bin gleich dran.»

Ermessenssache des Kapitäns

British Airways ermahnte Fluggäste mit Ziel USA, nur ein Stück Handgepäck mitzunehmen und damit zu rechnen, dass Geschenkpäckchen bei der Kontrolle ausgepackt werden könnten. Ähnliche Hinweise gab es bei Virgin Atlantic. Beide Airlines berichtete von nur geringfügigen Verzögerungen.

Einzelheiten über zusätzliche Sicherheitsmassnahmen nach dem vereitelten Anschlag eines Nigerianers auf dem Flug nach Detroit wurden von offizieller Seite kaum bekanntgegeben, um Terroristen keine Hinweise zu geben. Passagiere berichteten jedoch, dass sie eine Stunde vor der Landung den Sitzplatz nicht mehr verlassen durften, nicht an ihr Handgepäck kamen, nichts auf dem Schoss halten und keine elektronischen Geräte benutzen durften.

Lange Schlangen vor den WCs

Auf einem Flug von Mexiko in die USA wurde eine Stunde vor der Landung das Aufsuchen der Toiletten verboten, worauf sich prompt lange Schlangen vor den Waschräumen bildeten. Die Mahnung eines Flugbegleiters, dass nun auch nichts mehr gelesen werden dürfe, wurde mit ungläubigem Gelächter aufgenommen.

Die Anweisung der US-Luftsicherheitsbehörde, auf internationalen Flügen kein Unterhaltungsprogramm zu zeigen, verärgerte die Airlines dermassen, dass die Behörde offenbar nachgab und es den Besatzungen überliess, ob sie Filme laufen lassen wollen. Aus Luftfahrtkreisen hiess es, die Bestimmungen seien wieder etwas gelockert worden, und es bleibe dem Flugkapitän überlassen, ob die Passagiere sich beispielsweise zudecken oder vom Platz aufstehen dürften.

Toiletten-Verbot leuchtet nicht ein

In Asien führten die zusätzlichen Massnahmen nur zu geringen Verzögerungen. Auf dem Flughafen Incheon in Südkorea wurden auf Anforderung der US-Behörden Passagiere und Gepäck mehrmals kontrolliert. Auf vielen Airports gab es für Reisende mit Ziel USA eine Nachkontrolle nach dem üblichen Check. In Kanada beschwerten sich Fluggäste über mehr als dreistündige Wartezeiten und chaotische Verhältnisse auf dem Pearson International Airport in Toronto. Die Verkehrsbehörde versprach Abhilfe und erhielt Polizisten zur Verstärkung der Kontrollteams. In Paris sorgten die Staus bei USA-Flügen im allgemeinen Flugverkehr für Verspätungen, die aber Montagabend abgebaut waren.

Über die Zweckmässigkeit der neuen Sicherheitsmassnahmen waren Passagiere geteilter Meinung. Einer unter Flugangst leidenden jungen Polin auf dem Heimflug aus Italien sind die Vorkehrungen nur recht: «Die können alles kontrollieren, das macht mir nichts aus.» Richard Brandt aus Irland dagegen sieht keinen Sinn darin, Fluggästen eine Stunde vor der Landung den Gang zur Toilette zu verwehren. «Ich weiss nicht, was das für einen Unterschied machen soll. Bei einem Acht-Stunden-Flug hätte man immer noch sieben Stunden, um den Flieger in die Luft zu jagen, wenn man das will.» (jak/ap)

Erstellt: 29.12.2009, 13:22 Uhr


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