Taliban oder al-Qaida: Wer ist gefährlicher?
Zwar ist al-Qaida einigen Gewährsleuten zufolge inzwischen nicht mehr so stark vernetzt mit den Taliban in Afghanistan. Doch ist in Pakistan eine Taliban-Gruppierung herangewachsen, die in enger Abstimmung mit dem Terrornetzwerk operiert. Die Strukturen und Bündnisse der Extremisten beiderseits der kaum erkennbaren Grenze sind schwer zu durchschauen.
«Man kann nicht sinnvollerweise zwischen al-Qaida und verbundenen Netzen unterscheiden, weder wenn es darum geht, die Lage zu überblicken, noch bei Überlegungen über den künftigen Kurs», glaubt der Anti-Terror-Experte Vahid Brown. «Wenn man glaubt, man kann al-Qaida-Anführer töten, statt auf breiter Front gegen das militante Umfeld vorzugehen, dann beruht das auf einem grundsätzlichen Missverständnis der Gegebenheiten.»
Einflussreiche Persönlichkeiten in der US-Regierung wie Vizepräsident Joe Biden dringen darauf, sich mehr auf al-Qaida und weniger auf die afghanischen Taliban zu konzentrieren. Bisher wurden das Terrornetzwerk und die Radikalislamisten, die während ihrer Herrschaft über Afghanistan Osama bin Laden und seinen Leuten Zuflucht boten und Waffen, Geld und Taktik mit ihnen teilten, in einen Topf geworfen. Jetzt wird diskutiert, sich von dieser Vorstellung zu lösen und sich mehr auf al-Qaida zu konzentrieren.
Alte Bindungen nicht unterschätzen
Beobachtern zufolge haben al-Qaida-Führer in den letzten 18 Monaten ihre Beziehungen zu den pakistanischen Taliban und anderen militanten Gruppen wie Jaish-e-Mohammed und Lashkar-e-Janghvi aus der Provinz Punjab vertieft und gefestigt. Enge Verbindungen gibt es auch zu der Organisation um Dschalaluddin Hakkani und seinen Sohn Siradsch, die von der pakistanischen Stammesregion Waziristan aus den Kampf gegen die US-Truppen in Ostafghanistan steuern.
Sie ist für Beobachter ein Beispiel dafür, wie Terrorgruppen in Pakistan mit Unterstützung von al-Qaida technisch aufgerüstet und mit Sprengfallen, Selbstmordattentaten und dem Einsatz ausländischer Gotteskrieger ihre Kampfweise angeglichen haben. Zugleich sehen Sicherheitsexperten wie Richard Barrett, der die Überwachung der UN-Sanktionen koordiniert, Anzeichen für einen Bruch zwischen al-Qaida und seinen langjährigen Verbündeten in Afghanistan. Taliban-Führer wie Mullah Omar betrachteten al-Qaida vielleicht nicht mehr so wohlwollend, meint er. Möglicherweise befürchteten sie Vergeltungsschläge der USA, falls sie zu eng mit al-Qaida in Verbindung gebracht würden.
Al-Qaida arbeitet mit den Taliban zusammen
US-Militär- und Geheimdienstkreise warnen allerdings davor, die Beziehung zwischen beiden zu unterschätzen. Sie hätten vielleicht ihre Differenzen, doch sei al-Qaida aus der Vergangenheit heraus Mullah Omar stark verpflichtet. Al-Qaida arbeite nach wie vor mit den Taliban und anderen Aufständischen beiderseits der Grenze zusammen und unterstütze sie, mahnt Bruce Hoffman, Fachmann für Terrorabwehr an der Georgetown University.
Wie andere Experten warnt er davor, den Kampf nur auf al-Qaida-Anführer zu verkürzen, die man auf pakistanischem Gebiet mit Hilfe unbemannter Flugzeuge ausschalten könnte. Das würde nach ihrer Ansicht heissen, einen vielschichtigen Gegner zu unterschätzen - und letztlich zu scheitern. (bru/ap)
Erstellt: 28.10.2009, 19:51 Uhr












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