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«Es gilt als gefährlichster Ort der Welt»

Interview: Monica Fahmy. Aktualisiert am 10.08.2010

Die Flammen in Russland bedrohen die Atomanlage Majak. Der Boden um die Anlage ist radioaktiv verseucht. Greenpeace ist sehr besorgt über mögliche Folgen, sagt Franziska Rosenmund im Interview.

1/30 Entwurzelte Bäume: Der Sturm fegte über St. Petersburg und zieht jetzt Richtung Moskau.

   

Im Zusammenhang mit den Bränden in Russland zeigt sich Greenpeace besorgt, dass das Feuer auch auf Atomanlagen übergreifen könnte. Was befürchten Sie?
Nun, Atomanlagen bergen per se ein Risiko. Wenn die Brände dort Sicherheitsvorrichtungen beschädigen würden, die Stromversorgung zusammenbricht, dann wird es dramatisch. Unser Fokus richtet sich aber zur Zeit auf die verseuchten Gebiete von Majak, wo 1957 die grösste Atomkatastrophe vor Tschernobyl stattfand. Dort sind heute noch zwei Forschungsreaktoren in Betrieb, zugleich gibt es eine Wiederaufbereitungsanlage und ein Lager für radioaktive Abfälle – ein höchst anfälliges Gebiet also bei einer Brandkatastrophe.

Was könnten die Feuer auslösen?
Freigesetzte radioaktive Partikel würden in die Atmosphäre gelangen oder beim Löschen mit ins Grundwasser gespült werden. Das hätte schwerwiegende gesundheitliche Folgen für die betroffenen Menschen, zusätzlich zur ohnehin schon schweren Belastung durch den von den Bränden verursachten Smog.

Wie weit könnten die Partikel in der Atmosphäre gelangen?
Bedroht ist vor allem Russland. Westeuropa kaum. Wir haben es mit einer realen Bedrohung zu tun, deren Ausmass sich derzeit aber nicht abschätzen lässt. Die Auswirkungen sind abhängig vom Wind, Wetter und dem konkret betroffenen Terrain.

Gibt es denn schon Untersuchungen über die drohenden atomaren Gefahren?
Die Situation vor Ort ist komplex und unübersichtlich. Man weiss nicht, wo es wie stark brennt, wo genau die am meisten verseuchten Gebiete sind.

Was weiss man über Majak?
Im Gebiet steht ein grosses Atommüllaufbereitungs- und Lagerungszentrum. Es gilt als gefährlichster Ort der Welt. Durch die Fabrik wurden grosse Mengen radioaktiver Stoffe wie Cäsium freigesetzt und es werden radioaktive Abfälle und hochgiftige Stoffe ohne grosse Sicherheitsvorkehrungen gelagert.

Leonid Boloschow, Direktor des Instituts für sichere Atomenergie, sagte gegenüber Medien, die Atommülldeponien im Land seien durch einen mehrschichtigen Mantel aus Beton und Metall geschützt, sodass Feuer sie kaum beschädigen könne.
Der Direktor für sichere Atomenergie? Er muss das ja sagen, obwohl es nicht stimmt. Es kommt ja wohl nicht von ungefähr, dass das Gebiet um Majak als gefährlichster Ort der Welt gilt, wegen der Verseuchung und weil dort radioaktive Abfälle nachlässig gelagert werden. Noch 25 Jahre nach der Tschernobyl-Katastrophe gibt es radioaktiv verseuchte Sperrzonen! Die dramatische Situation jetzt in Russland führt uns einmal mehr vor Augen, welch immense Bedrohungen von der Atomtechnologie ausgehen. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.08.2010, 15:09 Uhr

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