Kim Jong Un: Phantom nimmt Gestalt an
Von Stefan von Bergen. Aktualisiert am 29.09.2010 2 Kommentare
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Ein Bild von Nordkoreas künftigem Herrscher Kim Jong Un gibt es immer noch nicht. Obwohl die pathetisch bellende Tagesschausprecherin von Nordkoreas Staatsfernsehen vorgestern erstmals seinen Namen aussprach und seine Ernennung zum General verkündete.
Kim taucht zu Hause auf
Gestern dürfte diese Wahl bestätigt worden sein vom eben in der Hauptstadt Pjongjang tagenden Parteikongress von Nordkoreas Arbeiterpartei. Ein offenbar aktuelles Bild zeigt den Einmarsch der Parteidelegierten, die für den monströsen Abnick- und Applaudieranlass, dem ersten seit 44 Jahren, aufgeboten worden sind.
Mit der Erwähnung von General Kim junior bestätigt der abgeschottete kommunistische Unterdrückerstaat seinen Untertanen und der Welt erstmals, dass der jüngste Sohn des offenbar gesundheitlich angeschlagenen Diktators Kim Jong-il als Nachfolger in Position gebracht wird. Viel mehr ist von offizieller Seite nicht zu erfahren. Die jüngsten Bilder auf «Uriminzokkiri», dem kürzlich von Nordkorea aufgeschalteten Kanal auf Youtube, zeigen – für die Jahreszeit untypisch – blühende Kirschbäume vor einem Triumphbogen. Dahinter verschwinden die garstigen Lebensumstände in Nordkorea und die allfälligen Machtkämpfe im Führungszirkel des Landes.
Hoffnung aus Bern
Der mögliche junge Staatschef war bis jetzt bloss ein Phantom. Nun hat er einen Namen und einen Rang. Um den heute 27- oder 28-Jährigen ranken sich schon länger Gerüchte und Geschichten aus Geheimdienstkreisen und von geflohenen Nordkoreanern. Verbreitet werden sie vor allem von japanischen und südkoreanischen Medien. In deren Länder, die von Nordkoreas Atomraketen bedroht werden, ist man gierig auf News über den jungen Herrscher. In der Hoffnung, er ticke weniger bedrohlich.
Die Hoffnung, dass es so sei, wird für Japaner und Südkoreaner durch eine Spur genährt, die in den freien Westen führt, nach Bern. Hier soll der junge Kim Ende der 1990er-Jahre seine einzige Zeit ausserhalb Nordkoreas verbracht haben. In Bern gibt es Mitschüler und Lehrer, die ihn erlebt haben. Es gibt gar Jugendfotos von ihm, geknipst auf Schulausflügen. Wenn sie denn Kim Jong Un zeigen. Bis jetzt hat das niemand bestätigt. Aber auch niemand dementiert.
Wie bei Gerüchten üblich, gerät einiges durcheinander. Der China-Korrespondent von Radio DRS spricht – wie auch internationale Renommierblätter – wolkig von einem «Internat bei Bern», das Kim Jong Un besucht habe. Würde das Radio vor der eigenen Haustüre nachfragen, wüsste es das besser. Kevin Page, Direktor der International School in Gümligen, die übrigens nie ein Internat war, bestätigte 2006 gegenüber dieser Zeitung, dass ein Nordkoreaner, ausgegeben als Sohn eines Botschaftsangestellten, 1996 oder 1998 plötzlich die Schule verlassen habe. Von den Daten her hat es sich dabei aber um den 1981 geborenen Kim Jong Chol gehandelt, den zweiten Sohn des Diktators. Wenn er es denn wirklich war.
Verwirrung um Schulbesuch
Ein Nordkoreaner, der der jüngste Diktatorensohn Kim Jong Un gewesen sein könnte, besuchte von 1998 bis 2000 die öffentliche Schule Liebefeld-Steinhölzli. Das bestätigte die Gemeinde Köniz vor einem Jahr an einer Pressekonferenz. João Micaelo, ein Mitschüler des Nordkoreaners, erklärte dieser Zeitung, sein Kamerad habe ihm gar erzählt, er sei der Sohn des Staatschefs, und habe ihm ein Bild mit seinem Vater gezeigt. Er, Micaelo, habe ihm das nicht geglaubt.
Viel mehr wusste Micaelo nicht zu erzählen. Nur noch das: Der junge Kim habe gern Basketball gespielt und Jackie-Chan-Filme geschaut. Diese spärlichen Informationen über den damals 15-Jährigen können Japans und Südkoreas Publikum kaum beruhigen. In den paar Berner Jahren an der kurzen Leine seiner Aufpasser ist der junge Koreaner kaum so verwestlicht und demokratisiert geworden, dass der finstere Unterdrückerstaat unter ihm eine helle Zukunft zu erwarten hat. (Berner Zeitung)
Erstellt: 29.09.2010, 08:24 Uhr
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2 Kommentare
Dass der sechsjährige perfekt bärndeutsch grüssende Jong Chol nun nicht Präsident wird, muss für Reusser, welcher 2006 ohne jeden Grund seine Begegnung in einer Thuner Beiz den Medien verkündete, ein schwerer Schlag sein. Dass die Medien nun an ihn gelangen, hat er sich selbst zuzuschreiben. Sein Ärger darüber ist verfehlt und verfrüht. Vielleicht handelte es sich ja damals um Jon Un. Antworten
Seien wir ehrlich - wen interessierts? Die Privatschulen machen richtig Geld, die Papiere haben gereicht zur Erlangung eines Studentenvisums und somit sollte es die Schulen auf sich bewenden lassen. Wenn tatsächlich ein hochkarätiges Kindchen in der Schweiz zur Schule geht, dann bleibt davon auch etwas hängen, was der Schweiz in keinem Fall schaden kann. Oder sehe ich da etwas falsch? Antworten
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