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Wandelnde Apotheken mit Hightechwaffen

Von Martin Kilian, Washington. Aktualisiert am 21.05.2009

Die US-Army steht vor einem neuen Problem: Tausende ihrer Soldaten nehmen rezeptpflichtige Antidepressiva ein und sind dennoch im Einsatz. Der psychische Zustand eines grossen Teils der Armee ist erschreckend schlecht.

Tausende nehmen Medikamente: US-Soldaten im Irak.

Tausende nehmen Medikamente: US-Soldaten im Irak.
Bild: Keystone

Sie fahren Schützenpanzer und schwere Lastwagen, feuern Maschinengewehre und Mörser – und sind wandelnde Apotheken, vollgestopft mit Antidrepressiva und Schlafmitteln, starken Schmerztabletten und Medikamenten gegen Angstzustände. Laut der amerikanischen Zeitschrift «Men’s Health» ist die Vergabe verschreibungspflichtiger Medikamente an US-Soldaten seit dem Beginn der Kriege im Irak und in Afghanistan stark angestiegen: Etwa zwölf Prozent der Soldaten im Irak und 15 Prozent der GIs in Afghanistan nehmen die Medikamente ein, auch greifen viele Soldaten ausserdem zu Alkohol, um ihre angeschlagenen Nerven zu beruhigen.

«Tausende von amerikanischen Soldaten, bewaffnet mit den neuesten Kriegstechnologien, nehmen verschreibungspflichtige Medikamente ein, die laut der amerikanischen Luftfahrtbehörde FAA zu gefährlich für Piloten sind», schreibt die Zeitschrift. Die Medikamente, darunter Prozac und Zoloft gegen Depressionen sowie Klonopin gegen Angstzustände, beeinträchtigen das Urteilsvermögen und können einschläfernd wirken. Nach dem Vietnamkrieg war der Einsatz von medikamentös behandelten Soldaten vermieden worden, doch stellte das Pentagon 2006 fest, es gebe «nur wenige Medikamente, die einem Einsatz im Wege stehen».

30 Prozent erwägten Selbstmord

Laut «Men’s Health» setzen Militärärzte bei der Behandlung psychisch kranker Soldaten vor allem auf Antidepressiva und Schlafmittel, doch werden auch Psychopharmaka verschrieben. In einem Beitrag in der Fachzeitschrift «Military Medicine» heisst es, dass rund 30 Prozent von 425 untersuchten US-Soldaten in Tikrit im Irak in der Woche vor ihrer Untersuchung Selbstmord erwogen hatten. 16 Prozent dachten darüber nach, einen Vorgesetzten oder Kameraden zu ermorden.

Die Rekordzahl von Selbstmorden bei Angehörigen der Streitkräfte könnte nach Ansicht von Ärzten eine Folge der Antidepressiva sein. Die Hersteller von Prozac und Zoloft warnen wegen erhöhter Selbstmordgefahr vor der Verschreibung an Patienten unter 24 Jahren. Viele US-Soldaten sind indes jünger. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.05.2009, 10:20 Uhr

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