Das Duell der Kriegshelden
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Der Mann in dem schneeweissen Sarong und Hemd steht hinter dickem Panzerglas und winkt Anhängern zu, die grüne Fähnchen schwenken. Hinter Sri Lankas ehemaligem Armeechef Sarath Fonseka erhebt sich das mächtige, 1789 von holländischen Seefahrern erbaute Fort von Galle im Süden der Insel.
«Fonny», wie Fonseka in Militärkreisen genannt wird, ist zuversichtlich. Zuversichtlich, dass er morgen Dienstag bei der Präsidentenwahl seinen Rivalen, Amtsinhaber Mahinda Rajapakse, besiegen wird. Die Tamilenpartei TNA, die bis zum Ende des blutigen Bürgerkriegs im letzten Jahr im Windschatten der Befreiungstiger Tamil Eelam (LTTE) segelte, unterstützt heute den General, der die Tiger besiegt hat.
Rajapakses Wahlteam vergleicht Fonseka mit Afrikas blutrünstigem Diktator Idi Amin. Doch für die Tamilen stellt er die Hoffnung dar. «Er hat keine eigene Partei und braucht parlamentarische Unterstützung», beschreibt Abraham Sumanthiran, ein führender Tamilen-Rechtsanwalt in der Hauptstadt Colombo, den Pakt mit dem General. «Ich bin überzeugt, dass wir mit ihm als Präsident unser Ziel der politischen Autonomie schrittweise erreichen können.» Der Berater der TNA ist nach mehreren Besuchen im ehemaligen Kampfgebiet an der Ostküste Sri Lankas überzeugt: «Die Wahlbeteiligung der Tamilen wird hoch ausfallen, und sie werden für Fonseka stimmen.»
Die Tamilen im Dilemma
Die Entscheidung fällt den überwiegend hinduistischen Tamilen, die etwa ein Fünftel der Bevölkerung im überwiegend buddhistischen Sri Lanka stellen, allerdings nicht leicht. Wie der amtierende Präsident Rajapakse stammt der 59-jährige Fonseka, Sohn eines Lehrerpaars und Angehöriger der Fischerkaste Karawe, aus dem Süden, dem Zentrum des singhalesischen Nationalismus. «Wir müssen wählen zwischen Rajapakse, der die Befehle gab, und Fonseka, der sie ausführte», beschreibt die 30-jährige Gananarajab Ranitha von der Menschenrechtsorganisation Home for Human Rights das Dilemma.
Schon bei der letzten Präsidentenkür 2005 spielten die Tamilen das Zünglein an der Waage und boykottierten auf Befehl des inzwischen getöteten LTTE- Oberbefehlshabers Velupillai Prabhakaran den Urnengang.
Rajapakse, der seither ein 137-köpfiges Kabinett bildete und 400 Verwandte mit lukrativen Regierungsposten versorgte, siegte und liess Fonseka weitgehend freie Hand in einem gnadenlosen Feldzug gegen die lange als unbesiegbar geltende LTTE.
Tausend neue Versprechen
Mindestens 7000 Zivilisten starben in der Schlussphase des Krieges im vergangenen Jahr. Von rund 250 000 Tamilen, die zunächst in Internierungslagern untergebracht wurden, leben noch über 100 000 Menschen in Camps. Eine unbekannte Zahl von mutmasslichen ehemaligen LTTE-Kämpfern wird in Gefängnissen festgehalten. Laut Regierungsangaben konnten sich etwa 6000 - darunter hohe Kader der Tiger - durch Bestechung freikaufen.
In den letzten Tagen haben sich Fonseka und Präsident Rajapakse mit Versprechen an die Tamilen förmlich überschlagen. Entscheidend wird jetzt sein, wie frei der Urnengang verlaufen wird. «In Sri Lanka werden Wahlen mithilfe von Gewalt gefälscht», sagt Lal Wickrematunge, der Herausgeber der einzigen regierungskritischen Sonntagszeitung «Sunday Leader» in Colombo. «Wenn die Gegner Rajapakses aus Furcht zu Hause bleiben, wird er siegen.»
Vier Menschen starben während des Wahlkampfs bei Zusammenstössen zwischen Anhängern der beiden Lager. Vor sechs Monaten hielt Rajapakse sich nach dem Sieg über die LTTE noch für so unbesiegbar, dass er sich auf Plakaten als «König von Sri Lanka» feiern liess.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 25.01.2010, 08:14 Uhr
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