«Freiheit verträgt sich schlecht mit einem Polizeistaat»
Von Bruno Kaufmann. Aktualisiert am 25.07.2011 81 Kommentare
«Die norwegische Demokratie muss sich demokratisieren»: Kristian B. Harpviken.
Zur Person
Kristian B. Harpviken ist Politologe und Direktor des norwegischen Friedensforschungsinstituts Prio.
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Herr Harpviken, wie werden die blutigen Ereignisse in Norwegen eingeschätzt?
Das war die kaltblütige Tat eines Einzelnen, eines Rechtsextremisten. Wie es aussieht, steckt dahinter weder ein internationales noch ein nationales Netzwerk. Bei aller Tragik und Dramatik hat das Bedeutung für die Zukunft.
Inwiefern?
Norwegen wird nicht von irgendwelchen bösen Kräften angegriffen, sondern weist Schwächen auf, wenn es darum geht, solche von langer Hand vorbereiteten Gewalttaten zu verhindern und die Sensibilität in der Gesellschaft für die Ausgegrenztheit einzelner Mitbürger zu stärken. Von verstärkten und staatsbedrohenden Aktivitäten rechtsextremistischer Kreise, wie es mancherorts bereits hiess, kann keine Rede sein.
Wie ist es denn möglich, derartige Attentate zu verhindern?
In einer offenen, demokratischen Gesellschaft gibt es natürlich keine absoluten Garantien, und eine freiheitliche Ordnung wie unsere verträgt sich schlecht mit einem umfassenden Polizeistaat. Aber dass eine Person einfach so einen Lieferwagen vor dem Regierungssitz abstellen kann, das darf es nicht mehr geben.
Und was hat die Tat mit der Ausgegrenztheit zu tun?
Beim Attentäter handelt es sich um einen Menschen, der sich zunächst auf andere Art und Weise Gehör verschaffen wollte. Er war einst der Jungpartei der Fortschrittspartei beigetreten, dann engagierte er sich in sozialen Foren im Internet. Doch etwas ging schief, und er begann, einen schrecklichen Plan zu schmieden. Niemand hat das gemerkt.
Aber vom Gefühl, nicht dazuzugehören, bis zum Entschluss, zu töten, ist es ein weiter Weg.
Hier spielt das Internet heute eine Rolle. Sie wird noch zu wenig berücksichtigt. In der fast grenzenlosen Anonymität ist es möglich, Wirklichkeit und Fantasie zunehmend zu vermischen und zudem extreme Ansichten zu entwickeln, ohne aber in der realen Öffentlichkeit damit für Aufmerksamkeit zu sorgen.
Wie kann das in der Zukunft verhindert werden?
Unsere Demokratie ist im Rahmen einer kulturell recht einheitlichen und geografisch abgelegenen Gesellschaft entstanden. Heute setzt sich die Gesellschaft jedoch ganz anders zusammen, und kulturelle Vielfalt ist heute die Wirklichkeit. Deshalb müssen wir dafür schauen, dass es neue und erweiterte Möglichkeiten der Partizipation gibt. Mit anderen Worten: Die norwegische Demokratie muss sich demokratisieren.
Aber wirken Terrorakte wie jener vom Freitag einer solchen Entwicklung nicht gerade entgegen, indem sie zu mehr Überwachung führen?
Das stimmt. Diese Gefahr besteht immer. Ich glaube aber, dass wir ihr in Norwegen nicht so leicht erliegen werden, denn wir sind stolz auf unser friedliches Land, in dem eigentlich nur der König und der Ministerpräsident Personenschutz brauchen. Auf was es nun ankommt, ist die Stärkung des gesellschaftlichen Dialoges, sodass auch scheinbar Sprachlose eine Stimme bekommen können. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 25.07.2011, 06:54 Uhr
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81 Kommentare
Seien wir ehrlich, diese Tat hätte auch an einem andern Ort stattfinden können. Die heutig Gesellschaft besteht aus vielen Egoisten und Einzelkämpfern. Diese Struktur erlaubt es, dass viele Personen nicht mehr Bestandteil der Gesellschaft sind. Durch diesen Umstand ist es möglich, dass so etwas geschehen kann. Es braucht nicht mehr Überwachung, die Gesellschaft muss ihr Verantwortung wahrnehmen. Antworten
Die auch auf diesem Blog regelmässig auftretenden Alles-Hasser, Islamophoben, EU, UNO, OECD, Meschenrechte-und Asylanten-Hasser, Anbeter von Freysinger, Wilders, Stadtkewitz + Co sollten sich fragen: Sind unsere Hasspredigten nicht doch Irrwege ? Kann ein bis zum Rand mit Hass angefüllter Irrer nicht überall die Theorien in Realität umsetzen und ausrasten ? Nachdenken, ganz rechts ! Antworten
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