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Westerwelles Sozialarbeiter sollen Taliban bekehren

Aktualisiert am 24.01.2010

Der deutsche Aussenminister verspricht einen Sozialfonds in Afghanistan, um junge Männer zum Ausstieg zu bewegen. Er hofft auf Unterstützung aus London – zuhause erntet er Kritik.

Sucht nach neuen Wegen im Kampf gegen die Aufständischen in Afghanistan: Guido Westerwelle (links), Taliban-Kämpfer im Hindukusch.

Sucht nach neuen Wegen im Kampf gegen die Aufständischen in Afghanistan: Guido Westerwelle (links), Taliban-Kämpfer im Hindukusch.
Bild: Reuters

Wenige Tage vor der internationalen Afghanistan-Konferenz am Donnerstag in London kündigt der deutsche Aussenminister Guido Westerwelle einen neuen Ansatz im Umgang mit Taliban-Kämpfern an: Er will die Krieger mit Sozialgeld zum Ausstieg bewegen.

«Es gibt viele Mitläufer der Taliban-Terroristen, die nicht aus fanatischer Überzeugung, sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen auf einen falschen Weg geraten sind», begründet Westerwelle die Idee in «Bild am Sonntag». «Wir wollen diesen Menschen eine wirtschaftliche und soziale Perspektive für sich und ihre Familien bieten.»

Eine Perspektive für frühere Gewaltkämpfer

Dafür werden man zusätzliches Geld bereitstellen. Der Vizekanzler, der Deutschland bei der Afghanistan-Konferenz in London vertreten wird, sagte weiter, es werde «in London auch einen völlig neuen Ansatz zur Wiedereingliederung von Aufständischen in die Gesellschaft geben.» Westerwelle hofft also am Donnerstag auf Unterstützung aus Washongton und London.

Auch der deutsche Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel will Geld für ein Ausstiegsprogramm zur Verfügung zu stellen. Es sei wichtig, «dass denjenigen Kämpfern, die bereit sind, der Gewalt abzuschwören und sich wieder auf den Boden der Verfassung zu stellen, eine Perspektive geboten wird», sagte er laut «Focus». Speziell für diesen Zweck solle die Londoner Afghanistan-Konferenz einen Sonderfonds auflegen.

«Was den Taliban am wenigsten fehlt, ist Geld»

Im Inland erntet Westerwelle zunächst Kritik für seinen Vorschlag. Seine Vorstellung sei nicht nur abwegig, sie sei «geradezu naiv», schreibt der Analyst der deutschen «Welt». Denn: «Was den Taliban am wenigsten fehlt, ist Geld.» die Organisation verdiene am Drogenanbau, erpresse Schutzgelder von besetzten Dörfer und lasse sich Verstecke bezahlen – selbst von Osama Bin Laden persönlich. «Nicht nur im Westen, auch unter Gotteskriegern gilt: Umsonst ist nicht einmal der Tod.» Dabei übersieht der Autor allerdings, dass es womöglich eine Alternative braucht eben weil die Taliban jungen Menschen lukrative Angebote machen. Wer, so fragt er jedoch zu Recht, würde ausserdem die Geläuterten gegen ihre früheren Freunde beschützen?

Auch «Spiegel Online» schreibt mit Verweis auf den amerikanischen Geheimdienst, die Idee sei zwar spektakulär, aber «total abwegig». Man könne «die Taliban mit allem ködern, nur nicht mit Geld». Die Kriegspartner in Afghanistan würden nach einer neuen Strategie suchen, weil das bisherige Vorgehen wenig Erfolg gebracht habe. Tatsächlich haben Westerwelle und Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg in mehreren Medien davon gesprochen, an der Londoner Konferenz zusätzliche Truppen und mehr Ausbildung für die afghanische Polizei anzubieten.

London erwartet Terroranschlag

Die britische Regierung hat derweil vor der Konferenz zu Afghanistan die Warnstufe für die Terrorgefahr auf «ernsthaft» erhöht. Ein Anschlag werde als «sehr wahrscheinlich» angenommen, teilte Innenminister Alan Johnson mit. Nach den gegebenen Informationen sei der Anschlag aber nicht «unmittelbar bevorstehend», sagte Johnson. Er bezog sich dabei auf Informationen aus dem britischen Inlandsgeheimdienst MI5.

Am Mittwoch ist in London eine internationale Jemen-Konferenz geplant. Dabei soll es um einen koordinierten Einsatz gegen das Terrornetzwerk al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel gehen. Am Tag darauf wird ebenfalls in London eine hochrangig besetzte Konferenz zu Afghanistan abgehalten. Teilnehmen werden unter anderen der afghanische Präsident Hamid Karzai und US-Aussenministerin Hillary Clinton.

(oku/ddp)

Erstellt: 24.01.2010, 19:28 Uhr

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