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«Zuerst Lincoln, dann Kennedy, jetzt Obama»

Aktualisiert am 10.08.2009

Militante Rassisten und paramilitärische Milizen haben es auf Barack Obama abgesehen. Jeden Tag erhält er 30 Todesdrohungen – vier Mal so viel wie Ex-Präsident George W. Bush.

Vereint im Hass gegen den schwarzen Präsidenten: Ku-Klux-Klan-Mitglieder.

Vereint im Hass gegen den schwarzen Präsidenten: Ku-Klux-Klan-Mitglieder.
Bild: Keystone

«Ich werde den Präsidenten der USA umbringen. Sie haben 48 Stunden, mich davon abzuhalten». Dies ist Obamas Sicherheitsleuten gerade noch einmal gelungen: Der 21 Jahre alte Timothy Ryan Gutierrez, der dieses E-Mail am 12. Januar dem Weissen Haus zusandte, wurde gefasst und zu einer vierjährigen bedingten Gefängnisstrafe verurteilt – davon muss er 10 Monate in Hausarrest verbringen. Gutierrez ist mit seinem Hass auf Obama nicht alleine. Der US-Präsident erhält täglich 30 Todesdrohungen, das sind vier Mal so viel wie Ex-Präsident George W. Bush.

Obama-Hasser in ländlichen Regionen

Die Sicherheitsdienste und das FBI sind besorgt. Sie befürchten, dass es nicht bei Drohungen bleibt und Obama Opfer eines Attentats werden könnte. Einziger Trost: Noch nie waren die extremistischen Organisationen so gut überwacht, wie heute. «Die Verfasser der Drohbriefe sind Aussenseiter aus den ländlichen Bundesstaaten. Sie hassen den Präsidenten, weil er schwarz, ein Demokrat, ein Intellektueller und ein Kosmopolit ist», sagt der US-Politologe Daniel Warner in der Westschweizer Zeitung «Le Matin». Obama verkörpere alles, was das ländliche Amerika ablehne.

Romain Huret, Geschichtsprofessor am Institut für politische Studien in Paris, teilt die Obama-Hasser in drei Kategorien auf: «Diese Gruppen bilden eine politische Sub-Kultur, die sehr marginal, aber beunruhigend ist»:

  • Weisse Rassisten: «Die Attacken gegen Obama werden oft von rassistischen Splittergruppen geritten, die sich auf den Ku-Klux-Klan berufen», sagt Huret. Insgesamt 4000 bis 5000 Personen umfasst der rassistische Geheimbund, der sich damit brüstet, seit der Wahl Obamas Tausende neuer Anhänger rekrutiert zu haben. Dabei wird das Durchschnittalter immer tiefer: «Gewisse Gruppen haben das Mindestalter auf 10 Jahre gesenkt», sagt Farid Ameur, Autor eines Buchs über den Klan.
  • Militante Ultrakonservative: Auf lokaler Ebene agiert eine Vielzahl von ultrakonservativen Organisationen. «Diese haben einige Dutzend oder Hundert Mitglieder, die ein Kernthema verbindet: Das Recht, Waffen zu tragen, oder das Abtreibungsverbot», sagt Huret. Unter den Mitgliedern sind viele pensionierte Militärs. Meist beschränken sich die Gruppen darauf, Petitionen einzureichen, einige wenden jedoch auch Gewalt an.
  • Paramilitärische Milizen: «Die Morde an Kennedy und Martin Luther King standen in direktem Zusammenhang mit paramilitärischen Milizen», sagt Huret. Auch heute sind diese noch aktiv und bilden ein Sammelbecken für Veteranen aus dem Irakkrieg. «Dies sind junge Leute, die Mühe haben, in die krisengeschüttelten USA zurückzukehren.» Sie sind der Regierung gegenüber feindlich eingestellt und verteidigen ihr Recht auf Selbstverteidigung. Oftmals kann man diese Extremisten auf Waffenmessen antreffen. Dort zirkulieren laut Huret inzwischen Kleber mit der Aufschrift: «Zuerst Lincoln, dann Kennedy, jetzt Obama.»
(cha)

Erstellt: 10.08.2009, 13:12 Uhr

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