Trotz weisser Fahne erschossen: Die letzten Stunden des Tamilen-Führers Pulidevan
Trotz weisser Fahne erschossen: Tamil Tigers Seevaratnam Pulidevan ... (Bild: Tamilnet)
... und Balasingham Nadesan.
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Eher wolle er sich selber das Leben nehmen, als aufzugeben. Diese Worte stammten vom höchsten sri-lankischen Rebellen-Führer Velupillai Prabhakaran. Inzwischen ist er vermutlich tot, wie wir wissen.
E-Mails und Telefonanrufe
Das Schicksal nicht mit ihm teilen wollten seine Mitstreiter Balasingham Nadesan und Seevaratnam Pulidevan. Die beiden galten als hochrangige Führer der LTTE und leiteten das Büro der Rebellen-Organisation. Ein Reporter der britischen Zeitung «Independent» hat aus Erklärungen der sri-lankischen Regierung, der LTTE-Rebellen, ausländischen Regierungen und Nichtregierungsorganisationen das Schicksal der beiden nachgezeichnet.
Demnach sandten Pulidevan und Nadesan Ende letzter Woche via E-Mail und Telefon Botschaften aus, wonach sie aufgeben wollten und einen Weg suchten, wie dies gelingen könnte. Ihnen war klar geworden, dass ihre Organisation den Kampf gegen die Regierung verloren hatte. Sie waren auf einem kleinen Gebiet von Regierungstruppen eingekesselt.
«Schüsse im Hintergrund»
In der Nacht auf den letzten Sonntag gelang es den beiden, Kontakt mit dem norwegischen Umweltminister Erik Solheim – er hatte 2002 Verhandlungen für einen Waffenstillstand geleitet – aufzunehmen. Die Rebellen-Führer eröffneten ihm ihre Pläne.
Eine Sprecherin der norwegischen Regierung bestätigte den Anruf. «Der Minister sagte, er sprach mit Pulidevan um Mitternacht (...) im Hintergrund hörte er Schüsse», so die Sprecherin.
Mit einer weissen Fahne
Via dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) kam die verzweifelte Bitte der beiden LTTE-Führer auf den Tisch des sri-lankischen Aussenministers Palitha Kohona. «Es gibt nur einen von Militärs akzeptierten Weg, sich zu ergeben», sagte Kohona in einem Interview. Was er damit meinte, hatte er als offenbar als Botschaft bereits an das IKRK gesandt: «Lauft langsam an den Truppen vorbei! Mit einer weissen Fahne und befolgt die Befehle. Die Soldaten sind nervös und befürchten Selbstmordattacken.»
Die Anleitung drang offenbar zu den beiden Rebellen-Führern durch. Irgendwann im Verlaufe des Sonntags entschieden sich Nadesan und Pulidevan, den Plan in die Tat umzusetzen. Ein letztes Mal hatte der norwegische Verbindungsmann am Sonntagabend mit Pulidevan gesprochen. «Am nächsten Morgen hörte ich, das sie tot sind». Nadesan und Pulidevan waren am Montag als erschossen gemeldet worden.
Gegenseitige Beschuldigungen
Die Beiden seien vom Militär erschossen worden, als sie sich, die Anleitung befolgend, mit weissen Fahnen den Regierungstruppen näherten, hiess es in einer Meldung auf der Website der LTTE-Rebellen (TamilNet). Demnach hätte in den frühen Morgenstunden des Montags ein «geplantes Massaker» stattgefunden.
Von alldem will Kohona nichts wissen. Im Gegenteil: Er sei von den Regierungstruppen darüber informiert worden, dass die beiden LTTE-Führer von wütenden Mitstreitern erschossen worden seien. Was dabei genau geschah, werden vielleicht spätere Untersuchungen zum Bürgerkrieg in Sri Lanka zeigen. Solche haben Uno und EU bereits gefordert. (cpm)
Erstellt: 20.05.2009, 14:21 Uhr
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