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Ein Schweizer im braunen Sumpf

Von Vincenzo Capodici. Aktualisiert am 24.11.2011 54 Kommentare

In der rechtsextremen Szene in Deutschland taucht immer wieder Bernhard Schaub auf. Der Holocaust-Leugner aus der Schweiz verfolgt mit seiner Europäischen Aktion grosse Pläne.

Gegen den «zügellosen Rothschild-Kapitalismus» und gegen «Zivilokkupanten»: Bernhard Schaub, Schweizer Aktivist in rechtsextremen und neonazistischen Kreisen in Deutschland.

Gegen den «zügellosen Rothschild-Kapitalismus» und gegen «Zivilokkupanten»: Bernhard Schaub, Schweizer Aktivist in rechtsextremen und neonazistischen Kreisen in Deutschland.

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Das Bekennervideo der Rechtsextremen von Zwickau

Das Bekennervideo der Rechtsextremen von Zwickau
Im Film zeigt die Comicfigur Pink Panther die Tatorte der Döner-Morde auf einer Landkarte. Auch Fotos der Opfer sind zu sehen.

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Bernhard Schaub ist ein Phantom am rechten Rand der Gesellschaft. Der einstige Mitgründer und programmatische Kopf der Partei National Orientierter Schweizer (Pnos) tritt regelmässig als Redner bei rechtsextremen Veranstaltungen auf, um sofort wieder unterzutauchen. Zuletzt, am vergangenen Samstag, propagierte er bei einem Anlass von deutschen Kameraden in Dortmund seine Idee eines neuen Europa. Sein Ziel ist ein «reinrassig weisses Europa», wie der Journalist Hans Stutz, der seit Jahren die rechtsextreme Szene beobachtet, auf seiner Webseite schreibt.

Schaubs neustes Projekt läuft unter dem Namen Europäische Aktion (EA). Im Gegensatz zu anderen Schweizer Rechtsextremen, etwa einzelnen Mitgliedern der Pnos, die informelle Kontakte zu Gleichgesinnten in Deutschland unterhalten, geht der 57-jährige Ex-Lehrer einen anderen Weg. Die EA ist eine rechtsextreme Gruppierung, die eine internationale Dachorganisation von Rechtsextremen aufbauen will.

Spuren in der Ostschweiz

In seinen Pamphleten bedient sich Schaub der antisemitischen und antiamerikanischen Rhetorik. Er wettert gegen den «zügellosen Rothschild-Kapitalismus» und gegen «Zivilokkupanten», wie er Einwanderer aus nicht europäischen Ländern bezeichnet. Gemäss der «Wochenzeitung» strebt die EA eine «Bewegung zur politisch-kulturellen Erneuerung ganz Europas» an, und zwar in einer «Europäischen Eidgenossenschaft», die «aussen- und verteidigungspolitisch» als Grossmacht auftritt, ansonsten die Macht den einzelnen Nationalstaaten überlässt.

Dass Bernhard Schaub zu den führenden Köpfen der EA gehört, ist auf deren Webseite nicht sichtbar. Für Kontaktpersonen sind andere Aktivisten angegeben. Ebenso verschwiegen wird, dass Schaub hinter dem Ghibellinum-Verlag steckt. Der Verlag, der unter anderem Schaubs Schriften vertreibt, ist über eine Postfachadresse in Eschenz (TG) erreichbar. Wo sich Schaub, der einst in Kreuzlingen wohnte, im Moment aufhält, ist nicht bekannt. Mit der Pnos ist er seit ein paar Jahren nicht mehr verbandelt.

Kampf gegen die Antirassismus-Strafnorm

Erstmals öffentliche Aufmerksamkeit erlangte Schaub Anfang der Neunzigerjahre, als er sein Buch «Adler und Rose» veröffentlichte. Damals wirkte er als Lehrer für Deutsch und Geschichte an der anthroposophischen Rudolf-Steiner Schule in Adliswil. Das Buch, in dem er den Genozid an den Juden während des Nationalsozialismus bestreitet, kostete ihn schliesslich den Lehrerjob. Aus den Neunzigerjahren stammt folgende Aussage von Schaub: «Ich bin Sozialhilfeempfänger, ich bin staatlich bezahlter Rechtsextremer.»

Schaub gehörte auch zu den Gründern der «Arbeitsgemeinschaft zur Enttabuisierung der Zeitgeschichte», die in der Schweiz die Einführung der Antirassismus-Strafnorm bekämpfte. Zu den damaligen Mitstreitern von Schaub zählte auch der Holocaust-Leugner Jürgen Graf, der sich der Strafverfolgung durch die Flucht ins Ausland entzog. Graf hatte Anfang der Neunziger Jahre mit seinen Büchern wie «Der Holocaust-Schwindel» zweifelhafte Bekanntheit erlangt. Zurzeit hält er sich in Russland auf.

Schaub ist bisher von der Justiz weitgehend verschont worden. Bekannt ist, dass er vor vier Jahren vom Amtsgericht Dornach wegen eines Flugblatts zu einer bedingten Gefängnisstrafe von 80 Tagen verurteilt wurde. Andere Verfahren wurden eingestellt.

Im Dunstkreis von Horst Mahler aktiv

Schaub ist seit Jahren in Deutschland aktiv. Er bewegte sich zum Beispiel im Dunstkreis von Horst Mahler. Der einstige RAF-Anwalt gehört heute zu den bekannten Rechtsextremen Deutschlands und wurde wegen Volksverhetzung zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Aktiv war Schaub auch in rechtsextremen Organisationen, etwa in der vor drei Jahren verbotenen Heimvolkshochschule Collegium Humanum. Seine Pamphlete veröffentlicht der Holocaust-Leugner manchmal unter Pseudonymen, diesbezüglich sind bisher Hans Herzog und E. Wolff bekannt.

Schaub ist ein gerngesehener Gast bei Veranstaltungen von Rechtsextremen und Neonazis. Referent war Schaub bei Organisationen wie der NPD, des Bündnis Rechts, der Deutschen Liga für Volk und Heimat, des Freundeskreises Ein Herz für Deutschland, des Freundeskreises Franz Schönhuber und der Bewegung deutsche Volksgemeinschaft. In der rechtsextremen Szene des ostdeutschen Bundeslands Thüringen, die wegen der Zwickauer Terrorgruppe stark im Fokus der Öffentlichkeit steht, ist Schaub offenbar nicht aufgefallen. Dies ergab eine Umfrage von Bernerzeitung.ch/Newsnet bei mehreren thüringischen Einrichtungen, zum Beispiel bei Courage Thüringen, die sich gegen Rechtsextremismus und Rassismus engagiert.

Programmatische Rede beim Morgarten-Denkmal

In der Schweiz hat Schaub vor einigen Wochen für einige Aufregung gesorgt – der Anlass war das sogenannte Europa-Fest der Europäischen Aktion, das im St. Galler Rheintal stattfinden sollte. Dabei lieferten sich die EA-Aktivisten ein Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei in mehreren Kantonen. Kurzfristig verlegten Schaub und seine Leute ihren Festort nach Einsiedeln im Kanton Schwyz – und von dort zum Denkmal zur Schlacht bei Morgarten im Kanton Zug. Schliesslich gelang es Schaub, seine programmatische Rede zu halten und zur Revolution aufzurufen.

«Volksaufklärung – Organisation unserer Bewegung – politischer Widerstand» – das ist die Strategie der EA, die zur Machtübernahme in Europa führen soll. Die Vision von Schaub ist die Schaffung einer Europäischen Eidgenossenschaft. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.11.2011, 14:51 Uhr

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54 Kommentare

Ernst Rietmann

24.11.2011, 16:53 Uhr
Melden 72 Empfehlung

Bravo zu diesem Artikel. Traurig ist, dass sich auch SVP-Politiker im Ausland schon als Referenten in bedenklichen Kreisen hergegeben haben, z.B. Lukas Reimann, Freisinger u.a. Dies hätte auch in den Artikel gehört. Mit Teilnahme an solchen Anlässen wirbt die SVP direkt in der rechtsextremen Szene. Leider wird dies immer wieder ausgeblendet bzw. nicht darüber berichtet. Antworten


Urs Baumann

24.11.2011, 17:29 Uhr
Melden 54 Empfehlung

Der Rechtsextremismus wird sträflich unterschätzt, die Szene hat sich in Europa sehr gut vernetzt, die SVP und andere Rechtspopolisten wie FPÖ in Oesterreich oder Orban in Ungarn tragen eine wesentliche Mitverantvortung das die Nazis sich so radikalisiert haben. Frage mich reichen die Erfahrungen von 1933-45 nicht aus was der Faschismus angerichtet hat, Ein Schlag ins Gesicht für die Überlebenden. Antworten



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