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«Ein dunkler Tag für die Uno»

Aktualisiert am 28.10.2009

Zehn Tage vor der Stichwahl ums Präsidentenamt gleicht Kabul einer Festung. Dennoch gelingt es Taliban-Kämpfern im Morgengrauen, ein Uno-Gästehaus zu stürmen – fünf Uno-Mitarbeiter sterben.

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Rettungskräfte erreichen den Ort des Anschlags.
Bild: Keystone

   

Wenig später schlagen Raketen beim Serena-Hotel in Kabul ein, dem einzigen Luxushotel des Landes. Gleichentags ist US-Aussenministerin Hillary Clinton gerade in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad gelandet. Kurz darauf reisst eine Autobombe im 150 Kilometer entfernten Peshawar Dutzende Menschen in den Tod.

Afghanistan und Pakistan scheinen unaufhaltsam ins Chaos abzugleiten. Alle Versuche der Staatengemeinschaft, das Ruder in den beiden Nachbarländern herumzureissen, haben nicht gefruchtet.

Der US-Sondergesandte für Afghanistan und Pakistan, Richard Holbrooke, gilt als glücklos. Mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karzai soll er sich schwer überworfen haben. In den vergangenen Wochen liess sich trotz der Krise, die der massive Betrug bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahl am 20. August ausgelöst hatte, nicht in Kabul blicken.

Der Uno-Sondergesandte Kai Eide sprach nach dem Tod seiner Mitarbeiter in Kabul von einem «sehr dunklen Tag für die Uno in Afghanistan».

Nie zuvor ist die Mission der Vereinten Nationen in Afghanistan (UNAMA) Ziel eines so massiven und direkten Angriffs der Taliban geworden. Für die Moslem-Rebellen haben die Vereinten Nationen ihre Neutralität jedoch schon lange verloren. In ihren Augen ist die Uno bloss Handlanger der USA.

Erst am Wochenende hatten die Aufständischen alle Ausländer und Afghanen gewarnt, ihre Mitwirkung an der «US-geführten» Wahl am 7. November werde sie zum Ziel machen. Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid sagte, die Opfer des Angriffs auf die Uno seien an der Vorbereitung der Abstimmung beteiligt gewesen.

Taiban haben Ziel erreicht

Den Taliban dürfte es mit dem Überfall auf das Uno-Gästehaus gelungen sein, der Bevölkerung klar zu machen, dass das vom Westen gestützte Regime und seine ausländischen Helfer sie nicht wirklich beschützen kann. Wer an die Urnen geht, lebt damit gefährlich.

Nach dem blutigen Anschlag auf dem Markt Peshawar wissen aber auch die Menschen im Nordwesten Pakistans, dass die extremistischen Glaubendsbrüder, die pakistanischen Taliban trotz massivem Truppen Einsatz noch lange nicht geschlagen sind.

Auch die Menschen in Pakistan können sich nicht sicher fühlen, nicht im Hotel, nicht beim Einkaufen. In Pakistan ist der Terror längst in den Metropolen angelangt, Peshawar ist dafür der jüngste Beleg.

Aufs falsche Pferd gesetzt

Nun rächt sich, dass die Armee der Atommacht die extremistischen Moslem-Gruppen jahrelang gewähren liess, um ihre Känmpfer als Handlanger im Konflikt in Kaschmir einsetzen zu können. Bis heute steht für viele Offiziere der wahre Feind nämlich nicht im Grenzgebiet zu Afghanistan, sondern im Osten: Sie sehen in Indien eine grössere Bedrohung als in den Extremisten.

Die vor knapp zwei Wochen begonnene Grossoffensive der pakistanischen Truppen gegen die Taliban mag zwar ernsthafter angelegt sein als frühere Operationen. Ob die pakistanischen Truppen mit ihrer Operation in Süd-Waziristan den Terrorismus unterdrücken können, muss sich aber erst noch zeigen. (vin/bru/sda)

Erstellt: 28.10.2009, 18:05 Uhr


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