Klimagipfel kämpft um Zwei-Grad-Grenze
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Die Vertreter der USA, Chinas, der EU und Afrikas wollen gemäss einer provisorischen Vereinbarung in Kopenhagen das Ziel «beachten», die Erderwärmung auf zwei Grad zu beschränken. Laut Weltklimarat wäre eine darüber hinausgehende Erwärmung katastrophal für Mensch und Natur. Die USA und China wollen sich am Abend abschliessend über das 12-Punkte-Papier verständigen.
Das Gipfelplenum von 193 Staaten hatte bis zum Abend noch nicht über den Entwurf beraten, der in vielen Bereichen schwammige Formulierungen enthält:
TREIBHAUSGASE: Entsprechend dem Weltklimareport soll eine Reduzierung des Treibhausgasaustosses um 50 Prozent von 1990 bis 2050 «ins Auge gefasst werden».
- Alle Industriestaaten «verpflichten» sich, «individuell oder gemeinsam» ihre Emissionen um mindestens 80 Prozent bis zum Jahr 2050 zu reduzieren.
- Industrieländer sollen zudem ihre vorgelegten Treibhausgasziele bis bis 2020 erfüllen. Als Basisjahr können sie sich jeweils 1990 oder 2005 aussuchen. Mit dem Referenzjahr 1990 würde der EU Rechnung getragen, deren CO2 in den 1990er Jahren gesunken ist. 2005 trüge unter anderem den USA Rechnung, deren Emissionen stiegen.
- Inwieweit die Entwicklungs- und Schwellenländer Klimaziele erbringen müssen, soll davon abhängen, was die Industrieländer an Geld und Technik bereitstellen.
FINANZEN: Die Industrieländer geben «neue und zusätzliche» Klimahilfen: Zusammen insgesamt 30 Milliarden Dollar für 2010 bis 2012. Sie «unterstützen» zudem das Ziel, ab 2020 rund 100 Milliarden Dollar für die umweltfreundliche Entwicklung ärmerer Länder bereitzustellen.
WALD: Es ist entscheidend den Wald zu schützen und Geld dafür bereitzustellen, heisst es schwammig in dem Entwurf.
STÄRKUNG: Die Vereinbarung solle 2016 überprüft werden mit Blick auf die Möglichkeit, die Erderwärmung auf nur 1,5 Grad zu begrenzen. Dies hatten vor allem kleine Inselstaaten gefordert, die vom Anstieg der Meeresspiegel bedroht sind.
KNACKPUNKTE: Das wichtigste Ziel der Entwicklungsländer und der Klimaschützer ist allerdings nicht erfüllt: Das Papier hat nur eine geringe Verbindlichkeit. Auch die Überprüfung der Ziele wurde nicht konkretisiert. Und es wurde bis zum Freitagabend noch nicht im Plenum präsentiert.
Zwischen «Hopenhagen und Flopenhagen»
In der turbulenten Endphase der Klimakonferenz hält Bundesrat Moritz Leuenberger Prognosen über den Ausgang für verfrüht. Der Klimagipfel in Kopenhagen schwankt aus seiner Sicht zwischen «Hopenhagen und Flopenhagen». Eine Prognose zu ziehen, komme dem Lesen im Kaffeesatz gleich, sagte der Umweltminister in Kopenhagen bei einer Medienkonferenz der Schweizer Delegation. «In den nächsten Stunden wissen wir mehr». Erst am Samstag könne er sagen, ob er frustriert oder zufrieden sei. Derzeit müssten zwei Arbeitsgruppen einen Konsens finden.
Einen gegenwärtig zirkulierenden Entwurf bezeichnete Leuenberger als einen Fortschritt. Es blieben aber gewichtige Fragen offen wie etwa die genauen Reduktionsziele für die Treibhausgase und die langfristigen Beiträge für die Entwicklungsländer, damit sich diese an die Folgen des Klimawandels anpassen können. Er sei enttäuscht gewesen von der Rede des US-Präsidenten Barack Obama, sagte Leuenberger auf eine entsprechende Frage. «Er hat nichts Neues gesagt. Ich habe das Gegenteil gehofft.» Allerdings habe Obama keine freie Hand bei der Klimapolitik, da der Kongress dazu kein Gesetz verabschiedet hat, stellte Leuenberger fest. Im Verlauf des Freitagnachmittags hätten sich die Positionen der einzelnen Länder nicht wirklich verändert, sagte Leuenberger zur hektischen Endphase des Klimagipfels.
Der Fortgang der Verhandlungen sei unklar, ergänzte Bruno Oberle, Direktor des Bundesamtes für Umwelt (Bafu). Es sei nicht sicher, ob ein bindendes Abkommen oder eine politische Erklärung vorgeschlagen werde. Verschiedene Länder hätten kritisiert, dass zum Schluss nur ein kleiner Kreis von wichtigen Ländern die Verhandlungen führten. (vin/ap/sda)
Erstellt: 18.12.2009, 21:57 Uhr
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