Ausland

Der Sündenbock wurde hingerichtet

Der 77-jährige Finanzchef Nordkoreas wurde exekutiert, denn er hat die Volkswirtschaft angeblich in den Ruin getrieben. Doch eigentlich ist das Ganze nur ein Ablenkungsmanöver.

Nordkorea hat Pak Nam-gi hingerichtet, wie Südkoreas Medien melden. Dem 77-Jährigen, bis Februar Finanzchef von Nordkoreas Staatspartei, wurde vorgeworfen, er habe «absichtlich die Volkswirtschaft zu ruinieren versucht». Ohnehin sei der Sohn eines Grossgrundbesitzers ein Verräter, der Nordkoreas Wirtschaft zu sabotieren versucht habe.

Ersparnisse vernichtet

Bereits im Februar war Pak von der Arbeiterpartei als Sündenbock für die gescheiterte Währungsreform aus allen Ämtern geworfen worden. Das Regime hatte im November, angeblich um die Inflation in den Griff zu bekommen, alle bisherigen Geldscheine für ungültig erklärt. Den Umtausch in neue Scheine beschränkte es zuerst auf 100, später auf 200 Franken. Damit vernichtete es die Ersparnisse seiner Elite. Zumal es zugleich den Handel mit und den Besitz von ausländischer Währung verbot.

Noch im November hatte die Inlandpropaganda Kim Jong-un als Kopf der Währungsreform gefeiert. Der dritte Sohn von Diktator Kim Jong-il, den die Propaganda «jungen General» nennt, habe sich die genialen Schritte ausgedacht, mit denen Nordkoreas Wirtschaft angekurbelt werden könne.

Keine Währung mehr

Die Währungsreform ist katastrophal gescheitert, wie alle Experten voraussagten. Die alte Währung wurde zerstört, den Rahmen für eine neue vermochte Nordkorea nicht zu schaffen. Statt eine unzuverlässige eigene Währung hat Nordkorea nun gar keine.

Doch das Scheitern durfte nicht sein, Kim Jong-un wird zum Kronprinzen aufgebaut. Sein Name tauchte im Zusammenhang mit der Währung plötzlich nicht mehr auf. Erst recht nicht mehr, als es zu spontanen Protesten gegen die Durchsetzung des Devisenverbots kam. Der Wut des Volkes hat das Regime nun seinen getreuen Finanzchef geopfert. Damit versucht es, von Kim Jong-un abzulenken. Pak Nam-gi wurde gleichsam als Blitzableiter hingerichtet. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.03.2010, 17:29 Uhr

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