Der Exportschlager

Von Norbert Raabe. Aktualisiert am 16.03.2010

Robuster Geländewagen, 4 Sitze, 1500 PS: Der deutsche Panzer Leopard II verkauft sich bestens – wegen der veränderten Sicherheitslage vor allem als Secondhand-Tank für ausländische Armeen.

1/5 Frontansicht eines Leopard II, stationiert im deutschen Westerburg.
Bild: Keystone

   

Das Ungetüm, das heute auf seinen gewaltigen Ketten fast über den gesamten Planeten rattert, entstand aus einer Pleite. Im Jahr 1969 scheiterte das deutsch-amerikanische Projekt mit dem Namen «Kampfpanzer 70» an seinen hohen Ansprüchen sowie einem Mangel an politischem Willen. Ein Jahr später begann auf der Basis dieses Projekts die Entwicklung des Leopard II. Grundlage war die Entwicklung «Keiler», die zwei Jahre zuvor begonnen worden war und von einem gewissen Helmut Schmidt, seinerzeit Bundesverteidigungsminister, favorisiert wurde.

Der Panzer war das richtige Kampfgefährt für den Kalten Krieg, als die Militärs im Westen noch sorgenvoll noch Osten schauten. Trotz rund 62 Tonnen Gewicht sollte der Leopard agil und wendig durch Wiesen, Wälder und Flüsse rattern – bewaffnet mit Glattrohrkanonen, Kaliber 105 oder 120 Millimeter, und einer 20-Millimeter-Kanone als «Sekundärbewaffnung». Aktuellere Ausführungen des Leopard II tragen stattdessen zwei Maschinengewehre und können mittlerweile nicht nur Flüsse bis gut einen Meter Tiefe durchqueren, sondern – dank einer Zusatzausrüstung – zeitweise durch vier Meter tiefes Wasser fahren.

Export in alle Welt

Ein Kriegsvehikel, das mittlerweile in aller Welt eingesetzt wird, wie das schwedische Friedensforschungsinstitut Sipri kürzlich bekannt gab. Laut seinen Berechnungen wurden insgesamt 2584 Leopard-II-Modelle in das Ausland verkauft - nach Griechenland, Spanien, Kanada, in die Türkei, die Schweiz und andere Nationen. Die deutsche Bundeswehr unterhält nur noch rund 400 Panzer dieses Typs, weil ihre aktuellen Bedrohungsszenarien nach dem Ende des Kalten Kriegs nicht mehr auf Panzerschlachten hindeuten.

Die überzähligen Fahrzeuge wurden abgestossen, und so wurde der Panzer ein Secondhand-Schlager, der auch ausserhalb der Nato weit verbreitet ist. Brasilien wird laut Presseberichten seit 2009 mit 220 gebrauchten Leopard-Panzern beliefert, und Chile orderte 140 Exemplare. Ebendort orten die schwedischen Friedensforscher ein verstärktes Wettrüsten: Gerade in Südamerika habe sich der Waffenhandel in den vergangenen fünf Jahren um 150 Prozent erhöht, verglichen mit den fünf Jahren zuvor. Und auch für Südasien sorgt sich das Sipri-Institut wegen massiver Waffenkäufe.

Panzerung als Lebensretter

Im Grossraum Europa sind vor allem Griechenland und die Türkei Abnehmer von Leopard-Panzern des Typs I und II. Weitaus beliebter ist freilich der Leopard II, der sich auch bei guter Wartung auch nach Jahrzehnten problemlos einsetzen lässt. Die Panzerung der dritten Generation gilt als extrem robust, und das Fahrzeug widersteht nach Angaben der Hersteller auch einer 10-Kilo-Panzerabwehrmine.

Zum Beispiel bei den kanadischen Isaf-Truppen in Afghanistan. Als einer ihrer neueren Leopard-2A6M-Panzer in eine grosse Sprengfalle fuhr, überlebte laut den Berichten der Militärs die gesamte Besatzung. Der Fahrer erlitt zwar einen Hüftbruch, doch die übrigen Soldaten, so hiess es, kamen mit Prellungen davon.

Was den Panzer betrifft: Laut dem kanadischen Generalstabschef Rick Hillier wurde er repariert und anschliessend wieder eingesetzt. Und auch die Taliban hätten mit diesen Kampfgeräten mittlerweile Bekanntschaft gemacht. Laut Hillier griffen sie in Hinterhalten an und hätten dabei «einige sehr harte Lektionen gelernt». Sie hätten den Kampf «sehr schnell und sehr gewaltsam verloren», wurde der General weiter zitiert – eine Äusserung, die für den Hersteller des Leopard II wohl das beste Marketing ist.

Noch schneller als erwartet

So wie auch Informationen im Internet, dank denen der Panzer heutzutage fast eine militärische Legende ist. Statt der 1500 PS, die offiziell angegeben werden, lassen sich über kleinere Manipulationen sogar 1800 PS aus dem Motor herauskitzeln, heisst es auf einer Webseite, auf der Insider von ihren Erfahrungen berichten.

Und die offizielle Höchstgeschwindigkeit des Leopard II liege zwar um 70 Stundenkilometer, liest man dort – doch bei guter Wartung erreiche ein solcher Panzer auf der Strasse 80 km/h und mehr. Bei einem «inoffiziellen Truppenversuch» wurden demnach sogar 116 km/h erreicht – ein Tempo, das freilich nicht zu empfehlen ist, weil der Lärm im Inneren des Fahrzeugs dann trotz Hörschutz ohrenbetäubende Ausmasse erreicht. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.03.2010, 19:37 Uhr

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