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«Vielleicht habe ich die Übersicht verloren»

Von Amir Ali. Aktualisiert am 20.07.2011 13 Kommentare

Die Akteure des «News of the World»-Skandals haben vor den britischen Parlamentariern jegliche Verantwortung von sich gewiesen. Die Anhörung musste wegen einer Schaum-Attacke auf Rupert Murdoch unterbrochen werden.

1/9 Sohn James Murdoch (links) und Vater Rupert Murdoch sagen vor dem britischen Parlamentsausschuss zum Abhörskandal aus. (19. Juli 2011).
Bild: Reuters

   

(Bernerzeitung.ch/Newsnet)

  • Video  


    Attacke auf Rupert Murdoch: Ein harter Abend für den Medienmogul. (Video: Reuters)

  • Zusammenfassung  

    Medienmogul Rupert Murdoch und sein Sohn James haben sich bei ihrem historischen Auftritt vor britischen Parlamentariern für Vergehen im Abhör- und Korruptionsskandal entschuldigt. Persönliche Verantwortung übernahmen sie bei der Anhörung in London aber nicht.

    Die fraglichen Entscheidungen seien nicht vom Top-Management getroffen worden. Einen kurzen Schreckmoment gab es, als ein Angreifer während der Befragung in Richtung Rupert Murdoch stürzte und diesen mit einer weissen Substanz – vermutlich Rasierschaum – bewarf. Niemand wurde verletzt, nach einer kurzen Unterbrechung ging es weiter.

    Erscheinen war Sensation

    «Vielleicht habe ich die Übersicht verloren», sagte der 80 Jahre alte Vorstandschef des Medienkonzerns News Corp. Auf die Frage, wer letztendlich schuld sei, sagte Murdoch: «Die Leute, denen ich vertraut habe, und dann vielleicht die Leute, denen diese vertraut haben.»

    Das Erscheinen des Medienzars wurde als Sensation gewertet. Nach Angaben des Senders BBC war es das erste Mal in den rund 40 Jahren, seit Murdoch Anteile an britischen Medien besitzt, dass er sich vor Parlamentariern verantworten musste. Der Australier mit US-Pass galt in Grossbritannien bisher als nahezu unantastbar.

    Zu Beginn der Befragung entschuldigten sich Vater und Sohn. «Das ist der Tag der grössten Demut in meinem Leben», sagte Rupert Murdoch. Als er erfahren habe, dass das Handy eines jungen Mordopfers durch «News of the World»-Journalisten abgehört wurde, sei das die schlimmste Erfahrung seiner Karriere gewesen. «Wir haben das Vertrauen unserer Leser gebrochen», sagte Murdoch.

    Brooks «wusste nichts»

    Nach den Murdochs trat auch deren langjährige Vertraute Rebekah Brooks vor den Ausschuss. Brooks betonte erneut, nichts von den illegalen Praktiken bei «News of the World» gewusst zu haben. Sie gab allerdings zu, dass die Vorfälle nach ihrem Bekanntwerden vor mehreren Jahren schneller hätten aufgearbeitet werden müssen.

    Es sei wichtig, dass die Presse sich selber neue Standards auferlege, so Brooks weiter. So sei es Ende der neunziger Jahre üblich gewesen, in grossem Umfang Privatdetektive zu beschäftigen. Das sei heute nicht mehr der Fall, sagte sie vor den Parlamentariern.

    Kronzeuge starb ohne Fremdeinwirkung

    Am Montag war überraschend der Hauptbelastungszeuge gegen Andy Coulson, den früheren Chefredakteur der «News of the World» und späteren Berater von Premierminister David Cameron, verstorben.

    Der Journalist Sean Hoare wurde tot in seiner Wohnung gefunden. Zeichen für ein Verbrechen gebe es nicht, teilte die Polizei mit. Eine Obduktion habe keine Hinweise auf die Beteiligung eines anderen Menschen gegeben, hiess es am Dienstagabend.

    Hoare hatte im vergangenen Jahr in einem Interview der «New York Times» erklärt, Coulson habe vom Anzapfen der Telefone nicht nur gewusst, sondern ihn persönlich sogar angestiftet, «die schwarzen Künste» zu nutzen. Der 2005 bei der «News of the World» gefeuerte Journalist galt als alkoholabhängig.

    Den Marathon der Anhörungen in den Parlamentsausschüssen hatte am Dienstag der zurückgetretene Chef von Scotland Yard, Sir Paul Stephenson, begonnen. Er sei nicht zurückgetreten, weil er gezwungen worden sei. Er habe lediglich Schaden von seiner Behörde abwenden wollen, sagt er.

    Cameron unter Druck

    Unterdessen wuchs der Druck auf Premierminister Cameron. Er sieht sich mit offenen Rücktrittsforderungen konfrontiert. Der Labour- Abgeordnete Gerald Kaufman fragte: «Sollte der Premierminister nicht seine Position überdenken?» Oppositionsführer Ed Miliband attestierte Cameron eine «katastrophalen Einschätzungsfehler», als er Coulson zu seinem Regierungssprecher machte.

    Zusätzlich unter Druck geriet Cameron am Dienstag, als herauskam, dass die im Abhörskandal vorübergehend festgenommene Murdoch- Managerin Brooks Gast bei seinem 44. Geburtstag im vergangenen Oktober war. Es war die 27. Begegnung Camerons mit Murdoch-Managern in nur 15 Monaten Amtszeit. (sda)

  • Ende  

    Bernerzeitung.ch/Newsnet beendet die Live-Berichterstattung.

  • 20.25 Uhr  

    Brooks hat die Verantwortung für den Abhörskandal bei der «News of the World» der Boulevardzeitung zugeschoben. Das Blatt habe ihr mitgeteilt, dass die Hacking-Vorwürfe gegen Journalisten der Boulevardzeitung unbegründet seien, sagte Brooks vor dem Parlamentsausschuss in London. Auf die Frage, ob sie von ranghohen Mitarbeitern der «News of the World» angelogen worden sei, wollte Brooks nicht antworten. Sie selbst habe niemals wissentlich eine Zahlungsanweisung an Polizisten unterzeichnet, sagte sie.

  • 20.13 Uhr  

    Brooks wird gefragt, wie oft sie den Premierminister besucht habe. «Da bin ich mir wirklich nicht sicher», antwortet sie. Sie sei aber nie in der Downing Street gewesen, seit Cameron im Amt sei. Seine Vorgänger Gordon Brown und Tony Blair habe sie jedoch regelmässig besucht. «Komischerweise bin ich unter den Labour-Premiers häufiger Besucherin an der Downing Street gewesen», schliesst sie. News Corp gilt allgemein als Untersützerin der Konservativen.

  • 20.04 Uhr  

    Premierminister David Cameron will morgen vor dem Parlament Stellung zu dem Abhörskandal nehmen.
    Der Regierungschef hatte die Abgeordneten gebeten, die Sitzungsperiode um einen Tag zu verlängern, damit er zu den jüngsten Ereignissen Stellung nehmen kann. Wegen der Affäre verkürzte der Premierminister eine Afrikareise von vier auf zwei Tage. Cameron steht wegen seiner einst engen Kontakte zu den Medien von Rupert Murdoch selbst in der Kritik. (sda)

  • 19.56 Uhr  

    Die regierende Konservative Partei hat mittlerweile ein Statement publiziert. Demnach hatte der ehemalige stv. Chefredakteur von «News of the World», Neil Wallis, keine formelle Beraterfunktion für die Partei während den vergangenen Wahlen. Es sei jedoch möglich, dass Wallis «informell» als Berater für David Camerons Kommunikationschef (und Ex-«News of the World»-Chefredaktor) Andy Coulson tätig gewesen sei. Weitere Abklärungen seien im Gange.

  • 19.33 Uhr  

    «Werden sie die Verantwortung übernehmen für alles, was während ihrer Zeit als Chefredakteurin geschehen ist?», wird Brooks gefragt. «Das werde ich. Ich will genau wissen, was alles passiert ist», antwortet sie.

  • 19.05 Uhr  

    Befragt zu den Aktivitäten und Anstellungsverhältnissen eines der beschuldigten Privatdetektive gibt Brooks wiederholt die Antwort: «Ich weiss es nicht.» Ob dies nicht unglaublich sei, dass sie als operative Leiterin des Verlages nichts von der Einstellung Vorbestrafter gewusst habe, fragt die Abgeordnete weiter. «Es klingt unglaublich, aber es ist so», antwortet Brooks.

  • 18.56 Uhr  

    News of the World habe Privatdetektive engegiert, so wie jede andere Zeitung in der britischen Presselandschaft, sagt Brooks. Brooks war bis 2003 Chefredakteurin der «News of the World», genau in jener Zeit also, in der illegale Abhöraktionen zum System zu gehören schienen. Dennoch will Brooks von den Privatdetektiv-Engagements, die im Abhörskandal zur Debatte stehen, nichts gewusst haben.

  • 18.45 Uhr  

    Die Anhörung geht weiter. Rebekah Brooks hat ihren Anwalt mitgebracht.

  • 18.43 Uhr  

    Inzwischen hat «UK Uncut» dementiert, für die Schaum-Attacke auf Murdoch verantwortlich zu sein. Getwittert hatte das Bekenntnis der Comedian Johnny Marble. «Ich habe noch nie etwas so gutes getan, wie ich jetzt tun werde», teilte er über den Kurznachrichtendienst mit.

  • 18.32 Uhr  

    Der Ausschuss gönnt sich nun fünf Minuten Pause, bevor Rebekah Brooks befragt wird. Brooks gilt als enge Vertraute von Rupert Murdoch und leitete zuletzt News International, den England-Ableger von News Corp. Sie trat vergangene Woche zurück und wurde nach ihrer Verhaftung vom Sonntag gegen Kaution wieder freigelassen.

  • 18.27 Uhr  

    Zum Ende darf Rupert Murdoch seine Erklärung verlesen, was ihm zu Beginn der Anhörung verwehrt worden war. Er erwähnt namentlich die Eltern des ermordeten Mädchen, deren Telefone abgehört worden waren: «Ich danke Ihnen ganz herzlich für die Gelegenheit, mich persönlich bei ihnen zu entschuldigen.» Sich zu entschuldigen sei jedoch nicht genug, die Dinge müssten in Ordnung gebracht werden. «Deshalb kooperieren wir voll und ganz mit den Behörden.» Sie seien lange davon ausgegangen, dass der Fall nach den ersten Ermittlungen 2007 abgeschlossen gewesen sei.

  • 18.09 Uhr  

    Die Anhörung geht weiter. Rupert Murdoch sitzt jetzt im Hemd da, sein Anzug scheint bei der Attacke schmutzig geworden zu sein. Laut «Guardian» hat ein Aktivist der Organisation «UK Uncut» via Twitter die Verantwortung für den Schaum-Anschlag übernommen. «UK Uncut» setzt sich für Transparenz in der Politik ein.

  • 18.00 Uhr  

    Anscheinend hat die Polizei eine Person festgenommen. Laut dem «Guardian» handelt es sich dabei um einen Mann, der sich die ganze Zeit im Raum befunden habe. Er sei dann in aller Ruhe nach vorne gegangen und habe Murdoch einen Pappteller mit Rasierschaum oder etwas ähnlichem ins Gesicht gedrückt.

  • 17.54 Uhr  

    Tumult bricht aus im Sitzungszimmer. Noch ist unklar, was genau die Anhörung gestört hat, aber es scheint, jemand habe Rupert Murdoch angegriffen. Die Kamera drehte sofort gegen die Wand. Man sieht einen Polizisten aus dem Bild laufen. Rupert Murdoch bleibt sitzen. Die Anhörung ist unterbrochen.

  • 17.17 Uhr  

    Abgesehen von den Details, von denen er nichts weiss, zeigt sich James Murdoch betont höflich und kooperativ. Für den 38-Jährigen geht es um seine berufliche Zukunft. Seine Position an der strategischen Spitze des britischen Bezahl-Senders BSkyB, an dem das Murdoch-Imperium knapp 40 Prozent hält, steht auf dem Spiel. Wird der Druck aus dem Abhörskandal zu gross, dürfte Rupert Murdochs Kronprinz James den Hut nehmen müssen.

  • 17.12 Uhr  

    Immer wieder geht es darum, ob und in welchem Ausmass Rupert und James Murdoch über Zahlungen informiert waren, die Einheiten von News Corp im Verlauf des Abhörskandals leisteten. So soll das Unternehmen etwa die Anwaltskosten eines Reporters übernommen haben, der 2007 wegen illegaler Praktiken verurteilt wurde. Die beiden berufen sich jeweils darauf, dass sie sich nicht erinnerten oder für das monitoring solcher Beträge nicht zuständig seien. Auch wüssten sie nicht, wer dafür zuständig gewesen sei.

  • 17.02 Uhr  

    Der Konservative Abgeordnete Philip Davies fragt, ob die Schliessung von News of the World die – mittlerweile zurückgetretene – England-Chefin von News Corp, Rebekah Brooks, hätte decken sollen. «Diese neiden Ereignisse hatten überhaupt nichts miteinader zu tun», antwortet Rupert Murdoch energisch.

  • 16.45 Uhr  

    «Es kann sein, dass ich «News of the World» aus den Augen verloren habe», räumt Rupert Murdoch ein. Dies nach dem Vorwurf eines Abgeordneten, der Chef des Medienimperiums News Corp sei zu weit von der Materie entfernt.

  • 16.30 Uhr  

    «Die Lektion aus all dem für uns lautet: Wir müssen uns wieder auf die Ethik im Journalismus besinnen», hebt James Murdoch an. Er spricht von der Notwendigkeit eines «bissigen Verhaltens- und Ethik-Kodexes». Ausserdem dementiert er Gerüchte, wonach schon bald ein anderer News-Corp-Titel die Rolle der Sonntags-Boulevard-Zeitung übernehmen soll. Man lasse sich jedoch «alle Optionen offen».

  • 16.19 Uhr  

    Auf die Frage nach den Anschuldigungen, «News of the World»-Mitarbeiter hätten in den USA die Telefone von Opfern des 11. September abgehört, sagt Murdoch: «Dafür gibt es keinerlei Beweise. Sollte sich dies erhärten, werden wir genauso vorgehen wie hier.» Das FBI untersucht mögliche Straftaten des Boulevardblattes in den USA.

  • 16.14 Uhr  

    Sheridan fragt ganz direkt: «Sind Sie verantwortlich für dieses Fiasko, Mr. Murdoch?» «Nein», antwortet Murdoch. «Wer ist dann verantwortlich?» «Meine Führungsleute und die Leute, denen sie Aufträge gegeben haben.»

  • 16.07 Uhr  

    Der Labour-Abgeordnete Jim Sheridan will wissen, weshalb Murdoch beim Besuch des Amtssitzes von Premier Cameron den Hintereingang benutzt habe. Dies sei sehr ungewöhnlich. «Weil man mich darum gebeten hat», antwortet Rupert Murdoch.

  • 16.02 Uhr  

    «Wir haben der Polizei alles gesagt, was wir wissen», sagt Rupert Murdoch. «Es würde Ihnen mehr nützen, mich zu diesen Details zu befragen», versucht James Murdoch erneut seinen 80-jährigen Vater zu entlasten. Watson besteht auf Antworten des Medien-Tycoons: «Was man ihm nicht gesagt hat oder was er vergessen hat, ist genauso aufschlussreich, wie die Dinge, die er weiss.»

  • 15.55 Uhr  

    Rupert Murdoch wird vom Labour-Abgeordneten Tom Watson regelrecht verhört. Watson stellt detaillierte Fragen dazu, wer Murdoch wann über welche Ereignisse in dem sich über Jahre hinziehenden Abhörskandal informiert habe. Murdoch lässt sich jeweils viel Zeit für die Antworten und scheint sehr genau abzuwägen, was er sagt. Mehr als einmal lautet die Antwort: «Das habe ich vergessen.» Und immer wieder versucht sein Sohn James, die Wortführung zu übernehmen, was Watson jeweils abblockt mit: «Ich komme noch auf Sie zurück, jetzt geht es um Ihren Vater.»

  • 15.48 Uhr  

    «Wir haben immer so schnell und transparent wie möglich informiert.» Das ist die Zusammenfassung von James Murdochs langer Antwort auf die Frage nach dem Informationsstand der Unternehmensspitze.

  • 15.40 Uhr  

    Bevor James Murdoch auf die erste Frage antworten kann, unterbricht ihn sein Vater: «Ich möchte eines klarstellen. Dies ist der demütigendste Tag meines Lebens.»

  • 15.37 Uhr  

    Rupert Murdochs Anhörung hat begonnen. Gleich zu Beginn lehnt der Medien-Ausschuss des britischen Unterhauses Murdochs Bitte ab, eine Erklärung verlesen zu dürfen. «Wir haben sehr viele Fragen», sagt der Vorsitzende, «wir sollten die Zeit dafür nutzen.»

  • 15.25 Uhr  

    Es zeichnet sich ein Zeit-Konflikt ab zwischen den zwei Anhörungen: Vor dem Ausschuss für Innere Angelegenheiten sagt noch immer Ex-Polizei-Vize Yates aus, während die Anhörung von Rupert Murdoch sowie seines Sohnes und seiner Ex-Statthalterin Rebekah Brooks auf 15.30 Uhr vor dem Medienaussschuss angesetzt ist.

  • 15.20 Uhr  

    Die zwei wichtigsten Fragen, die Yates Verhalten im Jahr 2009 aufwirft, sind soeben gestellt worden. Weshalb hat er die Ermittlungen gegen «News of the World» eingestellt? Und weshalb wurde Neil Wallis, der vor seinem Engagement als PR-Berater bei Scotland Yard stv. Chefredakteur des Blattes war, nicht mit grösserer Skepsis begegnet? «Ich gebe zu», sagt Yates, «hätte ich damals gewusst, was ich heute weiss, meine Entscheidung wäre komplett anders ausgefallen.»

  • 15.13 Uhr  

    Yates wird gefragt, weshalb Premierminister Cameron nicht über die Verstrickungen von PR-Berater Wallis in den Abhörskandal informiert worden sei. Die Antwort: «Damit wir den PM über operative Angelegenheiten informieren, muss etwas sehr Schwerwiegendes vorliegen. Das war zum damaligen Zeitpunkt nicht gegeben.»

  • 15.07  

    Yates beschreibt seine Beziehung zu Wallis: «Er ist nicht jemand, in dessen Haus ich ein- und ausgehe. Wir sehen uns ab und zu bei sozialen Anlässen, meist zusammen mit weiteren Leuten, ganz selten auch alleine.»

  • 15.00 Uhr  

    Zu Beginn bekräftigt Yates noch einmal seinen Rücktritt. Erste Frage danach an Yates: Weshalb er Kommunikationschef Fedorcio seinen langjährigen Bekannten Neil Wallis als PR-Berater empfohlen habe. Yates bestreitet, jemals in eine «derart heikle Angelegenheit» eingegriffen zu haben. Damit steht seine Aussage im Widerspruch zu jener Fedorcios, der bei der Anstellung auf «Yates' Integrität» vertraut habe.

  • 14.59 Uhr  

    Fedorcios Anhörung ist beendet. Gleich geht es weiter mit John Yates, dem zurückgetretenen stellvertretenden Scotland-Yard-Chef und Antiterror-Beauftragten der Regierung.

  • 14.52 Uhr  

    Nun werden die Details von Wallis' Vertrag als Kommunikationsberater bei Scotland Yard besprochen. Zuvor war Fedorcio gefragt worden, ob die Stelle ausgeschrieben worden war. «Ich hatte Angebote von drei verschiedenen Interessenten. Wallis war der billigste», sagt er. Zur Frage, ob «News of the World» bevorzugt mit Informationen aus der Pressestelle der Polizei versorgt wurde, sagt er: «Verschiedene Medien interessieren sich für unterschiedliche Geschichten. Aber grundsätzlich wurden alle gleich behandelt.»

  • 14.39 Uhr  

    Nun steht Dick Fedorcio, Kommunikationschef von Scotland Yard, den Abgeordneten Rede und Antwort. Er wird gefragt, weshalb er den Ex-«News of the World»-Mitarbeiter Wallis eingestellt habe, obwohl schon 2006 gegen die Zeitung ermittelt worden sei. «Ich brauchte Hilfe», begründet Fedorcio. Er habe nach jemandem mit den nötigen Kenntnissen und Kontakten gesucht, und Wallis' Name sei an ihn herangetragen worden.

  • 14.34 Uhr  

    Die Kernpunkte von Stephensons Aussage: Er bedaure, dass Scotland Yard den ehemaligen «News of the World»-Journalisten Neil Wallis als PR-Berater angestellt habe. Und Premier David Cameron sei nicht über Wallis' Verstrickungen in den Abhörskandal informiert worden, weil ihn ein «hoher Beamter» seines Büros nicht habe kompromittieren wollen.

  • 14.29 Uhr  

    Der Vorsitzende des parlamentarischen Ausschusses für Innere Angelegenheiten fragt Stephenson zum Abschluss nach seiner Ansicht, welche Folgen sein Rücktritt (und jener seines Vizes Yates) für die London Metropolitan Police (Scotland Yard) haben werde. «Ich trete nicht zurück, weil ich keine Unterstützung mehr geniesse. Ich gehe, weil ich ein Führer bin. Führen heisst, Verantwortung übernehmen», weicht Stephenson aus. Und er fügt hinzu: «Ich denke, wir müssen in Zukunft transparenter mit den Medien umgehen», antwortet Stephenson. Zudem hatte er gesagt, er «bereue» heute die Anstellung Wallis'.

  • 14.07 Uhr  

    Der zurückgetretene Chef von Scotland Yard, Sir Paul Stephenson, hat um 13.00 Uhr den Reigen der Aussagen vor Parlamentsausschüssen zur Abhöraffäre um das Medienimperium von Rupert Murdoch eröffnet. Rupert Murdochs Erscheinen vor den Abgeordneten wird für 15.30 Uhr erwartet.

    Er habe Schaden von seiner Behörde abwenden wollen, vor allem mit Blick auf die Olympischen Spiele 2012. Scotland Yard müsse sich auf die Sicherung dieses Grossanlasses in London vorbereiten, begründete Stephenson seinen Rücktritt. Ihm war vorgeworfen worden, er habe sich einen Kuraufenthalt für sich und seine Ehefrau zum Teil bezahlen lassen. Für die Kureinrichtung hat auch der ehemalige «News-of-the-World»- Journalist Neil Wallis gearbeitet. Wallis war auch von Scotland Yard als PR-Berater engagiert.

    Der 57-Jährige stand nur zweieinhalb Jahre an der Spitze der renommierten Londoner Polizeibehörde Scotland Yard. Neben seiner Nähe zu Neil Wallis kam Stephenson auch durch Gerüchte um Korruption in seiner Behörde unter Druck. Beamte von Scotland Yard sollen Geld von Journalisten angenommen haben, um Informationen herauszugeben. Reporter sollen sogar Zugang zu spezieller Polizeitechnik bei der Ortung von Zielpersonen erhalten haben.

  • Ausgangslage  

    Gemeinsam mit weiteren Schlüsselfiguren des britischen Abhörskandals soll Medienmogul Rupert Murdoch heute vor britischen Parlamentariern aussagen. Die Abgeordneten wollen von dem 80-Jährigen wissen, was er von den illegalen Abhörpraktiken gewusst hat. Die Anhörung des Medienunternehmers wird ab 15.30 Uhr Schweizer Zeit erwartet.

    Ebenfalls vorgeladen sind Murdochs Sohn James und die frühere Verlagsmanagerin Rebekah Brooks. Sie war am Sonntag vorübergehend festgenommen worden. In einer weiteren Anhörung müssen die zurückgetretenen Scotland-Yard-Chefs Paul Stephenson und John Yates Rede und Antwort stehen. Sie sehen sich Korruptionsvorwürfen ausgesetzt.

    Die Abhöraffäre ist vor zwei Wochen übergekocht, als bekanntgeworden war, dass Reporter der inzwischen eingestellten Boulevardzeitung «News of the World» neben Prominenten auch Verbrechensopfer angezapft hatten. Insgesamt geht die Polizei davon aus, dass mindestens 4000 Menschen Opfer der Abhörpraktiken geworden sind.

    Spekulationen über Ablösung Murdochs

    Seit ein paar Tagen wird öffentlich über eine Ablösung von Murdoch an der Spitze von News Corp spekuliert. Seine Tochter Elisabeth war bereits als mögliche Nachfolgerin genannt worden. Gestern Abend bekam die Diskussion neues Futter.

    So könnte nach einem Bericht der Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg der fürs Tagesgeschäft von Murdochs News Corp zuständige Chase Carey den 80jährigen Firmenchef beerben. Es sei aber noch nichts entschieden, hiess es unter Berufung auf eingeweihte Personen.

    Murdoch ist nicht nur Firmenchef, sondern auch Grossaktionär der News Corp. Eine Ablösung gegen seinen Willen wäre schwierig. Als Kompromiss könnte Murdoch zum Verwaltungsratschef ernannt werden und damit immer noch ein gewichtiges Wort mitreden.

    Belastungszeuge tot aufgefunden

    Am Montagabend teilte die Polizei mit, dass mit Sean Hoare einer der Belastungszeugen in der Affäre tot in seiner Wohnung gefunden wurde. Es gebe jedoch keine Hinweise auf ein Gewaltverbrechen, hiess es von der Polizei in Hertfordshire.

    Unterdessen zieht die Affäre weiter ihre Kreise in Grossbritannien. Nachdem mit Rebekah Brooks und Les Hinton zwei Top- Manager aus dem Murdoch-Imperium zurücktreten mussten, ist inzwischen auch die Polizei betroffen. Scotland-Yard-Chef Stephenson und sein Stellvertreter Yates mussten ihren Hut nehmen. Scotland Yard sieht sich mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert.

    Druck auf Cameron steigt weiter

    Ebenso wächst der Druck auf Premierminister David Cameron. Oppositionsführer Ed Miliband sagte gestern, Cameron sei in seinen Entscheidungen «gelähmt». Auch der zurückgetretene Scotland-Yard-Chef Stephenson forderte Cameron indirekt zum Rücktritt auf.

    Cameron hatte lange an seinem ehemaligen Regierungssprecher Andy Coulson festgehalten, der schon 2007 wegen der Affäre als Chefredakteur der «News of the World» zurückgetreten war. Ferner wird Cameron eine ungesunde Nähe zu Murdoch-Managern wie Rebekah Brooks nachgesagt. In nur 15 Monaten Amtszeit hat es 26 Treffen des Regierungschefs mit der Murdoch-Führung gegeben. (sda)

Erstellt: 19.07.2011, 21:28 Uhr

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13 Kommentare

Andreas R. Schulthess

19.07.2011, 17:08 Uhr
Melden 28 Empfehlung

"Wir müssen uns wieder auf die Ethik im Journalismus besinnen" steht als Überschrift für diesen Artikel. Dieser Satz sei doch auch allen Medienleute bei uns in der Schweiz ins Stammbuch geschrieben; dringend nötig wäre es allemal! Antworten


Peter Meier

19.07.2011, 18:34 Uhr
Melden 28 Empfehlung

"Wir müssen uns wieder auf die Ethik im Journalismus besinnen" auf der einen Seite. Und gleichzeitig völlig unkritisch und wortwörtlich den in allen Medien erscheinenden Satz zum "plötzlichen" Tod des Belastungszeugen wiederholen: Sein Tod ist nicht verdächtig. Für wie blöd halten Sie die Leute eigentlich? Das stinkt ja sowas zum Himmel! Antworten




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