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Die schwarze Rache aus Island

Von Bruno Kaufmann. Aktualisiert am 16.04.2010 5 Kommentare

Nach Jahren der Irrwege auf dem globalen Finanzplatz verfügt die Insel aus Feuer und Eis endlich wieder einmal über einen echten Heimvorteil.

«Wie lange gedenkt das isländische Monster mit dem unaussprechbaren Namen noch Rauch und Asche auszuspeien?», wollte eine BBC-Reporterin von der isländischen Luftfahrtbehörde wissen.

«Wie lange gedenkt das isländische Monster mit dem unaussprechbaren Namen noch Rauch und Asche auszuspeien?», wollte eine BBC-Reporterin von der isländischen Luftfahrtbehörde wissen.
Bild: Keystone

Die Sprecherin der isländischen Luftfahrtbehörde, Hjördis Gudmundsdottir, hatte gestern keine ruhige Minute. Schon frühmorgens begann das Telefon in ihrem Büro am Reykjaviker Flughafen zu klingeln. Am anderen Ende: gestresste Journalisten aus Europa. «Wie lange gedenkt das isländische Monster mit dem unaussprechbaren Namen noch Rauch und Asche auszuspeien?», fragte eine BBC-Reporterin aus London. Ob der «lästige Wind», der die Aschewolke nach Europa trägt, «nicht bald kehren wird», wollte ein norwegischer Fernsehmann wissen.

Vulkanausbrüche gehören zum Alltag

Gudmundsdottir antwortete ruhig: «Das wissen nur die Götter. Es kann ein paar Tage dauern oder ein paar Jahre.» Götter? Jahre? So weltfremd diese Antwort den Hunderttausenden von gestrandeten Passagieren in Nord- und Westeuropa auch erscheinen mag, so sehr haben sich viele Isländerinnen und Isländer darüber gefreut.

Nach Jahren der Irrwege auf dem globalen Finanzplatz verfügt die Insel aus Feuer und Eis endlich wieder einmal über einen echten Heimvorteil. Der neuerliche Ausbruch des Eyjafjall-Gletschervulkans hat zwar auch in Island zu Problemen geführt. Doch die Nachfahren der Wikinger am Polarkreis sind an solche Probleme gewöhnt. Den mächtigen Naturgewalten gegenüber sind die Isländer bescheiden und rücksichtsvoll geblieben. Die meisten Isländer sind bis heute davon überzeugt, dass es ein «verborgenes Volk» auf ihrer Insel gibt. Dass Elfen und Trolle die Unterwelt bewohnen – und Vulkanausbrüche letztlich zum Alltag gehören. Beim Bau von Strassen und Gebäuden werden Spezialisten hinzugezogen, die die unsichtbaren Wesen sehen können – und auf mögliche Konflikte hinweisen.

«Wir sind keine Terroristen»

Auf dem Höhepunkt des vermeintlichen isländischen Finanzwunders war von diesem tiefen Respekt vor der Natur wenig zu spüren. Islands furchtlose Finanzjongleure versuchten mit tatkräftiger Unterstützung der politischen Elite, die Welt zu erobern, und stürzten das ganze Land ins wirtschaftliche Verderben. Die Chronik dazu – ein fast 8000 Seiten dicker Untersuchungsbericht – wird seit Beginn dieser Woche nonstop im Stadttheater von Reykjavik vorgelesen. Tief verletzt hat viele Isländer aber nicht nur das unmoralische Verhalten einiger Landsleute, sondern auch die Reaktion in Europa. Der britische Premier Gordon Brown wandte im Oktober 2008 zum ersten Mal überhaupt die nach dem 11. September 2001 eingeführten Antiterrorgesetze an – gegen das isländische Volk.

«Wir sind doch keine Terroristen», wehrten sich diese. Doch der gute Ruf, den sich das kleine Volk in sechs Jahrzehnten Unabhängigkeit aufgebaut hatte, war dahin. Sogar die befreundeten skandinavischen Nachbarn wollten vom hoch verschuldeten Geschwister nichts mehr wissen. Bis heute ziert sich das ölreiche Norwegen, Island mit ein paar Milliarden unter die Arme zu greifen. Island hat sich zwar als Bittsteller auf die Kandidatenliste der EU setzen lassen. In einer Volksabstimmung im März erklärten sich aber nur anderthalb Prozent der Stimmenden bereit, die von den eigenen Banken verspielten Kundengelder europäischer Kunden zu erstatten.

Island ist Island geblieben

In dieser Situation deuten manche Isländer die Aschewolke, die am Donnerstag den halben Flugverkehr in Europa stilllegte, als Zeichen der Natur – als willkommene schwarze Rache. Wenn eine isländische Behördenvertreterin auf die Götter verweist und eine jahrelange Störung des Flugverkehrs als möglich bezeichnet, dann wissen wir: Island ist Island geblieben.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.04.2010, 23:01 Uhr

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5 Kommentare

Rolf Schlumpf

16.04.2010, 09:01 Uhr
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Island ist wie alle anderen Inselnationen (wie etwa Japan oder Grossbritannien), die nicht an ein anderes Land grenzen, sehr ausgeprägt, wenn es um die nationale Einheit geht. Persönlich finde ich das gut, Einfluss von aussen ist nicht immer das *Allheilmittel*. Betreffend des Vulkanausbruches sehen wir wieder mal, wie sehr die Natur noch immer die Oberhand hat. Damit müssen wir einfach leben... Antworten


Hans Meyer

16.04.2010, 09:43 Uhr
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Ein einziger Vulkanausbruch bringt mehr Staub und CO2 in die Luft als wir Schweizer in 200 Jahren einsparen können. Klimaschutz liegt nur zu einem kleinen Teil in der Hand der Schweizer! Antworten



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