Blüht der Irak dereinst auf wie Südkorea?
Prägte massgeblich die Bush-Jahre: Paul D. Wolfowitz. (Bild: Keystone )
Lange hielt er still. Doch zum Abzug der letzten US-Kampftruppen aus dem Irak hat sich Paul D. Wolfowitz, der massgeblich die Bush-Doktrin mitgeprägt hatte, in einer Kolumne der «New York Times» noch einmal zu Wort gemeldet.
Der 67-Jährige war zwischen 2001 und 2005 Stellvertretender Verteidigungsminister. Zurzeit der Irak-Invasion entwickelte Wolfowitz die Idee, aus dem Irak einen Leuchtturm der Demokratie zu machen, der auf den ganzen Nahen Osten ausstrahlen würde. Die Mission stellte sich in den Folgejahren schwieriger heraus als gedacht. Bush komplimentierte den intellektuellen Konservativen in der Folge ins Präsidentenamt der Weltbank.
Trotz der allgemeinen Ernüchterung über die Lage im Irak und dem Abzug der US-Truppen, hat Wolfowitz seine Vision eines demokratischen Iraks bis heute nicht aufgegeben. «Unser Erfolg im Irak wird nicht dadurch definiert, was wir zurückziehen, sondern was wir zurücklassen», schreibt der 67-Jährige in einer Kolumne der «New York Times».
Der Vergleich mit dem Korea-Krieg
Mittlerweile ist sich selbst Wolfowitz bewusst, dass eine wahre Demokratie im instabilen Land am Euphrat und Tigris mittelfristig kaum zustande kommen wird. Doch zumindest müssten die Amerikaner so lange für politische Stabilität sorgen, «damit der Irak eines Tages ein Anführer von politischem und wirtschaftlichem Fortschritt im Nahen Osten werden kann».
Zum Vergleich zieht er die Jahre nach dem Krieg in Korea herbei. Damals habe es für die USA noch viel höhere Opferzahlen gegeben. Drei Monate vor der Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommens vom Juli 1953 seien 55 Prozent der Amerikaner der Meinung gewesen, dass es sich nicht gelohnt habe, im Koreakrieg zu kämpfen.
Noch heute in Korea präsent
Eisenhower gewann 1952, genau wie Obama, die Präsidentschaft mit dem Versprechen, den Krieg zu beenden. «Trotzdem sind wir nach dem Krieg nicht aus Südkorea abgezogen», hält Wolfowitz fest. Noch heute unterhalten die USA fast 30'000 Soldaten auf der koreanischen Halbinsel. Auch damals sei es um die Stabilität einer ganzen Region gegangen. «Südkorea zu verlassen, hätte bedeutet, all das Gewonnene aufzugeben.»
Wolfowitz mahnt daher, geduldig zu bleiben. Dafür nimmt er auch den zeitweiligen Verlust der Demokratie in Kauf. Denn auch Südkorea sei bis Mitte der 1980er-Jahre unter den Fittichen wechselnder Militärdiktaturen gewesen. «Heute ist Südkorea eine wirtschaftliche Erfolgsgeschichte. Und seit 1987 auch eine politische», schreibt Wolfowitz weiter.
Die Interessen der USA
Im Vergleich dazu stehe der Irak gar noch besser da. «Trotz all der Unvollkommenheiten, der Irak ist heute demokratischer als Südkorea am Ende des Krieges und demokratischer als alle anderen arabischen Staaten, der Libanon ausgeschlossen.» Aus diesem Grund dürfe der Einsatz für den Irak kein abruptes Ende nehmen.
Wie er sich dies vorstellt, führt er auch gleich aus. Es brauche einerseits eine politische Unterstützung, um die Pattsituation in der Regierung zu lösen. Doch Wolfowitz fordert vor allem eine anhaltende militärische Präsenz. «Den Irak bis Ende des nächsten Jahres vollständig zu verlassen, würde die Interessen der USA im Nahen Osten nachhaltig schädigen.» Eine längerfristige Präsenz sei der beste Weg, um das Erreichte zu sichern.
Es stellt sich dabei die Frage, inwiefern der Irak das Gedankenspiel des ehemaligen Ministers mitmachen will. Bereits George W. Bush fehlte es vor dem Irak-Krieg nicht an historischen Beispielen. So hob er unablässig die erfolgreiche Demokratisierung Deutschlands und Japans hervor. Heute ist davon keine Rede mehr. (jak)
Erstellt: 31.08.2010, 17:44 Uhr
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