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Vincenzo Capodici
Redaktor Ausland


«Ein Ort, wo die Luft fiskalisch rein ist»

Aktualisiert am 18.12.2012

Der Steuerflüchtling Gérard Depardieu zieht in ein belgisches Dorf, das knapp hinter der französischen Grenze liegt. In Néchin/Estaimpuis befindet er sich in guter Gesellschaft mit anderen reichen Landsleuten.

Ein witzig gemachtes Videoporträt des Dorfs Néchin. (Quelle: Youtube)


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Gérard Depardieu zieht nach Belgien

Gérard Depardieu zieht nach Belgien
Grosser Schock für die Grande Nation: Nationalschauspieler Gérard Depardieu hat genug. Wegen der neuen Reichensteuer zieht er nach Belgien.

Néchin/Estaimpuis (Belgien)

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Es erinnert an einen kitschigen Werbespot in eigener Sache, wenn Daniel Senesael, Bürgermeister von Estaimpuis (Belgien), in TV-Interviews über den prominenten Neuzuzug aus Frankreich spricht. Der Schauspieler Gérard Depardieu habe in der Region eine ländliche, gemütliche Ecke für sein neues Zuhause gesucht. Im Dorf Néchin, das zur Gemeinde Estaimpuis gehört, habe Depardieu den gesuchten Ort gefunden. «Hier lässt es sich gut leben, die Menschen sind gastfreundlich und warmherzig», schwärmt der Bürgermeister. «In Néchin gibt es sympathische Bistros und Restaurants, zudem sind sehr gute einheimische Produkte erhältlich.»

Klar, die tiefen Steuern seien auch ein wichtiger Faktor für Depardieus Umzug gewesen, ergänzt Senesael. Über den Steuerdeal, der für den Schauspieler entscheidend gewesen sein dürfte, ist bisher nichts bekannt.

«Französischste der belgischen Gemeinden»

Estaimpuis gilt als die «französischste der belgischen Gemeinden». Gegen 30 Prozent der knapp 10'100 Einwohner besitzen die französische Staatsbürgerschaft. In Néchin und anderen Ortsteilen von Estaimpuis haben sich zahlreiche Unternehmer aus Frankreich niedergelassen, ebenso manche Honoratioren aus der Umgebung von Lille, der französischen Grossstadt, die in knapp 20 Autominuten erreichbar ist. Allein 300 Mitarbeitende des Spitals der benachbarten Stadt Roubaix wohnen ennet der Grenze in Belgien.

In einem auf Youtube veröffentlichten Video wird die Region um Estaimpuis als Ort porträtiert, «wo die Luft fiskalisch rein ist». Inzwischen ist es in ganz Frankreich bekannt, dass Estaimpuis eine interessante Adresse für Steuerflüchtlinge ist.

Anwesen von Reichen sind gleich bei der Grenze

Néchin, wo Gérard Depardieu sein neues Domizil beziehen wird, ist eine landwirtschaftlich und kleingewerblich geprägte Ortschaft. Grössere Arbeitgeber im 2400-Seelen-Dorf sind zwei Fabriken, eine Gerberei und eine Seifenfabrik. Das Dorfleben scheint überschaubar und nicht gerade aufregend zu sein. Aber es ist ein Ort, wo wohlhabende Franzosen nebst einer tiefen Steuerbelastung ihre Ruhe finden.

Dass in Néchin reiche Leute leben, zeigen die stattlichen Anwesen, die es im Dorf gibt. Residenzen von reichen Franzosen gibt es zum Beispiel an der Königin-Astrid-Strasse (Rue de la Reine Astrid), die direkt an der Grenze zum Hochsteuerland Frankreich endet. Ausgerechnet in dieser Gegend hat Depardieu angeblich eine Liegenschaft für 800'000 Euro erworben. Dies wurde bisher aber nicht offiziell bestätigt.

Depardieu könnte im Schnellverfahren Belgier werden

Depardieu ist jedenfalls in guter Gesellschaft mit anderen reichen Landsleuten. In Néchin leben viele Mitglieder der Familie von Gérard Mulliez, wie französische und belgische Medien berichten. Der Familie Mulliez gehört die Auchan-Gruppe, eine 1961 gegründete französische Supermarktkette, die in 13 Ländern 165'000 Mitarbeitende beschäftigt. Die Mulliez waren bislang die bekanntesten Franzosen, die in Néchin residieren. Neu ist dies Depardieu, der nach seiner Flucht vor der Reichensteuer nun sogar Belgier werden möchte. Depardieu soll sich bei Bürgermeister Senesael bereits erkundigt haben, wie er möglichst rasch an einen belgischen Pass kommt.

Gemäss den Behörden tritt am 1. Januar 2013 in Belgien ein Gesetz in Kraft, das die Einbürgerung bestimmter Personen beschleunigen soll. Es sieht vor, dass Sportler oder Künstler, die das Ansehen Belgiens mehren, schon nach sechsmonatigem Aufenthalt die belgische Staatsbürgerschaft beantragen können. Normalerweise ist dies frühestens nach drei Jahren möglich. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.12.2012, 18:01 Uhr

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