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Es war doch ein Putsch auf den Malediven

Aktualisiert am 08.02.2012

«Sie zwangen mich, einen Rücktrittsbrief zu schreiben», sagt heute Ex-Präsident Mohamed Nasheed. Und das mit Waffengewalt. Er verdächtigt seinen Stellvertreter, in den Coup involviert zu sein.

1/5 Stellen sich gegen die Regierung: Polizisten werfen in der Hauptstadt Malé Tränengaspetarden. (7. Februar 2012)
Bild: AFP

   

Keine Stornierungen

Malediven-Reisende aus der Schweiz lassen sich offenbar von den politischen Umwälzungen auf der südasiatischen Inselkette nicht beeindrucken. Laut den grössten Reiseanbietern Hotelplan, Tui Suisse und Kuoni befinden sich zurzeit fast 1200 Schweizer Touristen im Inselparadies.

Sprecher der drei Unternehmen sagten am Mittwoch auf Anfrage, dass bisher keine Stornierungen für Reisen auf die Malediven eingegangen seien. Zudem seien ihre Kunden von den Unruhen nicht direkt betroffen gewesen, da Touristen nur selten die Hauptinsel Male besuchen würden. (sda)

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Der nach einer Meuterei der Polizei zurückgetretene Präsident der Malediven, Mohamed Nasheed, ist nach eigenen Angaben mit Waffengewalt zum Rücktritt gezwungen worden. Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP warf er seinem Nachfolger Mohammed Waheed Hassan vor, in den Putsch verwickelt gewesen zu sein. Dieser bestritt dies und kündigte an, eine Regierung der nationalen Einheit bilden zu wollen.

Nasheed sagte AFP in einem Telefongespräch, er habe sich gestern in das Hauptquartier der Armee begeben und sei dort auf rund 18 bewaffnete Polizei- und Armeeoffiziere «mittleren Ranges» gestossen. «Sie haben mir gesagt, dass sie ihre Waffen benutzen, wenn ich nicht zurücktrete.» Er sei gezwungen worden, «einen Rücktrittsbrief zu schreiben».

Nasheed hatte gestern seinen Rücktritt verkündet, nachdem die Polizei gemeutert und den staatlichen Fernsehsender besetzt hatte. In den vergangenen Wochen hatte es anhaltende Proteste wegen der Verhaftung eines hohen Richters gegeben. Dieser hatte die Freilassung des zuvor verhafteten Oppositionsführers Mohamed Jameel Ahmed angeordnet.

Schwere Vorwürfe gegen Nachfolger

Nasheed erhob schwere Vorwürfe gegen seinen Nachfolger und bisherigen Stellvertreter Waheed, der wenige Stunden nach seinem Rücktritt vereidigt worden war. «Er hatte immer die Vorstellung, Präsident zu werden», sagte er. «Als sich ihm die Möglichkeit bot, hat er sie ergriffen.» Waheed sei eine «Marionette» der Sicherheitskräfte.

Vor Anhängern seiner Maledivischen Demokratischen Partei MDP in der Hauptstadt Male forderte Nasheed Waheed zum Rücktritt auf und drängte die Justiz, die Verantwortlichen für den «Staatsstreich» zur Rechenschaft zu ziehen.

Bei Protesten von Anhängern Nasheeds in Male kam es am Mittwoch zu Übergriffen. Der bisherige Aussenminister Ahmed Naseem sagte der Nachrichtenagentur dpa, Unterstützer Waheeds und Polizisten hätten die Demonstranten angegriffen, unter denen auch der bisherige Präsident gewesen sei. «Sie waren auf einem friedlichen Marsch.» Mehrere Menschen seien verletzt worden. Ein Reporter schätzte die Zahl der Demonstranten auf 4000.

Verstoss gegen die Regeln des Islam

Waheed wies die Umsturzvorwürfe zurück. «Es ist falsch, die Vorgänge als Staatsstreich zu bezeichnen», sagte er vor Journalisten. «Wir wussten nicht, dass dies passieren würde.» Er hob zugleich ein zuvor von der Polizei gegen Nasheed verhängtes Ausreiseverbot auf. In den kommenden Tagen wolle er eine «wahre Mehr-Parteien-Regierung» ernennen, sagte Waheed. Dieser würden auch islamistische Parteien angehören.

Der Islam ist in dem bei Touristen beliebten Inselstaat Staatsreligion. Islamistische Würdenträger hatten Nasheed wiederholt vorgeworfen, seine Regierung verstosse gegen die Regeln des Islam.

Machtkampf

Der 44-jährige Nasheed war 2008 mit breiter Unterstützung der Bevölkerung ins Amt gekommen. Er beendete drei Jahrzehnte der autoritären Herrschaft unter Staatschef Maumoon Abdul Gayoom. Bekannt wurde Nasheed international als engagierter Kämpfer gegen den Klimawandel.

Hintergrund des gegenwärtigen Konflikts ist ein Machtkampf zwischen Gayoom und Nasheed. Anhänger Gayooms sagten Waheed - der als westlich geprägt gilt und lange für die UNO arbeitete – ihre Unterstützung zu.

Keine Stornierungen

Schweizer Touristen lassen sich offenbar von den politischen Umwälzungen auf den Malediven nicht beeindrucken. Laut den grössten Reiseanbietern Hotelplan, Tui Suisse und Kuoni befinden sich zurzeit fast 1200 Touristen aus der Schweiz im Inselparadies.

Sprecher der drei Unternehmen sagten am Mittwoch auf Anfrage, bisher seien keine Stornierungen für Malediven-Reisen eingegangen. Touristen seien von den Unruhen nicht direkt betroffen gewesen, da sie nur selten die Hauptinsel Male besuchten. (bru/AFP)

Erstellt: 08.02.2012, 12:23 Uhr


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