Luftaufnahmen zeigen London als Kriegsgebiet
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Nach Krisengesprächen hat sich der britische Premierminister David Cameron zu den jüngsten Ausschreitungen geäussert. (Video: Reuters ) (Video: Reuters )
Nach der Krawallnacht hat die Feuerwehr alle Hände voll zu tun. (Video: Reuters )
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Mit einem massiven Polizeieinsatz will der britische Premierminister David Cameron gegen die Randalierer in London und weiteren britischen Städten vorgehen. Allein in den Strassen der Hauptstadt sollten heute Abend 16'000 Polizisten im Einsatz sein und damit drei Mal so viele wie gestern Abend. Man werde alles tun, um die Ordnung auf den Strassen wiederherzustellen, sagte Cameron.
Aus Polizeikreisen verlautete, auch der Einsatz von Gummigeschossen werde erwogen. Die Verwendung der Kunststoffmunition sei eine mögliche Taktik, sagte Polizeioffizier Stephen Kavanagh. Bislang hat die britische Polizei bei Unruhen noch nie Gummigeschosse eingesetzt. Die Polizei werde Verstärkung aus dem ganzen Land erhalten, alle Urlaubstage für die Beamten seien gestrichen wurden, sagte Cameron.
Ein Toter – Hunderte Festnahmen
Bisher wurden allein in London 525 Menschen festgenommen, weitere 35 Festnahmen wurden aus Birmingham gemeldet. Bei den seit drei Tagen andauernden Ausschreitungen handelt es sich um die schwersten Krawalle seit der Londoner Rassenunruhen in den 1980er Jahren.
Unterdessen wurde das erste Todesopfer der Ausschreitungen gemeldet. Eine 26-jährige Person sei erschossen in einem Auto gefunden worden, teilte die Polizei am Dienstag mit. Bislang sei in London gegen mehr als 100 mutmassliche Randalierer Anklage erhoben worden, sagte Polizeioffizier Simon Foy. Unter den Angeklagten sei auch ein elfjähriges Kind.
Ausschreitungen greifen auf weitere Städte über
«Die Gewalt ist einfach unentschuldbar. Das Leben von ganz normalen Leuten ist durch dieses rücksichtslose Vorgehen auf den Kopf gestellt worden», sagte Polizeioffizierin Christine Jones. Die Unruhen griffen in der Nacht zum Dienstag auf drei weitere Städte über. Zudem wurden in der Hauptstadt die dritte Nacht in Folge Häuser und Autos in Brand gesteckt, Läden aufgebrochen und Beamte mit Flaschen und Feuerwerkskörpern beworfen. Laut Polizei kam es an mindestens fünf weiteren Orten zu Ausschreitungen.
Die Behörden zogen Hunderte weitere Polizisten und Freiwillige zusammen, um die Lage unter Kontrolle zu bringen. Ausserdem wurden gepanzerte Fahrzeuge in die am schwersten betroffenen Bezirke entsandt. Die Londoner Polizei erklärte, 14 Menschen seien verletzt worden, darunter ein etwa 60-jähriger Mann, der lebensgefährliche Verletzungen erlitten habe.
Zu Ausschreitungen kam es auch in Birmingham, wo Dutzende Personen Geschäfte angriffen. In Liverpool und Bristol kam es zu Zusammenstössen mit der Polizei. Im Londoner Stadtteil Hackney attackierten Hunderte Jugendliche Geschäfte und zündeten Autos an. Plünderer erbeuteten Alkohol, Zigaretten, Süssigkeiten und Toilettenpapier. «Das ist der Aufstand der Arbeiterklasse. Wir verteilen den Wohlstand um», sagte der 28-jährige Bryan Phillips, der sich selbst als Anarchist bezeichnet.
Randalierer stecken Kaufhaus in Brand
Im Süden Londons steckten Randalierer ein bekanntes Kaufhaus in Brand, das sich seit Jahrzehnten in Familienbesitz befindet. «Sie haben nichts gestohlen», sagte Besitzer Graham Reeves. «Sie haben es einfach niedergebrannt.» Die Polizei forderte Eltern in der Hauptstadt auf, ihre Kinder in der Nacht auf morgen zu Hause zu behalten. Pläne, die Streitkräfte zur Beilegung der Ausschreitungen hinzuzuziehen, gebe es bislang nicht.
In London nahm die Polizei drei Menschen unter dem Verdacht auf versuchten Polizistenmord fest. Ein Beamter war am frühen Dienstagmorgen in Brent im Norden der Hauptstadt angefahren worden und musste in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Insgesamt wurden in London bislang 44 Polizisten verletzt.
Angesichts der schweren Krawalle brach Cameron seine Ferien in Italien ab und rief das Parlament aus der Sommerpause zurück. Am Donnerstag sollen die Abgeordneten zusammentreten und über die Krise beraten. Auch Innenministerin Theresa May und der Londoner Bürgermeister Boris Johnson kehrten vorzeitig aus dem Urlaub zurück.
Koordination über Social Media
Cameron verurteilte heute die Gewalt und beschrieb die Bilder aus den Strassen als widerwärtig. Es habe Plünderungen gegeben, Raub, Gewalt gegen Polizisten und sogar gegen Feuerwehrleute, die Brände hätten löschen wollen. «Die Leute sollten keine Zweifel daran hegen, dass wir alles tun werden, um die Ordnung auf den Strassen Grossbritanniens wiederherzustellen und sie für gesetzestreue Bürger wieder sicher zu machen», sagte der Premier.
Viele der zumeist kleinen Gruppen von Jugendlichen nutzen SMS, Instant Messenger und Twitter, um ihre Angriffe zu koordinieren. Einen politischen Hintergrund schienen die Krawalle nicht zu haben, obwohl einige Beteiligte nach eigener Aussage gegen das Sparprogramm der Regierung protestieren wollten. Viele wollten aber offenbar eine Gelegenheit zu Gewalt und Plünderungen nutzen. «Kommt und habt Spass», rief ein Jugendlicher in Hackney, wo Läden leer geräumt und Fahrzeuge angezündet wurden.
Anhörung zu mutmasslicher Polizeigewalt
Heute sollte in London die erste Anhörung zum gewaltsamen Tod eines Mannes bei einem Polizeieinsatz stattfinden, der die Ausschreitungen ausgelöst hatte. Der 29-Jährige war in der vergangenen Woche unter bislang ungeklärten Umständen bei einem Polizeieinsatz ums Leben gekommen. Die Untersuchung des Falls dürfte mehrere Monate dauern. (rub/dapd)
Erstellt: 09.08.2011, 15:40 Uhr
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