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Die Nato rüstet sich für Grossoffensive im Süden Afghanistans
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Die geplante Nato-Militäroffensive in Afghanistan ist ein wichtiger Test für die Strategie des Bündnisses, den einheimischen Sicherheitskräften mehr Verantwortung zu übertragen, um sich selbst zurückziehen zu können. Tausende afghanische Soldaten und Polizisten stehen Gewehr bei Fuss, um gemeinsam mit Amerikanern und Briten die Taliban-Hochburg Mardschah in der Provinz Helmand einzunehmen. Bei einer der bislang grössten Offensiven in dem seit neun Jahren währenden Krieg ist ihnen eine grössere Rolle zugedacht als bei bisherigen gemeinsamen Einsätzen.
Wie viele Soldaten insgesamt teilnehmen sollen, wird geheimgehalten. Der Anteil der Afghanen soll aber weitaus grösser sein als das bislang übliche Kräfteverhältnis von einem afghanischen auf zehn US-Soldaten. Alle Beteiligten bemühen sich, den Angriff auf Mardschah als gemeinsame Operation unter afghanischer Führung darzustellen. So läuft die Offensive unter dem Schlagwort «Operation Moschtarak» - was in der afghanischen Sprache Dari «gemeinsam» bedeutet. «Sie kämpfen in diesem Krieg Seite an Seite mit uns», sagte der Kommandeur der US-Marines in Afghanistan, Brigadegeneral Larry Nicholson, über die afghanischen Soldaten.
Blick fürs entscheidende Detail
Allerdings lässt die Partnerschaft zuweilen zu wünschen übrig. So wurden vorige Woche der stellvertretende Polizeichef der Provinz Kapisa und der Verwaltungschef des Distrikts Bala Murghab verhaftet, weil sie mit den Aufständischen unter einer Decke stecken sollen. In US-Militärberichten ist davon die Rede, dass afghanische Soldaten bei einem gemeinsamen Einsatz ihre Position nicht halten konnten, die Waffen streckten und davonliefen.
Trotz alledem, vor dem Sturm auf Mardschah lautet die Parole: Partnerschaft. «Wichtig in einer Partnerschaft ist es, die Sichtweise des Partners zu respektieren. Und das geschieht auch», erklärt der afghanische General Scher Mohammed Sarzai. Nicholson findet, dass seine Marines mehr ausrichten können, wenn sie gemeinsam mit einheimischen Kräften vorgehen. Diese könnten «intuitiv Dinge erfassen, die wir nie mitkriegen würden» - die ideale Stelle für eine Bombe am Strassenrand etwa oder den Taliban-Kämpfer in der Menge.
«Dealer haben sich davongemacht»
Solche Fähigkeiten können beim Angriff auf Mardschah entscheidend sein. Mit schätzungsweise 80'000 Einwohnern ist es die grösste Stadt im Süden in der Hand der Taliban und gilt als ein Knotenpunkt ihrer Logistik und des Drogenhandels. Die geplante Offensive wurde - mit Ausnahme des Zeitpunkts - bekanntgemacht in der Hoffnung, dass der Grossteil der schätzungsweise 400 bis 1000 Taliban vorher abziehen würde. Doch gibt es nach Militärangaben kaum Anzeichen dafür, dass eine nennenswerte Zahl von Kämpfern oder auch von Zivilpersonen sich abgesetzt hätte. «Die Kriminellen, die Drogendealer, die haben sich davongemacht», sagte ein US-Offizier. «Aber die ganz Hartnäckigen, die rüsten sich zum Kampf.»
Die meisten für den Einsatz vorgesehenen afghanischen Soldaten gehören zur 3. Brigade der afghanischen Nationalarmee, die als eine der besten Einheiten gilt. Eine Kompanie hat gemeinsam mit US-Marines ein Lager in der Wüste vor Mardschah aufgeschlagen. Die Ledernacken räumen nach zwei Wochen Training ein, die Afghanen seien bessere Schützen als erwartet.
«Beim Kämpfen verdammt gut»
Über 80 Prozent der afghanischen Rekruten sind Analphabeten. Angesichts der begrenzen Möglichkeiten für junge Männer herrscht kein Mangel an Freiwilligen für die Streitkräfte, die von jetzt rund 100'000 auf 143'000 Mann Ende nächsten Jahres anwachsen sollen. Allerdings fehlt es an Ausbildern. Kürzlich beklagte sich der Vorsitzende des Streitkräfteausschusses im US-Senat, Carl Levin, dass die NATO nur 37 Prozent der Ausbilder entsandt habe, die für die achtwöchige Grundausbildung der Rekruten erforderlich wären.
Hauptmann Chuck Hayter, der Verbindungsoffizier der Marines zur afghanischen 3. Brigade, ist zuversichtlich, dass die Partner im Kampf um Mardschah etwas können - auch wenn es nicht immer den Gepflogenheiten der Marines entspricht. «Sie sind nicht so gut darin, sich an die Regeln zu halten», sagt er. «Aber was das Kämpfen betrifft, sind sie schon verdammt gut.» (sam/ddp)
Erstellt: 09.02.2010, 14:03 Uhr
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