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Der Mann, der Terroristen sein Gesicht gibt

Aktualisiert am 18.01.2010

Anhand von Google-Fotos eines Politikers erstellte das FBI Phantombilder von Osama Bin Laden. Jetzt stellt sich heraus, dass der Spanier auch für Fahndungsfotos anderer Terroristen Pate stand. Das ist ärgerlich für den Politiker und peinlich für das FBI.

Gesichter mit Ähnlichkeiten: Atiyah Abd al-Rahman und Gaspar Llamazares. (Ausriss: El Mundo)

Gesichter mit Ähnlichkeiten: Atiyah Abd al-Rahman und Gaspar Llamazares. (Ausriss: El Mundo)

Das Original: Gaspar Llamazares.

Das Original: Gaspar Llamazares.

Die FBI-Kopie: Phantombild von Osama Bin Laden.

Die FBI-Kopie: Phantombild von Osama Bin Laden.

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Für ein aktuelles Fahndungsfoto von Al-Qaida-Führer Osama Bin Laden hat ein Computerspezialist der US-Bundespolizei FBI einfach ein im Internet veröffentlichtes Foto eines spanischen Politikers verwendet. Gaspar Llamazares heisst der Mann und ist der frühere Chef der spanischen Linkspartei Unida Izquierda. Er lieh dem Bin-Laden-Foto ungefragt Haare und Stirn, wie die Onlineausgabe der spanischen Zeitung «El Mundo» am Samstag berichtete. Das Bild sei mehrere Stunden lang auf der offiziellen US-Fahndungswebsite Rewards for Justice zu sehen gewesen, bevor es entfernt worden sei, beklagte sich der 52-jährige Llamazares vor den Medien.

Offensichtlich verwendete das FBI ein Wahlkampfbild des Politikers, das er via Googles Bildersuche gefunden hatte. Ein FBI-Sprecher sagte, der Techniker habe auf eigene Faust gehandelt und mit der Verwendung von Google-Bildmaterial klar gegen FBI-Richtlinien verstossen. Demnach war der Computerspezialist unzufrieden mit den Haar-Optionen des FBI-Programms zur Erstellung von Phantombildern.

Weiteres Beispiel

Spanische Medien enthüllten inzwischen, dass sich das FBI auch für das Computerbild eines libyschen Terroristen bei einer Llamazares-Aufnahme bediente. Beim Terroristen handelt es sich um Atiyah Abd al-Rahman, der eine wichtige Figur der al-Qaida im Iran sein soll, wie «El Mundo» am Sonntag berichtete. Haare und Stirn von Llamazares sind auch im Gesicht des libyschen Terroristen zu erkennen. Dass er für die Erstellung von Fahndungsbildern des FBI in mindestens zwei Fällen herhalten musste, ist aus der Sicht des betroffenen Politikers vermutlich kein Zufall. Llamazares geht davon aus, dass seine anti-amerikanische Haltung bei der Auswahl der Bilder eine Rolle gespielt hat. Immerhin gebe es auf Google Millionen von Fotos, gab der linke Parlamentsabgeordnete zu bedenken.

«Ich habe ja schon einige sehr merkwürdige Verwicklungen der Geheimdienste gesehen, aber ich hätte nie geglaubt, dass es mich so persönlich betreffen könnte», sagte Llamazares laut der britischen Zeitung «The Independent». Ein Sprecher des FBI beteuerte, dass bei der digitalen Erstellung der fraglichen Fahndungsbilder von Terroristen keine böse Absicht dahinter gewesen sei.

Madrid verlangt Erklärung von Washington

Llamazares, der sich fassungslos und entsetzt zeigte, wird möglicherweise das FBI verklagen. «Das beeinflusst meine Ehre und die Sicherheit von uns allen», sagte der Politiker laut Medienberichten. Weil zunehmend Technik eingesetzt werde, um Gesichtsmerkmale mit den Pässen von Passagieren abzugleichen, fühle er sich bei Reisen in die USA nicht mehr sicher. «Nicht Bin Ladens Sicherheit ist gefährdet, sondern meine», klagte Llamazares.

Trotz Entschuldigungen der US-Bundespolizei und der amerikanischen Botschaft in Spanien beim Betroffenen könnte die Foto-Affäre die Beziehungen zwischen Madrid und Washington trüben. Die spanische Regierung verlangt nun eine Erklärung der US-Regierung. Die Sache ist peinlich für das FBI - Hohn und Spott sind nicht ausgeblieben. Wenn eine Polizeibehörde mit einem Milliarden-Budget sich ihre Fahndungsfotos bei Google beschaffe, erinnere dies an die Methoden der Comic-Helden Clever und Smart, der dusseligsten Geheimagenten der Welt, heisst es in einem Leitartikel der spanischen Zeitung «El Mundo».

Früher in der Kommunistischen Partei

Llamazares stammt aus der Stadt Logroño im nordspanischen Rioja-Gebiet. Er studierte Medizin in Madrid und Oviedo (mit einem Nachdiplomstudium auf Kuba) und interessierte sich schon früh für Politik. Seine Laufbahn begann er ursprünglich in der Kommunistischen Partei. Heute sitzt er im nationalen Parlament und wohnt in Madrid. (vin)

Erstellt: 18.01.2010, 08:40 Uhr

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