Donald Trump prophezeit Terror-Effekt bei Wahlen

Nach dem Anschlag auf den Pariser Champs-Elysées werden Stimmen laut, wonach die Präsidentschaftswahl beeinflusst werden könnte.

Anschlag in Paris: Ein Beamter wurde erschossen. Video: Tamedia/AFP/AP

  • Das Wichtigste in Kürze  


    • Am Donnerstagabend wurde auf den Champs-Elysées ein Polizist erschossen.

    • Zwei weitere Beamte und eine Touristin wurden verletzt. Der Angreifer wurde getötet.

    • Der IS bekennt sich zu dem Anschlag.

    • Polizei konnte den Angreifer identifizieren.

    • Frankreich wird seit gut zwei Jahren von einer beispiellosen Terrorserie erschüttert, die über 230 Menschen aus dem Leben riss. Seit den Terroranschlägen von Paris vom November 2015 gilt der Ausnahmezustand im Land.

  • Donald Trump twittert über Wahlen  

    Am Freitag Mittag hat sich ein ganz besonderer Wahlbeobachter zu Wort gemeldet: US-Präsident Donald Trump prophezeite auf Twitter, der Anschlag in Paris werde einen «grossen Einfluss auf die Präsidentschaftswahl haben». Immerhin: Mit Angst als politischem Mittel kennt sich Trump bestens aus.


  • Wie ein merkwürdiger Zufall  

    Mit dem Anschlag in Paris ist das passiert, wovor politische Beobachter in Frankreich seit Wochen warnen: Direkt vor Präsidentschaftswahl sind Angst und Verunsicherung wieder ins Zentrum der politischen Debatte gerückt. So zynisch es klingt: Der Angriff auf Polizisten könnte der Rechtspopulistin Marine Le Pen beim ersten Wahlgang am Sonntag entscheidende Prozentpunkte einbringen. Schon der Zeitpunkt des Anschlags wirkt wie ein merkwürdiger Zufall: Nur wenige Minuten vor dem Angriff auf den Champs-Elysées hatte Le Pen bei ihrem letzten grossen Fernsehauftritt vor der Wahl vor der «totalitären Ideologie» der Islamisten gewarnt und der sozialistischen Regierung völliges Versagen im Kampf gegen den Terrorismus vorgeworfen. «Es gibt kein Risiko Null, aber man darf das Risiko nicht bei hundert Prozent lassen», sagte sie mit einem triumphalen Lächeln.

    Die Antwort der Regierung kam prompt: Marine Le Pen versuche «die Angst und die Aufregung schamlos für rein politische Zwecke auszunutzen», sagte Premierminister Bernard Cazeneuve. Zugleich richtete der Sozialist schwere Vorwürfe an den konservativen Präsidentschaftskandidaten François Fillon, der versprach, mit «eiserner Hand» auf den Anschlag zu reagieren. Le Pen wie Fillon setzten gezielt auf «die Empörung und die Spaltung» der Gesellschaft, sagte Cazeneuve. Auch die Chefin des französischen Umfrageinstituts BVA, Adélaïde Zulfikarpasic, sieht nur zwei mögliche Profiteure des Anschlags: «Wenn diese Tat irgendjemandem nützt, dann zweifelsfrei Marine Le Pen, die das Thema Sicherheit in das Zentrum ihres Wahlkampfs gestellt hat – oder aber François Fillon, dem am stärksten das Format eines Präsidenten zugerechnet wird.»

  • #BellesChoses  

    Im Internet geht der Hashtag #BellesChoses viral. Tausende Nutzer verschiedener sozialer Netzwerke versuchen die Newsfeeds ihrer Freunde mit Bildern von schönen Dingen aufzuhellen, auf denen bisher der Terror dominierte. Den Hashtag ins Leben gerufen hat die Friedensaktivistin Adrienne Charmet.






    Tausende sind Charmets Aufruf mit Fotos, die Ruhe und Schönheit abbilden, gefolgt. Meist sind es idyllische Landschaften, die vom Terror abzulenken gedenken, wie die französische Tageszeitung «Le Parisien» berichtet.






  • IS-Schreiben  

    Bei dem erschossenen Angreifer ist ein Schreiben mit Verweis auf die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) gefunden worden. Auf dem Zettel werde der IS verteidigt, verlautete am Freitag aus Ermittlerkreisen. Im Auto des Angreifers, eines 39-jährigen Franzosen namens Karim Cheurfi, wurden demnach ausserdem ein Koran und ein Zettel mit den Adressen eines Polizeikommissariats und des Sitzes des Inlandsgeheimdienstes DGSI gefunden.


  • Komplize entlastet  

    Ein Belgier, der als Komplize mit dem Angriff in Verbindung gebracht worden war, wurde von den Behörden entlastet. «Dieser Mann ist gestern zur Polizei gekommen, nachdem er sich selbst als Terrorverdächtiger Nummer eins in Verbindung mit den gestrigen Umständen auf den sozialen Medien gesehen hat», teilte ein Staatsanwalt im belgischen Antwerpen mit. Er habe aber nichts mit der Attacke zu tun. Der belgische Justizminister Koen Geens sagte der flämischen Rundfunkanstalt VRT, dass es zurzeit keine Informationen zu Verbindungen des Täters nach Belgien gebe.

  • Drei Personen vernommen  

    Französische Ermittler haben drei Personen aus dem familiären Umfeld des getöteten Angreifers in Polizeigewahrsam vernommen. Das wurde der Nachrichtenagentur dpa aus Ermittlerkreisen bestätigt.

    Es handle sich um das klassische Vorgehen in solchen Fällen, hiess es. Das französische Innenministerium meldete zudem, ein im Zusammenhang mit dem mutmasslichen Anschlag gesuchter Mann habe sich den belgischen Behörden in Antwerpen gestellt.

  • Waffen im Auto  

    Ermittler haben ein Gewehr und mehrere Messer im Auto des Schützen gefunden, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

  • Zweiter Verdächtiger  

    In Antwerpen hat sich ein Mann der Polizei gestellt. Zuvor hat die französische Polizei nach einem Verdächtigen gesucht. Welche Rolle dieser beim Angriff gespielt hat, ist nicht bekannt.


  • Ausser Lebensgefahr  

    Die beiden verletzten Polizeibeamten befinden sich nach Angaben des französischen Innenministeriums nicht in Lebensgefahr. Einer der beiden Beamten sei ernsthafter verletzt worden als der andere, aber beiden gehe es besser, sagte Ministeriumssprecher Pierre-Henry Brandet im Fernsehsender BFM.

    Ein Sprecher der Bundespolizei, Jérôme Bonet, lobte die schnelle Reaktion der Beamten, die den Schützen auf der Pariser Prachtmeile getötet hatten. Angesichts der Tatsache, dass «Tausende Menschen» zum Tatzeitpunkt auf dem Boulevard unterwegs gewesen seien, hätten sie ein mögliches «Blutbad» verhindert, sagte Bonet BFM.

  • Der Täter  

    Die Nachrichtenagentur AP hat ein Foto des Täters veröffentlicht. Es soll sich um Karim Cheurfi handeln. Die Quelle nannte die Agentur nicht. Die Nachrichtenagentur AFP erfuhr aus Ermittlerkreisen, dass der Angreifer wegen zwei Angriffen mit Schusswaffen auf zwei Polizisten und einen dritten Mann 2005 zu fünf Jahren Haft verurteilt worden war.

    Im Februar wurde er den Angaben zufolge erneut festgenommen wegen des Verdachts, dass er Polizisten ermorden wolle. Aus Mangel an Beweisen kam er allerdings wieder frei.

  • Treffen mit Sicherheits-Kabinett  

    Staatschef François Hollande kündigte für Freitagmorgen ein Treffen des Sicherheitskabinetts an. «Wir werden absolute Wachsamkeit zeigen, insbesondere im Hinblick auf den Wahlprozess am Sonntag», sagte er.

    Des getöteten Polizisten soll am Freitagmorgen landesweit gedacht werden.

  • Details zur Waffe  

    Bei der Attacke am Donnerstagabend hatte der Verdächtige laut Polizei eine automatische Waffe benutzt. Er habe damit auf Polizisten gezielt, die ausserhalb eines Einkaufszentrums standen und die Gegend bewachten, sagte der Anti-Terror-Staatsanwalt François Molins.

  • Ein Augenzeuge berichtet  

    «Wir hörten zwei, drei Schüsse»: Ein Augenzeuge berichtet vom Moment der Schiesserei. (Video: Tamedia/Twitter/Remy Buisine)

  • Zur Identität des Angreifers  

    Der mutmassliche Angreifer auf den Champs-Élysées ist der Pariser Polizei zufolge ein 39-Jähriger aus einem östlichen Vorort der Stadt. Das sagten zwei Beamte, die wegen der fortlaufenden Ermittlung nicht namentlich genannt werden durften. Er sei als Extremist bekannt gewesen.

    Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft mitgeteilt, den Mann identifiziert zu haben, machte aber keine weiteren Angaben. Es werde ermittelt, ob er Komplizen gehabt habe, hiess es zudem.

  •  

    Der Anschlag ist das Thema der Freitagsausgaben französischer Zeitungen:


  • Panik auf den Champs-Elysées  

    Nach dem blutigen Anschlag auf Polizisten herrscht im Westen von Paris ein riesiges Durcheinander. Touristen kommen nicht in ihre Hotels, Menschen sind in Restaurants und Büros eingeschlossen.

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    Auch für die Beamten selbst ist die Situation schwer zu ertragen:


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  • IS bekennt sich zu Anschlag  

    Die Terrormiliz IS reklamierte laut einer Meldung der Nachrichtenagentur AFP den Angriff in Paris derweil für sich. Diese Informationen gingen aus dem IS-Propagandadienst Amaq hervor. Der Angriff sei von dem IS-Kämpfer «Abu Yussef der Belgier» verübt worden, teilte die Agentur Amaq am Donnerstag in einer Erklärung mit.

    Der getötete Schütze soll vor dem Angriff die Absicht geäussert haben, Polizisten zu töten, wie aus dem Umfeld der französischen Antiterror-Ermittler verlautete. Die Behörden durchsuchten eine Wohnung, in der der Mann zuletzt gewohnt haben soll.

  • Champs-Elysées gesperrt  

    Kurze Zeit nach der Tat kam es in der Nähe der Champs-Elysées zu einer weiteren Schiesserei, wie aus Polizeikreisen verlautete. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie die Champs-Elysées komplett gesperrt wurden. Zahlreiche Polizisten waren vor Ort.
    Die Zeitung «Le Figaro» berichtete, es habe einen zweiten Angreifer gegeben, der womöglich auf der Flucht sei. Das war aber noch nicht offiziell bestätigt.

    Über dem Boulevard war ein Hubschrauber im Einsatz. Der Besitzer eines Restaurants nahe der Champs-Elysées sagte der AFP, es sei ein kurzer, aber intensiver Schusswechsel zu hören gewesen. «Wir haben unsere Kunden im Keller versteckt.»

  • Trumps Reaktion  

    Donald Trump hat bereits sein Beileid ausgesprochen. «Es sehe nach einem weiteren Terroranschlag aus, sagte der US-Präsident heute auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem italienischen Ministerpräsidenten Paolo Gentiloni in Washington. Auch Gentiloni kondolierte dem französischen Volk.

  • Auftritte abgesagt  

    Trotz der Terrorgefahr setzten die Kandidaten ihren Wahlkampf vorerst fort. Am Donnerstagabend traten die elf Kandidaten im Fernsehen nach einander zu Kurzinterviews auf. Zwei aussichtsreiche Präsidentschaftskandidaten haben ihre Wahlkampfauftritte für Freitag hingegen abgesagt.

    Der konservative Kandidat François Fillon und die Rechtspopulistin Marine Le Pen kündigten die Annullierung ihrer geplanten Wahlkampfauftritte an. Auch Präsident François Hollande sagte einen für Freitag geplanten Besuch in der Bretagne nach Angaben seines Umfeldes ab.

  • Hollandes Reaktion  

    Nach dem Angriff spricht nach den Worten Hollandes einiges für einen Terrorakt. «Wir sind überzeugt, dass die Spuren (...) terroristischer Art sind», sagte Hollande am späten Abend nach dem Krisentreffen im Elysée-Palast.

    Premierminister Bernard Cazeneuve beriet im Elysée-Palast mit Präsident François Hollande über die Lage. In Frankreich gilt nach einer beispiellosen Terrorserie der Ausnahmezustand.

  • Ausgangslage  

    Drei Tage vor Beginn der Präsidentschaftswahl in Frankreich ist es am Donnerstagabend in Paris auf dem Boulevard Champs-Elysées zu einer Schiesserei gekommen, bei der ein Beamter getötet wurde. Drei weitere Menschen wurden verletzt. Der Angreifer sei tot, hiess es aus Justizkreisen. Die Staatsanwaltschaft von Paris hat den Angreifer nach eigenen Angaben identifiziert. Es werde ermittelt, ob er Komplizen gehabt habe, hiess es zudem.

    Ein Auto sei gegen 21 Uhr neben einem Polizeiwagen stehen geblieben, ein Insasse des Autos habe das Feuer eröffnet und einen Polizisten getötet, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Anschliessend habe er nach ersten Informationen versucht, zu Fuss zu fliehen, und habe dabei auf weitere Polizisten geschossen und zwei verletzt. Die Beamten hätten ihn niedergeschossen.




    Der Ministeriumssprecher sagte, es sei noch zu früh, um etwas über das Motiv der Tat zu sagen. Während ein Insider sagte, ein Terroranschlag sei wahrscheinlich, sagten drei andere, es könne sich um einen versuchten Raub handeln. Kurze Zeit nach der Tat kam es in der Nähe der Champs-Elysées zu einer weiteren Schiesserei, wie aus Polizeikreisen verlautete.

    Unter den drei Verletzten ist nach Angaben Hollandes neben zwei Polizisten auch eine Touristin. Sie soll laut Polizei durch eine Kugel leicht verletzt worden sein. Ihre Nationalität wurde nicht mitgeteilt.

(nag/sda/ap/afp)

(Erstellt: 20.04.2017, 21:26 Uhr)

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