Leuthard: G-20-Staaten können Finanzkrise nicht bewältigen

Aktualisiert am 27.03.2009

Bundesrätin Doris Leuthard ist der Ansicht, dass nicht die G-20, sondern der Internationale Währungsfonds (IWF) die richtige Organisation zur Lösung der Finanzkrise sei.

Breitseite gegen G-20-Staaten: Doris Leuthard und Polens Wirtschaftsminister Waldemar Pawlak vor den Medien in Warschau.

Breitseite gegen G-20-Staaten: Doris Leuthard und Polens Wirtschaftsminister Waldemar Pawlak vor den Medien in Warschau. (Bild: Keystone)

Die schweizerische Volkswirtschaftsministerin und Bundesrätin Doris Leuthard ist auf Einladung des polnischen Vizepremier- und Wirtschaftsministers Waldemar Pawlak nach Warschau gereist. Die beiden Minister zeigten sich einig, dass die G-20 keine geeignete Organisation zur Lösung der Finanzkrise sei.

Geeigneter sei nach Meinung der Minister beispielsweise der Internationale Währungsfonds (IWF), wo die Schweiz und Polen in der gleichen Stimmrechtsgruppe vertreten sind, wie eine Sprecherin des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements (EVD) am Freitag auf Anfrage sagte. Zum G-20-Gipfel von nächster Woche in London sind die Schweiz und Polen nicht eingeladen. Diskutiert werden müsse, ob für Gesellschaftsfragen rund um die Finanz- und Wirtschaftskrise die Uno als Plattform genutzt werden solle.

Polnische Kreditnehmer in Schwierigkeiten

Gegenseitig orientiert haben sich Leuthard und Pawlak auch über die Situation der Hypotheken in Polen, die zu 60 Prozent auf Franken ausgestellt sind. Wegen des Kurszerfalls des Zloty haben zahlreiche polnische Kreditnehmer Probleme bekommen. Mit Elzbieta Bienkowska, Ministerin für Regionalentwicklung, hatte Leuthard zuvor den schweizerischen Entwicklungsbeitrag von 489 Millionen Fr. an Polen besprochen. Die Umsetzung liege zwar im Zeitplan, beide Seiten waren sich aber einig, dass der Prozess beschleunigt werden könnte. Dennoch gelte es, die Qualität der Projekte abzuklären.

Mit dem Minister für Landwirtschaft, Marek Sawicki, tauschte sich Leuthard über die Landwirtschaftspolitik aus und erläuterte das Schweizer System der Direktzahlungen. Sawicki erklärte laut der EVD-Sprecherin, die Finanzkrise habe Polen noch nicht erfasst, sie werde aber kommen und die Arbeitslosigkeit wohl weiter erhöhen. (vin/sda)

Erstellt: 27.03.2009, 17:07 Uhr