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Ballermänner auf britischen Schiffen

Aktualisiert am 09.02.2012

Um Handelsschiffe vor Überfällen durch Piraten zu schützen, dürfen Schiffe unter britischer Flagge private Söldner anheuern. Doch ihr Einsatz macht Fachleuten Sorgen.

Was dürfen private Sicherheitsdienste an Bord? Anders als Söldner unterliegen US-Soldaten, wie bei diesem Einsatz im Golf von Aden, militärischen Vorschriften.

Was dürfen private Sicherheitsdienste an Bord? Anders als Söldner unterliegen US-Soldaten, wie bei diesem Einsatz im Golf von Aden, militärischen Vorschriften.
Bild: Keystone

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Piraterie – Zahlen und Fakten

Nach einem Bericht des International Maritime Bureau (IMB) war die Zahl der Piratenüberfälle weltweit 2011 erstmals seit fünf Jahren leicht rückläufig. Es gab 439 Angriffe, 45 Schiffe mit insgesamt 802 Besatzungsmitgliedern wurden 2011 überfallen. Die Zahl der Angriffe durch somalische Piraten stieg jedoch. Diese waren im vergangenen Jahr für 237 Überfälle verantwortlich.
Aus rechtlicher Sicht umfasst die Piraterie Taten nicht staatlicher Akteure, die gewaltsam Verkehrsmittel wie Schiffe in ihre Gewalt bringen, um daraus zumeist finanziellen Nutzen zu ziehen. Bei der Piraterie zur See werden Besatzungsmitglieder von Handelsschiffen mit Waffengewalt überwältigt und die Schiffe entführt. Danach gehen oftmals Lösegeldforderungen bei den Eignern oder Reedern ein.
Vor allem die Überfälle somalischer Piraten im Indischen Ozean erregen wegen ihrer wirtschaftlichen Auswirkungen politisches Interesse. Um das Horn von Afrika verläuft eine der Hauptseehandelsrouten. Deshalb betreibt die EU die Operation Atalanta und versucht, den Seehandel mit Marineschiffen militärisch zu schützen (sda).

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Im Oktober vergangenen Jahres hatte der britische Premier David Cameron den Bruch mit einer Tradition – dem Verbot, bewaffnete Söldner auf britischen Schiffen einzusetzen – verkündet. Nun, wenige Monate, später wird Kritik an der neuen Praxis laut, wie mehrere britische Medien berichten.

«Bloomberg Businessweek» berichtet auf ihrer Webseite unter Berufung auf eine Aufsichtsfirma, dass sich die meisten Söldner aus privaten Sicherheitsdiensten nicht an die strengen Vorschriften für solche Einsätze hielten. Unter den Verstössen wird genannt, dass bei Übungen an Bord mit scharfer Munition geschossen werde. Zudem hätten sie in einigen Fällen weder eine Waffenlizenz noch seien sie entsprechend versichert.

Immer mehr Sicherheitsdienste engagiert

Die Erhebungen hatten bereits im vergangenen Jahr begonnen und stammen von Gray Page, einem Unternehmen, dass im Bereich der maritimen Sicherheit tätig ist – auch im Auftrag von Reedereien, die private Sicherheitsdienste bereits einsetzen, und Versicherungen. Laut dem Bericht haben die Überfälle durch somalische Piraten in den vergangenen Jahren bereits 180 Unternehmen dazu gebracht, bewaffnete Sicherheitsleute einzusetzen (siehe Infobox).

Nach Angaben von Gray-Page-Direktor James Wilkes wird mittlerweile rund ein Drittel der Schiffe auf Routen im Indischen Ozean so überwacht, während es vor Jahresfrist noch weniger als zehn Prozent gewesen seien. Angesichts der unscharfen Rechtslage verwies er gegenüber «Bloomberg Businessweek» darauf, dass für die bewaffneten Wächter sowohl britisches als auch EU-Recht gelte, ebenso wie die Richtlinien der International Maritime Organization (IMO) der UNO.

Sorgen wegen mangelnder Professionalität

Zumindest, bis einheitliche und verbindliche Regelungen vereinbart sind. «Solche Dinge brauchen Zeit», wird Wilkes zitiert. «Das bedeutet nicht, dass wir bewaffnetes Sicherheitspersonal bis dahin rechtsfrei operieren liessen.» Falls der Fall einträte, dass ein Crew-Mitglied getötet werde und die Reederei ihre Sorgfaltspflicht vernachlässigt habe, so der Branchenkenner, hätten die Rechtsanwälte «einen Heidenspass».

Auch die Security Association for the Maritime Industry (Sami), die mehr als 100 Sicherheitsfirmen vertritt, kümmert sich nun um die Probleme – mit einer unabhängigen Zertifizierung, für die sich laut dem Gründer Peter Cook bereits 20 Prozent der Mitglieder registriert haben. «Die Standards werden erhöht», wird Cook zitiert – und Vorfälle mit unnötigem Gebrauch von Waffen hoffentlich minimiert.

Zurückschiessen oder zuerst schiessen?

Zu den Problemen mit mangelnder Professionalität kommt, dass die Rechtslage zum Umgang mit Schusswaffen derzeit offenbar nicht genau geklärt ist. Das Foreign-Affairs-Komitee des britischen Parlaments, dem 11 Abgeordnete aus den grossen Parteien angehören, erklärte noch Anfang Januar, dass eine klare Regelung getroffen werden müsse, wann private Sicherheitsleute das Feuer eröffnen dürfen.

Erst dann, wenn sie tatsächlich unter Feuer geraten? Oder auch präventiv, zum Beispiel, wenn sich ein bewaffnetes Boot dem eigenen Schiff nähert? Für das Komitee des Parlaments ist die Sache klar: Die künftigen Richtlinien sollten festschreiben, dass nichts im Recht des Vereinigten Königreichs vom Opfer eines Angriffs verlangt, auf den ersten Schuss der Piraten zu warten. (raa)

Erstellt: 09.02.2012, 17:37 Uhr

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