Priester-Mord in Frankreich

Die elektronische Fussfessel war deaktiviert

Priester-Mord in FrankreichNach dem tödlichen Angriff auf einen Priester in einer französischen Kirche veröffentlichen die Ermittler erste Details zu einem der beiden Täter.

Laut Ermittlern laufen weitere Razzien: Einer der Geiselnehmer musste eine Fussfessel tragen. (27. Juli 2016) Video: Reuters

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Nach der Ermordung eines Priesters in dem kleinen Ort Saint-Etienne-du-Rouvray in der Normandie werden immer mehr Details zu den Hintergründen der Tat bekannt. Zumindest einer der beiden später getöteten Angreifer war als Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat polizeibekannt und wurde mit einer Fussfessel überwacht, nachdem er zweimal vergeblich versucht hatte, nach Syrien zu reisen.

A. K., 19 Jahre alt, geboren im März 1997 in Mont-Saint-Aignan nahe der Stadt Rouen. Auf dem Weg nach Syrien sei der junge Mann einmal in Deutschland gestoppt worden, beim zweiten Mal in der Türkei, sagte der Pariser Anti-Terror-Staatsanwalt François Molins am Dienstagabend bei einer Pressekonferenz.

Die Bildstrecke zur Geiselnahme in Saint-Etienne-du-Rouvray.

K. lebte mit seiner Familie in Saint-Etienne-du-Rouvray, wo er am Dienstagmorgen gemeinsam mit einem Komplizen zur Morgenmesse in die Kirche stürmte und die Schreckenstat beging.

Zum Zeitpunkt der Tat sei die Fussfessel wie jeden Morgen deaktiviert gewesen, sagte Molins. Er und der andere Angreifer, dessen Identifizierung noch nicht abgeschlossen sei, hätten Sprengstoffattrappen dabei gehabt und seien mit «Allahu Akbar»-Rufen auf die Polizisten zugestürmt, sagte Molins. Daraufhin seien sie erschossen worden.

Die eigene Familie alarmierte die Polizei

K. war nach Angaben eines Bekannten auch in Saint-Etienne-du-Rouvray aufgewachsen. Seine eigene Familie war besorgt über seine Radikalisierung und meldete den Behörden, als er versuchte, nach Syrien zu gelangen. Laut einem Freund der Familie, Jonathan Sacarabany, ist die Mutter Professorin und eine Schwester Ärztin. K. hatte zudem noch einen Bruder.

Ein 16-Jähriger sei im Zuge der Ermittlungen festgenommen worden, teilte der Staatsanwalt mit. Bei ihm soll es sich um den jüngeren Bruder eines Mannes handeln, der 2015 ebenfalls nach Syrien oder den Irak wollte.

Der IS liess über sein Sprachrohr Amak wissen, dass «zwei Soldaten des Islamischen Staats»den Angriff in der Normandie ausgeführt hätten. Sie seien dem Aufruf gefolgt, Anschläge in Staaten zu verüben, die der US-geführten Anti-IS-Koalition angehörten.

«Krieg mit allen Mitteln führen»

Staatspräsident François Hollande sprach von einem abscheulichen Angriff, der zeige, dass sich Frankreich im Krieg mit dem IS befinde. «Dieser Krieg muss mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln geführt werden.»

Auch der Rest der Welt reagierte mit Abscheu und Entsetzen auf den Priestermord, der zudem wohl der erste bekannte IS-Angriff auf eine Kirche in einem westlichen Land gewesen ist. Im vergangenen Jahr war eine Kirche in Paris ins Visier genommen worden, der Angriff aber fehlgeschlagen. Papst Franziskus verurteilte die Ermordung Hamels aufs Schärfste.

Der Bürgermeister von Saint-Étienne-du-Rouvray, Hubert Wulfranc, rief die Anwohner mit Tränen in den Augen zum Zusammenhalt auf. Sie dürften nicht zulassen, dass die Attacke auf Hamel die verschiedenen Gesellschaftsgruppen gegeneinander aufwiegele, mahnte er. (jros/sda)

Erstellt: 27.07.2016, 08:50 Uhr

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