Schweizer will Trumps Twitterkonto lahmlegen

Er hat schon eine Kampagne von Economiesuisse versenkt. Jetzt knöpft sich Kampagnenstratege Andreas Freimüller die Tweets des US-Präsidenten vor.

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34'474 Tweets hat Donald Trump bereits gesendet. Darin wettert der US-Präsident häufig gegen Richter und Medien. Der Zürcher Kampagnenstratege Andreas Freimüller will dem ein Riegel schieben. Er startet heute eine Online-Aktion mit dem Ziel, Trumps Twitter-Account lahmzulegen.

Freimüllers Timing ist gut: Letzte Woche gab Twitter bekannt, stärker gegen Hassbotschaften vorgehen zu wollen. «Jetzt geht es darum, Worten Taten folgen zu lassen», sagt Freimüller in der «Sonntagszeitung». Twitter-CEO Jack Dorsey solle jetzt beweisen, dass er wirklich etwas unternehme.

Shitstorm gegen Economiesuisse

Freimüller ruft mit seiner Organisation Campax Nutzer auf, Donald Trump auf Twitter zu melden und eine E-Mail an Dorsey zu schicken: «Möglichst viele Leute sollen ihn bitten, Trump zum Wohl aller Menschen aus Twitter auszuschliessen.»

Wenn Trump Mexikaner als «bad hombres» oder Muslime als Terroristen bezeichne, seien das Hassbotschaften, sagt Freimüller. «Twitter muss jetzt prüfen, ob Trump sich regelkonform verhält, und diese Entscheidung transparent machen.»

Erfolgreiche Kampagne gegen Economiesuisse

Heute startet Freimüller seine Aktion. In Englisch, Französisch und Deutsch ruft er dazu auf, Trump auf Twitter als Verbreiter von Hassbotschaften zu melden und eine E-Mail an Jack Dorsey zu schicken: «Möglichst viele Leute sollen ihn bitten, Trump zum Wohl aller Menschen aus Twitter auszuschliessen», sagt er in der «Sonntagszeitung». Freimüller hat vor zwei Wochen schon eine Petition gegen Trump lanciert.

Der 47-Jährige engagierte sich früher für Greenpeace und entwickelt heute Strategien für verschiedene Kampagnen. 2011 setzte sich der Wirtschaftsverband Economiesuisse mit der Unterstützung von 200 Unternehmen gegen die Verschärfung des CO2-Gesetzes ein. Unter ihnen war auch der Kleiderhersteller Mammut. Freimüller startete einen Shitstorm gegen Mammut, worauf sich die Firma von der Kampagne distanzierte. Economiesuisse nahm diese wenig später vom Netz.

Gegner auf indirektem Weg in die Knie zwingen

Freimüller lehnt sich mit seiner Trump-Aktion an den Mammut-Fall an. Auch damals sei ihr Gegner zu mächtig gewesen, um eine Kampagne gegen ihn direkt zu lancieren. Deshalb greife er ein Ziel an, das fassbar sei und den Empfänger schmerze: «Ich kann noch lange gegen Trump lästern, doch seinen Twitter-Account lahmzulegen, hat wirklich einen Effekt», sagt er in der «Sonntagszeitung».

Dass die Aktion Erfolg haben könnte, zeigt das Beispiel des Uber-Chefs. Nachdem Travis Kalanick angekündigt hatte, mit Trump zu kooperieren, löschten 200 000 Nutzer aus Protest ihre Uber-App. Kalanick trat wieder aus Trumps Beratergremium aus. Twitter-CEO Dorsey hat sich bisher nicht klar zu Trump geäussert. «Es ist kompliziert», sagte er dazu. Er sei stolz, welche Rolle sein Dienst inzwischen einnehme. Auf die Anfrage zu Freimüllers Aktion hat Twitter nicht reagiert.

(chi)

Erstellt: 12.02.2017, 06:59 Uhr

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