Ausland
Taliban töten die Einwohner von Marjah
Dossiers
Artikel zum Thema
- Nach Marjah eine Offensive auf Kandahar
- Widerstand in Marjah offenbar gebrochen
- Afghanische Flagge weht über Taliban-Hochburg
- Karzai beisst bei Taliban auf Granit
- Taliban schlagen in Kandahar zu
- Afghanischer Soldat schiesst auf Briten
Stichworte
Während die afghanischen und amerikanischen Soldaten in der ehemaligen Taliban-Hochburg mit Aufbau und Hilfe um Vertrauen werben, haben die Aufständischen einen Monat nach ihrer Niederlage begonnen zurückzuschlagen. Mit einer Terrorkampagne versuchen sie die Bevölkerung einzuschüchtern und von Zusammenarbeit abzuhalten.
Mindestens ein Sympathisant der Regierung in Kabul wurde geköpft; von weiteren Morden wird berichtet. Drohbriefe an den Haustüren warnen die Einwohner vor Kollaboration. Fragen bei Gemeindeversammlungen zeigen nach Einschätzung der Militärs, dass die Kampagne der Radikalislamisten einige Wirkung zeigt: Wollen die US-Truppen die Moscheen schliessen und das Gebet verbieten? Werden sie vom Ausguck ihrer Stützpunkte aus die Frauen begaffen? Nehmen sie den Bauern das Land weg?
Testfall für die Truppen
«Die Aufständischen körperlich zu vertreiben, war leicht. Sie gesellschaftlich zu vertreiben - zu beweisen, dass wir bleiben und helfen -, ist viel schwieriger», erklärt Oberstleutnant Jeff Rule, der den Einsatz der US-Marines in der Provinz Helmand führt. Marjah gilt als Test, ob es afghanischen und internationalen Truppen gelingen kann, die Taliban dauerhaft zu vertreiben und danach eine effiziente und für die Bewohner akzeptable Verwaltung einzusetzen.
Wie viele Taliban noch in der Stadt sind, weiss man nicht genau. Militärvertreter gehen davon aus, dass es hauptsächlich Einheimische sind und auswärtige Kämpfer sich abgesetzt haben. Doch unabhängig von ihrer Zahl ist ihr Einfluss noch spürbar. Neue Mobilfunkmasten bescherten Marjah vor gut einer Woche Telefonverbindungen. Doch nachts funktionieren sie nicht, weil die Taliban die Betreiber der Masten bedrohen oder bestechen, sie abzuschalten - vermutlich damit niemand nächtliche Bombenleger anzeigen kann.
Experte erwartet Rückkehr der Taliban
Auch Arbeiter bei Kanalreinigungsprojekten wurden bedroht oder verprügelt. Mindestens ein Kanalarbeiter, dem Angst eingejagt wurde, sei zurückgekommen und wolle trotz der Gefahr weiterarbeiten, berichtet Major David Fennell, der mit einem 15-köpfigen Team arbeitet. «Da weiss man, dass man gegen die Taliban gekämpft und gewonnen hat», sagt er. «Ich sage meinen Leuten immer wieder: Was haben wir heute gemacht? Wir haben den Taliban eins aufs Maul gegeben.»
Der Kampf um Marjah besteht heute darin, die Menschen für sich zu gewinnen, sei es mit einem Arbeitsplatz oder mit einer Impfung für das Kind. «Meinem Gefühl nach werden die Taliban wieder einsickern, wenn die afghanische Regierung den bescheidenen Erwartungen der NATO nicht gerecht wird», meint der ehemalige UN-Politikexperte Mervyn Patterson. «Ich glaube nicht, dass der Verlust Marjahs die Taliban in Helmand geschwächt hat. Bei ihnen ging es mal auf und mal ab, und das war ein mässiges Ab, aber nichts Entscheidendes. Ich erwarte, dass sie nach und nach nach Marjah zurückkehren.»
Diplomatie und schnelle Erfolgserlebnisse
Viele der schätzungsweise 80'000 Menschen dort teilen diese Befürchtung, trotz der Präsenz von rund 4000 afghanischen und Nato-Soldaten. So mancher fürchtet sich, von den Militärs Geld anzunehmen, weil die Taliban ihn dafür bestrafen würden. «Ich kann kein Geld nehmen, weil ich um mein Leben fürchte», erklärt etwa der Bauer Bordschan, dessen Haus von den Marines als vorläufige Unterkunft requiriert wurde. Er hätte wohl schon gerne den entstandenen Sachschaden ersetzt, will aber nicht über die Höhe sprechen. Er will die Soldaten nur wieder aus dem Haus haben.
Die Marines setzten teils auf Diplomatie, teils darauf, Entwicklungs- und Infrastrukturvorhaben schnellstmöglich zum Laufen zu bringen, um zu demonstrieren, dass es die afghanische Regierung dieses Mal ernst meint. Bei einflussreichen Mullahs haben sie einigen Erfolg mit Angeboten, Reparaturen zu leisten oder Lautsprecher in Moscheen zu installieren - in der Hoffnung, dass die Taliban die Arbeit nicht zunichte machen. Das könnte zu optimistisch sein: Der Mann, der geköpft wurde, hatte nach Angaben des afghanischen Obersts Ikbal Khan an der Spitze einer Moscheegemeinde gestanden.
Zeitfenster bis Monatsende
Dennoch: Alle möglichen Aufbauprojekte schreiten voran. Drei Kliniken sind in Betrieb, wie Fennell berichtet, mit Ärzten aus Kabul und einheimischem Personal. Zwei provisorische Schulen haben die Arbeit aufgenommen, auch sie mit einheimischem Personal und mit über 100 Schülern. Bei der Kanalreinigung arbeiten nach wochenlangem Zureden jetzt 800 statt anfangs 40 Mann.
Marjahs Verwaltungschef Abdul Sahir glaubt wie seine Berater, dass sie bis Ende des Monats zeigen müssen, dass sie in der Stadt die Oberhand haben. «Wir haben ungefähr zwei Wochen, um uns zu beweisen», sagt Sahir. Doch er räumt ein, dass das keine leichte Aufgabe ist. Jede Nacht werden wieder Bomben an den Strassen vergraben, die das Militär benutzt. Im Stadtzentrum ist abends häufig Gewehrfeuer zu hören. Anfang der Woche traf eine Bombe eine Streife der Marines und verwundete mehrere Soldaten. «Wir müssen beweisen, dass es sicher ist, damit die Leute sich an Projekten beteiligen», erklärt Sahir. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 18.03.2010, 16:38 Uhr
Ausland
Emil Frey AG Autocenter Bern
Geniessen sie die Strasse mit dem neuen Subaru XV. Nur im Emil Frey Autocenter Bern.


