Europas Sozialisten warnen vor «deutscher Überheblichkeit»
Aktualisiert am 26.11.2011 56 Kommentare
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Warnt vor einer «Konzentration der Macht» innerhalb der EU: Der frühere griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou bei seinem Besuch in Deutschland. (Bild: Keystone )
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Mit der Forderung nach mehr Demokratie in Europa hat der frühere griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou die Grünen begeistert. Beim Bundesdelegiertentreffen der Partei am Freitagabend in Kiel warnte der Ex-Regierungschef vor einer Konzentration der Macht innerhalb der EU und mahnte, die Bürger müssten wieder zu den Protagonisten der Geschehnisse werden. Papandreou plädierte für eine «grüne Wachstumsrevolution» in Europa und erntete viel Applaus der Delegierten.
Der Vorsitzende der Sozialisten in Griechenland beklagte, derzeit würden die Entscheidungen in Europa von wenigen mächtigen Akteuren getroffen. Das sei eine Gefahr für die Demokratie. Als Antwort auf die Klimaerwärmung und die wirtschaftliche Flaute in Europa forderte Papandreou eine «grüne Wachstumsrevolution». Damit könne Europa seine Wettbewerbsfähigkeit steigern. Finanziert werden solle diese Wachstumsstrategie über Steuern auf Finanztransaktionen und Treibhausgase. Ausserdem müssten Euro-Bonds eingeführt werden, verlangte er. Diese könnten für zusätzliche Investitionen sorgen.
«Europa kann es sich nicht mehr leisten zu warten»
Grünen-Chef Cem Özdemir rief Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Streit über Euro-Bonds zum Einlenken auf. «Europa kann es sich nicht mehr leisten zu warten», sagte Özdemir. Ohne Euro-Bonds sei es für Krisenstaaten wegen der hohen Zinsen unmöglich, sich zu refinanzieren. Merkel lehnt solche gemeinsamen Anleihen der Euro-Staaten bislang strikt ab.
Özdemir warf der Kanzlerin beim Thema Europa einen Zickzack-Kurs vor. Niemand wisse, wo Merkel Europa hinsteuere. «Wenn Europa ein Kreuzfahrtschiff wäre, dann würden wir Europäer schon alle längst kotzend an der Reling hängen, weil Frau Merkel jede Woche das Ruder rumreisst und in eine andere Richtung lenkt.»
«In Europa wächst Ablehnung deutscher Überheblichkeit»
Scharfe Attacken auf Merkel kamen auch vom Co-Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Europaparlament, Daniel Cohn-Bendit. Merkels «Besserwisserei» und ihr «permanentes Belehren anderer Völker» führe zu Überdruss in Europa, beklagte er. Das europäische Bewusstsein werde zerstört und langsam mache sich eine «Ablehnung deutscher Überheblichkeit» breit.
Die Delegierten verabschiedeten zwei Anträge zur Zukunft Europas. Darin fordern sie unter anderem, Euro-Bonds und eine Finanztransaktionssteuer einzuführen, die Banken europaweit stärker zu regulieren und die europäischen Institutionen weiterzuentwickeln. Für die nötige EU-Vertragsreform - inklusive der Änderungen am Grundgesetz - will die Partei eine verfassunggebende Versammlung in Deutschland einberufen.
«Schwarz-Gelb hat auf ganzer Linie versagt»
Grünen-Chefin Claudia Roth griff die Koalition im Bund hart an. «Schwarz-Gelb hat auf ganzer Linie versagt», sagte sie in Kiel. Union und FDP hätten weder in der Innen- noch in der Europa- oder der Aussenpolitik ein Konzept. Der Parteitag sei ein «Meilenstein auf dem Weg zur Ablösung» der Koalition, sagte Roth. «Wir wollen 2013 an die Macht.»
(mrs/dapd)
Erstellt: 26.11.2011, 00:26 Uhr
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56 Kommentare
Es ist keine Überheblichkeit. Es ist nur richtig so. Wieso soll die enorme Schuld, welche in einigen Ländern durch den skandalösen Schlendrian und das Leben über den Verhältnissen entstanden ist, vergemeinschaftet werden? (durch Eurobonds). Europas Sozialisten sollten sich mal ihre "Solidarität" an den Hals hängen. Nur weiter so, Frau Merkel,sie haben 100% recht. Antworten
Mehr Demokratie in Europa, fordert Papandreou. Wunderbar, das würde z.B. bedeuten, dass das deutsche Volk darüber abstimmen darf, ob sich Deutschland an Eurobonds beteiligen soll. Deutschland ist nicht überheblich, sondern hat es ganz einfach satt, der Zahlmeister zu sein für die maroden Staaten Südeuropas und ihrer mediterranen Arbeitsmoral. Antworten
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