«Das russische Volk ist fähig zu Veränderungen – und zwar nicht nur mit der Peitsche»

Russlands Präsident Dmitri Medwedew hat in einer ungewöhnlich lebhaften Fernsehdiskussion demokratische Defizite eingeräumt und weitere Reformen angekündigt.

Er will die Korruption bekämpfen: Dmitri Medwedew.

Er will die Korruption bekämpfen: Dmitri Medwedew. (Bild: Keystone)

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Russland

Moskau senkt Ausländerquote

Der russische Regierungschef Wladimir Putin hat zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit eine drastische Kürzung des Anteils ausländischer Arbeitnehmer angeordnet. 2010 dürften nur noch 1,3 Millionen Ausländer in Russland arbeiten, fast 30 Prozent weniger als 2009. Die Regierung will durch die Kürzung des Ausländeranteils mehr eigenen Bürgern wieder einen Job verschaffen. Allerdings erledigen besonders Menschen aus Zentralasien und dem Kaukasus in Russland Arbeiten, die Russen in der Regel nicht annehmen. Wegen des krisenbedingten Anstiegs der Arbeitslosigkeit war die Ausländerquote bereits von 2008 auf 2009 fast halbiert worden.

Er sei kein Revolutionär, betonte Dmitri Medwedew bei einem Interview mit den Generaldirektoren von drei russischen TV-Sendern in Moskau. Die Veränderungen in Russland müssten im «Einklang mit dem Willen des Volkes» erfolgen. Er mahnte auch den Westen zur Geduld. Die Modernisierung des Riesenreichs brauche Zeit.

«Das russische Volk ist fähig zu Veränderungen - und zwar nicht nur mit der Peitsche», sagte Medwedew. Gewaltsame Methoden zur Modernisierung Russlands wie etwa zu Sowjetzeiten lehne er ab. Der Kremlchef kündigte jedoch an, mit «harten und ernsthaften Veränderungen» das korrupte russische Polizeiwesen zu erneuern.

Medwedews Interviewpartner fragten für russische Verhältnisse erstaunlich kritisch und fielen dem Kremlchef mitunter auch ins Wort. Den Vorwurf, die Reformversprechen könnten im Sand verlaufen und Medwedew selbst könne zu einer «Parodie seiner selbst» werden, wies der Präsident zurück.

Reformen für Justiz und Wirtschaft

Bei dem Schlagabtausch hielt Medwedew auch an seinen Plänen für die Justizreform fest. Wer politischen Druck oder mit Geld Einfluss auf Gerichtsurteile ausübe, müsse bestraft werden. Der Kremlchef rief wie zuletzt in seinen Internetbeiträgen dazu auf, sich den Herausforderungen einer Modernisierung zu stellen. So verlangte er einmal mehr, die Abhängigkeit von Rohstoffexporten zu reduzieren.

Problematisch seien zudem die geringe Wettbewerbskraft der russischen Unternehmen und die hohe Arbeitslosigkeit. «Ohne eine Erneuerung der Wirtschaft und des politischen Systems hat unser Land keine Zukunft», sagte Medwedew. Jene Beamte, die sich diesem Prozess nicht stellten, sollten gehen.

Opposition soll ihren Platz haben

Medwedew äusserte sich optimistisch, dass sich das umstrittene Parteiensystem weiter entwickeln werde. Auch die Opposition etwa um den Kremlkritiker Garri Kasparow und den früheren Regierungschef Michail Kasjanow solle ihren Platz haben, wenn sie die Gesetze befolge. Der Präsident verurteilte zudem Fälschungen bei den jüngsten Kommunalwahlen und kündigte Neuwahlen dort an, wo Gerichte entsprechend entschieden.

Zum Jahresende zog Medwedew insgesamt ein positives Fazit seiner bisherigen Amtszeit, die im Mai 2008 begonnen hatte. Als nächstes werde er ein Dekret zur Erneuerung des Innenministeriums unterzeichnen, sagte Medwedew. Ein grosser Teil der russischen Polizei steht in der Kritik, extrem korrupt und sogar in kriminelle Strukturen verwickelt zu sein. Geplant seien Personalabbau und eine Anhebung der Gehälter, «um normale und modern denkende, zugleich aber auch effektive Mitarbeiter zu bekommen», sagte Medwedew. (vin/sda)

Erstellt: 24.12.2009, 18:11 Uhr


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