Ausland

  • Region
  • Schweiz
  • Ausland
  • Wirtschaft
  • Börse
  • Sport
  • Kultur
  • Panorama
  • Leben
  • Auto
  • Digital
  • Blogs
  • Forum

Wer hat Angst vor Obamas Pressesprecher?

Aktualisiert am 03.01.2012 9 Kommentare

Persönliche Angriffe, primitive E-Mails und Schelten übers Telefon: Barack Obamas Pressechef ist unter Journalisten gefürchtet. Obwohl schon Aussprachen nötig waren, ist sich Jay Carney keiner Schuld bewusst.

Unter den Presseleuten gefürchtet: Jay Carney während einer Pressekonferenz im Weissen Haus.

Unter den Presseleuten gefürchtet: Jay Carney während einer Pressekonferenz im Weissen Haus.
Bild: Keystone

Links

Bildstrecke

Barack Obama auf Wahlkampftournee

Barack Obama auf Wahlkampftournee
Für seinen gestrigen Wahlkampf wählte Barack Obama eine symbolträchtige US-Kleinstadt.

Artikel zum Thema

Stichworte

Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

Wer in den USA als Journalist über Politik berichtet, und dann noch aus Washington, weiss, wie man mit harten Bandagen kämpft. Zumindest würde man es meinen. Einer Reihe von Mitgliedern der schreibenden Zunft ist der Umgangston im politischen Epizentrum des Landes offenbar doch etwas zu rau.

Der Grund dafür, dass selbst abgehärtete Politjournalisten weiche Knie kriegen, heisst Jay Carney und ist seines Zeichens Pressesprecher von US-Präsident Barack Obama. Wie die «Washington Post» berichtet, hat Carneys bisweilen ungehobelter Umgangston unter amerikanischen Washington-Korrespondenten schon gehörig für Missmut gesorgt. Die gepfefferten E-Mails und Telefonanrufe, welche folgen, sobald ihm ein Detail der Berichterstattung nicht gefällt, hatten Ende Jahr sogar eine Aussprache zwischen Carney und der Vereinigung der Korrespondenten zur Folge.

«Parteiisch, aufrührerisch und tendenziös»

Jay Carney ist seit Februar 2011 Presseverantwortlicher von Barack Obama. Damals übernahm er das Amt von Robert Gibbs, welcher unter den Journalisten als unnahbar und abgehoben galt. Dementsprechend gross waren die Hoffnungen in den ehemaligen Journalisten Carney, der mit dem alltäglichen Druck der Berichterstattung aus dem Weissen Haus vertraut ist. Stattdessen hat sich das Verhältnis zwischen den Reportern und der Pressestelle des US-Präsidenten noch weiter abgekühlt. Viele Journalisten beklagen sich über den aggressiven Ton und die harschen Zurechtweisungen, die vonseiten Carney zu hören sind, kaum ist ein Fehler passiert oder eine Nuance nicht nach seinem Geschmack.

«Die schiessen zuerst und stellen die Fragen danach», sagt Julie Mason gegenüber der «Washington Post» über das Presseteam um Jay Carney. Die Journalistin, welche schon seit einigen Jahren für verschiedene Blätter aus dem Weissen Haus berichtet, musste sich bereits so manches gefallen lassen. In einem der E-Mails, welche die Reporter unter sich mittlerweile als «nastygrams» bezeichnen, bezeichnete Carney eine ihrer Geschichten als «parteiisch, aufrührerisch und tendenziös». Ihr Auftritt in einer Diskussionssendung wurde per E-Mail mit der Animation eines weinenden Pantomimen quittiert; Carney bezeichnete sie gewissermassen als Heulsuse.

Schelte übers Telefon

Nicht minder unsanft wurde der Journalist Carl Cannon von Obamas Presseteam angefasst. Nach einer kritischen Berichterstattung über Barack Obamas umstrittene Wahlkampfveranstaltung im Weissen Haus erhielt Cannon gleich einen persönlichen Anruf von Carneys Stellvertreter. «Der hat eine gellende und primitive Hetzrede losgelassen, die etwa drei Anrufe lang dauerte.»

Carneys Umgang mit den Pressevertretern hat solche Formen angenommen, dass die Vereinigung der Korrespondenten im Weissen Haus im November 2011 eine Aussprache in Carneys Büro verlangte. Der Pressesprecher selber ist sich laut «The Independent» aber trotz allem keiner Schuld bewusst. Er und seine Mitarbeiter würden professionell arbeiten, liess Jay Carney verlauten. Zudem basiere die Kritik, welche an ihn getragen wurde, auf wenigen dünnen Anschuldigungen.

Tatsächlich gibt es auch ein paar Stimmen, die von Problemen mit Jay Carney nichts wissen wollen. Man brauche nun einmal eine dicke Haut in diesem Business, hört man etwa. Andere meinen, der Umgang sei eine Frage der Gewohnheit. «Politico»-Schreiber Glenn Thrush kommentiert die Angelegenheit gegenüber der «Washington Post» salopp: «Ich komme aus dem Umfeld von New Yorks Revolverblättern. Da wurden die Stimmen hie und da auch etwas lauter». (kpn)

Erstellt: 03.01.2012, 15:57 Uhr

9

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

9 Kommentare

Manuel Schaub

03.01.2012, 18:24 Uhr
Melden 23 Empfehlung 1

Wenn eine Journalistin ein Mail mit einer Weinenden Pantomimin nicht erträgt, sollte sie vielleicht den Beruf wechseln. Ein primitives Mail kommt ganz anders daher. Und wenn jeder Redakteur bei der Kritik, Er oder Sie schreibe tendentiös gleich losheulen würde, wäre jede Redaktion ein Top-Abnehmer der Nastuchhersteller. Antworten


Andres Müller

04.01.2012, 00:14 Uhr
Melden 11 Empfehlung 0

Nun, der Friedensnbelpreisträger Obama hat ja nun ein Gesetz unterschrieben (National Defense Authorization Act ) wo das Militär jederzeit unliebsame Journalisten ohne Verteidiger und Gerichtsverfahren auf nimmerwiedersehen verschwinden lassen kann. Es braucht nicht mal eine Anklage, nur den Rülpser eines Typen wie Fred Carney. Antworten



Ausland

Populär auf Facebook Privatsphäre

Umfrage

Stehen Sie auf Jazz?




Erster Weltkrieg: Berner Lebenswelten von 1914 - 1918

@BernerZeitung auf Twitter