Trump hat Autobauer im Würgegriff

US-Autobauer und ausländische Wettbewerber wie Daimler geben dem Druck des künftigen US-Präsidenten nach. Sie kündigen Milliardeninvestitionen in den USA an. Sie fordern aber auch, dass Trump staatliche Regulierungen abbaut.

Autoindustrie im Würgegriff: Der künftige US-Präsident Trump droht Konzernen mit drastischen Folgen, falls sie nicht in den USA produzieren.

Autoindustrie im Würgegriff: Der künftige US-Präsident Trump droht Konzernen mit drastischen Folgen, falls sie nicht in den USA produzieren. Bild: Keystone

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Die North American International Auto Show in Detroit läuft seit Sonntag. Doch in diesem Jahr stehen nicht primär neue Fahrzeugmodelle im Blickpunkt. Thema Nummer eins unter den versammelten Bossen der amerikanischen und der internationalen Autoindustrie ist der künftige US-Präsident Donald Trump und sein offener Druck auf die Branche.

US-Firmen sollen in den USA bauen, was in den USA verkauft wird. Wer Produktion nach Mexiko oder in andere Länder auslagert, soll bestraft werden.

Fiat Chrysler will investieren

«General Motors schickt das in Mexiko gebaute Modell des Chevy Cruze zollfrei über die Grenze zu Händlern in den USA. Baut in den USA, oder bezahlt hohe Grenzzölle», twitterte Donald Trump am 3. Januar und drohte mit Einfuhrzöllen von 35 Prozent. General Motors (GM) beeilte sich zu versichern, dass die in Mexiko gebauten Autos nicht für die USA bestimmt seien.

Die Branche knickt vor solchen starken Worten offensichtlich ein. Der Chef von Fiat Chrysler, Sergio Marchionne, sagte in De­troit, sein Unternehmen werde 1 Milliarde Dollar (1,02 Milliarden Franken) in den Vereinigten Staaten investieren und dabei 2000 neue Arbeitsplätze schaffen.

Die USA blieben aus Sicht des in der Autokrise 2009 aus einer Fusion der italienischen Fiat und des bankrotten amerikanischen Chrysler-Konzerns hervorgegangenen Unternehmens «globales Industriezentrum». Dort wolle man investieren.

«Baut in den USA, oder bezahlt hohe Grenzzölle.»Donald Trump

Ford und Toyota ziehen nach

Fiat Chrysler will Fabriken in Michigan und Ohio modernisieren, um dort die immer beliebteren SUV – die Geländelimousinen – sowie Trucks zu bauen, die ebenfalls zu Verkaufsschlagern werdenden Kleinlaster.

Die Produktion dieser beliebten Fahrzeuge könnte es Marchionne ermöglichen, sein Ziel zu erreichen und beim geplanten Ausscheiden im kommenden Jahr den Konzern schuldenfrei zu übergeben. Derzeit hat Fiat Chrysler noch 5,29 Milliarden Dollar Schulden.

Sowohl in den USA als auch im Ausland seien die stark motorisierten Trucks gefragt, ebenso wie die Modellreihe des Jeep, sagte Marchionne. Mit der Modernisierung der amerikanischen Fa­briken wolle man diese in- und ausländische Nachfrage befrie­digen.

Ford teilte am selben Tag mit, dass es seine Pläne zum Bau einer 1,6 Milliarden Dollar teuren Fa­brik in Mexiko zurücknehme und stattdessen 700 Millionen Dollar in eine Fabrik in Michigan stecken werde. Ein Teil der Produktion werde allerdings in die mexikanischen Ford-Werke verlagert.

Trump reagierte umgehend: «Thank you, Ford and Fiat», twitterte der künftige US-Präsident, der nicht nur US-Herstellern droht. Am Freitag hatte er den japanischen Toyota-Konzern frontal angegriffen. Er drohte mit ­hohen Importzöllen für Toyota-Fahrzeuge, die bisher in den USA hergestellt wurden und nun in Mexiko auch für den US-Markt gebaut werden sollen.

Toyota will in den nächsten fünf Jahren total rund 10 Milliarden Dollar in den USA investieren. Das kündigte der für das Nordamerika-Geschäft zuständige Manager Jim Lentz gestern in einem Reuters-Interview an. Auch Daimler will sich nicht mit Trump anlegen: CEO Dieter Zetsche sagte am Sonntag in Detroit, das deutsche Unternehmen werde 1,3 Millionen Dollar in die Erweiterung seiner SUV-Fabrik in Alabama investieren.

Und der Nordamerika-Chef von Volkswagen, Hinrich Woebcken, verwies auf geplante Investitionen von 7 Milliarden Dollar in den Vereinigten Staaten und betonte, VW haben keine Pläne, Arbeitsplätze nach Mexiko zu verlagern.

Weniger Auflagen gefordert

Die Autohersteller stellen aber auch ihre Gegenforderungen. Sie wollen weniger Auflagen und geringere Steuern, die aus ihrer Sicht die Produktion behindern und viele Entscheidungen zur Verlagerungen in das wirtschaftsfreundlichere Mexiko bestimmt haben. Dort sind die ­Steuern niedriger und Umweltauflagen weniger streng.

GM-Chefin Mary Barra, die zum Beraterstab von Trump gehört, sieht keine Probleme, den Forderungen des künftigen US-Präsidenten gerecht zu werden: «Wir haben mehr Gemeinsames als Trennendes», sagte sie. (John Dyer; Boston/sda/ddt)

Erstellt: 10.01.2017, 09:06 Uhr

Grossbritannien

Auch in Grossbritannien wollen vom Dieselskandal betroffene Autobesitzer Schadenersatz von Volkswagen. Die Kanzlei Harcus Sinclair teilte mit, sie habe eine Sammelklage vor dem Obersten Gerichtshof eingereicht.

Es handle sich um die erste derartige Klage in Grossbritannien. In Deutschland hatte der Rechtsdienstleister My Right beim Landgericht Braunschweig eine ähnliche Klage eingereicht, die laut den Anwälten als «Musterklage» dienen soll. sda

FBI nimmt VW-Manager fest

Im VW-Dieselskandal hat die US-Bundespolizei FBI gemäss «New York Times» einen Manager des Autokonzerns in den USA festgenommen. Er sei am Samstag in Florida verhaftet worden, berichtete die Zeitung unter Berufung auf zwei anonyme Quellen. In Klagen der Bundesstaaten New York und Massachusetts heisst es demnach, der Manager habe eine «Schlüsselrolle» bei den Bemühungen gespielt, die Softwaremanipulationen in Dieselautos vor den Behörden zu verbergen.

Der festgenommene Manager war laut «New York Times» von 2014 bis März 2015 für die Umsetzung staatlicher Vorschriften in den USA zuständig. Volkswagen in Wolfsburg erklärte bloss, der Konzern arbeite «weiterhin mit dem US-Justizministerium zusammen», um ausstehende Angelegenheiten in den USA zu klären.

VW steht ebenfalls nach «New York Times» kurz vor ei­nem Milliardenvergleich mit dem US-Justizministerium. In mehreren Zivilverfahren in den USA hat Volkswagen bereits Entschädigungssummen ausgehandelt.

Der Wolfsburger Konzern musste insgesamt 14,7 Milliarden Dollar zahlen, um 480 000 Besitzern von Wagen mit 2-Liter-Dieselmotoren ihre Autos zurückzukaufen oder sie umzurüsten. In einem weiteren Zivilverfahren handelte VW einen Vergleich mit den Besitzern von rund 80 000 Dieselautos mit 3-Liter-Motoren im Umfang von 1 Milliarde Dollar aus. sda

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