Ausland
Geht ein britisches Wahrzeichen an die Franzosen?
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Wer Dover sagt, meint auch die weissen Klippen.
Bild: KEYSTONE/AP
Es sei, als würde der Vater sein Kind verkaufen, weil ihm das Geld für die täglichen Bedürfnisse fehlt. Genau das scheint im Fall des Hafens von Dover vor sich zu gehen. Zumindest so schreiben das die britischen Medien. Regierungschef Gordon Brown verkaufe diesen Hafen, weil er Geld brauche um seine Finanzlöcher zu stopfen, schreibt zum Beispiel «Daily Mail». 350 Millionen Pfund soll der Verkauf einbringen, umgerechnet rund über eine halbe Milliarde Franken. Ein Tropfen auf den heissen Stein, bei einer Schuldenlast von 830 Milliarden Pfund.
Dover ist nicht irgendein Hafen. «Höllenfeuer Ecke» nannten die Briten die Stadt im zweiten Weltkrieg. Über 3000 Geschosse feuerten die Nazis allein von der französischen Küste aus auf die Stadt ab. Die weissen Klippen unweit des Hafens stehen für den britischen Widerstand. Naziflugzeuge erreichten dort wieder Festland und wurden beschossen. Oder blieben in den an Steigballonen aufgehängten Drahtseilen, den sogenannten Barrage Ballons, stecken und stürzten ab. Noch wichtiger war die Rolle von Dover im ersten Weltkrieg. Zwar ist die Bedeutung des Hafens seit dem Bau des Kanaltunnels gesunken. Einer der grössten Fährziele auf den britischen Inseln ist Dover aber heute noch. Kurz, Dover ist für die Briten ein Wahrzeichen, etwas, das unzertrennlich zur Geschichte Britanniens gehört.
Franzosen haben die Nase vorn
Kann man ein Wahrzeichen verkaufen? Nein, finden nun viele empörte Bürger und Politiker. «Es ist klar, dass Gordon Brown keinen Sinn für die Geschichte unserer Nation und den Stolz der Stadt hat», sagt Volksvertreter Charles Elphicke dem «DailyMail». Er sitzt für die Torys im Londoner Unterhaus und wettert nun gegen die Pläne der Regierung.
Was den Zorn zusätzlich schürt, ist die Tatsache, dass offenbar Franzosen die Nase im Bieterrennen vorn haben. Eine Gesellschaft, welche schon Besitzerin des Hafens von Calais ist, dürfte das Rennen machen. «Das ist ein Unternehmen von strategischer Bedeutung und deshalb müssen wir vorsichtig sein, wenn ausländisches Kapital einsteigt», so Gwyn Prosser, ein Labour-Abgeordneter von Dover. Er befürchtet einen empfindlichen Job-Verlust, wenn die Franzosen die Kontrolle übernehmen.
Letzte Bastion
Eigentlich müssten es die Briten langsam kennen, die Privatisierungen der Regierung. Ganze Wirtschaftszweige, die früher in Staatsbesitz waren, wurden veräussert oder – wenn sie nicht rentierten – ganz geschlossen. So zum Beispiel viele Kohle- und Eisenbergwerke. Unter dem sogenannten Ports Act began London ab 1991 auch mit dem Verkauf wichtiger Häfen. Dover hatte man vor diesem Schicksal bewahrt, weil man die Inbetriebnahme des Kanaltunnels abwarten wollte. Nun fällt auch die letzte Bastion. (cpm)
Erstellt: 08.02.2010, 15:52 Uhr
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