Warum Sarah Palin gute Chancen hat, Präsidentin zu werden

Von Phlipp Löpfe. Aktualisiert am 16.11.2009 34 Kommentare

Die gescheiterte Gouverneurin von Alaska lanciert mit ihrer Autobiographie ihre längste Wahlkampagne. Denn sie will 2012 Präsidentin werden – ein Vorhaben mit guten Chancen.

Im Volk durchaus beliebt: Als Gouverneurin von Alaska gab sie einmal im Jahr Hot Dogs aus.

Im Volk durchaus beliebt: Als Gouverneurin von Alaska gab sie einmal im Jahr Hot Dogs aus.
Bild: Reuters

Karl Rove, das «Gehirn» von Ex-Präsident George W. Bush, kommentiert im «Wall Street Journal» regelmässig die aktuelle amerikanische Politik. Sein jüngster Beitrag lässt sich wie folgt zusammenfassen: Barack Obama wird als Linker wahrgenommen, die unabhängigen Wähler lassen ihn fallen, das Blatt wendet sich. Sarah Palin wird das mit Wohlwollen gelesen haben. Die gescheitere Vize-Präsidentin lanciert diese Woche nämlich ihren zweiten Anlauf im Kampf um das Weisse Haus. Sie veröffentlicht ihre Autobiographie.

«Going Rogue» lautet der Titel des Buches, auf deutsch etwa «Ausbrechen». Zumindest kommerziell ist es bereits jetzt ein Erfolg. Der Verlag hat einen Vorschuss von fünf Millionen Dollar bezahlt, das Buch wird in allen wichtigen Zeitungen besprochen und Palin ist Gast bei Oprah Winfrey, der bedeutendsten Talkmasterin der USA. Die Frau ist Kult. Weshalb?

Feministin und devote Ehefrau

Palin ist ein wandelnder Widerspruch: Sie ist auf ihre Art eine aufmüpfige Feministin, die sich mit den traditionellen Männerseilschaften anlegt. Sie ist gleichzeitig aber auch die devote Ehefrau, die sich ihrem Mann unterordnet. Dieser Mann, ein einfacher Joe Sixpack, widmet sich dem Haushalt und den Kindern, während sie Karriere macht. Das wiederum hindert Palin keine Sekunde daran, immer wieder die Mutterkarte auszuspielen. Es gebe kein besseres Training für die Politik als Mutter zu sein, betont sie immer wieder.

Auf den ersten Blick scheint diese Widersprüchlichkeit Palin zur leichten Beute für ihre Gegner zu machen. Ein verunglücktes TV-Interview, Berichte über Kleider für 150'000 Dollar und eine bösartige Abrechnung eines Teenagers, der ihrer Tochter geschwängert hatte – die Frau schien erledigt. Doch so einfach ist das nicht: Den Wählerinnen ist ihre Widersprüchlichkeit egal. Sie sehen sie als Opfer der elitären, linken Presse. Wurde nicht auch Ronald Reagan zunächst als Provinztrottel verlacht? Zudem hat Palin sehr kluge Berater, erwähnter Karl Rove beispielsweise, oder William Kristol, Chefredaktor des «Weekly Standard» und Vordenker der Neokonservativen.

Frau mit Star-Qualitäten

Sarah Palin ist derzeit die einzige Republikanerin, die über Star-Qualitäten verfügt. Sie hat deshalb gute Chancen im Machtkampf, der derzeit in der Partei tobt. Die gemässigten Republikaner möchten nach dem Vorbild der britischen Konservativen oder der deutschen CDU wieder in die Mitte rücken. Der Ultraliberalismus, die Tea-Partys und die Hysterie um die Gesundheitsreform sind ihnen peinlich. «Manchmal scheint es, als ob die republikanische Partei verrückt geworden sei», seufzt etwa David Brooks, Kolumnist der «New York Times» und einst bekennender Neokonservativer.

Doch die gemässigten Republikaner sind derzeit am Verlieren. Am Drücker sind Radio- und TV-Kommentatoren wie Rush Limbaugh oder Glenn Beck. Sie sehen die USA bereits in den Klauen des Sozialismus, beschwören jeden Tag den Untergang des Abendlandes herbei und vergleichen Barack Obama mit Hitler und Stalin. Für diese ultrakonservativen Hitzköpfe sind selbst Politiker wie Newt Gingerich, der einst die neoliberale Revolte im Jahr 1994 angeführt hatte, inzwischen Linksabweichler und Weicheier. Sarah Palin ist für sie die neue Hoffnungsträgerin.

Dann wird alles möglich Angenommen, die Konjunkturprogramme wirken nicht oder zu wenig. In den USA bleibt die Arbeitslosigkeit über zehn Prozent, ja sie steigt gar noch. Der Dollar wird noch schwächer, die Inflation steigt. Völlig ausgeschlossen ist das alles nicht. Sollte dieses Szenario eintreffen, dann wird alles möglich, auch Sarah Palin als nächste Präsidentin der USA. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.11.2009, 12:12 Uhr

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34 Kommentare

Stefan Meier

16.11.2009, 12:30 Uhr
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Jaja... Palin, die Russlandexpertin (weil man Russland über die Beringstrasse in der Ferne erahnen kann bei gutem Wetter). Solch haarsträubenden Bullshit lässt man nicht ungestraft vom Stapel. Und sogar Amerikaner wollen wissen, wie Palin der Jobkrise zu begegnen denkt, bevor sie sie wählen. Einfach zu sagen, sie kriege das dann schon hin, wenn sie erst mal gewählt sein, wird nicht klappen. Antworten


Markus Henny

16.11.2009, 12:34 Uhr
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Warum Sarah Palin gute Chancen hat, Präsidentin zu werden. Völlig ausgeschlossen ist das alles nicht. ==> Was gilt denn nun ??? Dazu kommt noch, dass bei den Republikanern die Frauen etwa gleich viel Einfluss haben, wie bei den Taliban. Antworten



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