«Vielleicht ist sein grosses Ego mit ihm durchgegangen»
Interview: Marc Brupbacher. Aktualisiert am 25.06.2010 3 Kommentare
Lästerte über das Obama-Team: Stanley McChrystal. (Bild: Keystone )
Für den «Tages-Anzeiger» in den USA: Martin Kilian.
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Ein General und kühler Militärstratege lästert über seine Regierung und lässt einen Reporter alles mitschreiben. Was muss da in Stanley McChrystals Kopf vorgegangen sein?
Das ist mir auch ein vollkommenes Rätsel – darüber spekuliert hier ganz Washington. Dass ein Vier-Sterne-General in einem militärkritischen Musikmagazin, dem «Rolling Stone», über die eigene Regierung schimpft, erstaunt doch sehr. Vielleicht ist da sein grosses Ego mit ihm durchgegangen. Sicherlich war es auch ein gigantischer Fehler seines PR-Beraters, der ja seinen Hut bereits vor zwei Tagen nehmen musste.
Dass die Reportage ausgerechnet im «Rolling Stone» erschien, überrascht hier in Europa viele. In den USA weiss man, dass das Musikmagazin eine grosse Tradition in der politischen Berichterstattung hat.
Hunter S. Thompson hat mit seinen exzentrischen Polit-Reportagen das Magazin in den 60er-Jahren geprägt. Aber auch heute glänzt der «Rolling Stone» mit grossartigen Berichten, vor einigen Wochen zum Beispiel mit einer Reportage zur Ölpest im Golf von Mexiko.
Was bedeutet Stanley McChrystals Abgang für die Afghanistan-Politik?
Die Stossrichtung wird sich dadurch nicht verändern. General David Petraeus wird die Strategie weiterführen, die er ja auch zusammen mit McChrystal entworfen hat. Die Devise lautet, vorwiegend die Zivilisten zu schützen und deren Vertrauen zu gewinnen. Petraeus ist aber viel politischer als sein Vorgänger. Er wird, wie er das schon im Irak mit den extremistischen Kräften getan hat, auch mit den Taliban viel stärker verhandeln und sie versuchen, auf seine Seite zu ziehen.
Wie sehr schadet die ganze Affäre US-Präsident Barack Obama?
Im Gegenteil: Er wird wohl gestärkt aus dieser Episode hervorgehen. Die ganze Affäre hat er innerhalb von sehr kurzer Zeit gelöst und mit dem Rauswurf seines Generals Stärke demonstriert. Ausserdem hat er auch gleich einen fähigen und weit herum anerkannten Nachfolger präsentieren können. Obama wird ja oft nachgesagt, er sei ein Zauderer. Diesmal kann man ihm das aber nicht vorwerfen.
Von Petraeus vermutet man, dass er noch mehr Truppen für Afghanistan fordern wird. Obama möchte aber schon nächstes Jahr mit dem Abzug beginnen. Wie passt das zusammen?
Obama wollte eigentlich die ersten Truppen in Afghanistan im Juli 2011 abziehen. Dazu wird es nicht kommen, da sind sich in Washington viele Kommentatoren einig. Und nun mit Petraeus schon gar nicht, der hat schon vorher immer an dem festgelegten Zeitplan gezweifelt. Dieser Krieg kommt so schnell zu keinem Ende. Das dürfte den Präsidenten politisch weiter in Bedrängnis bringen.
Barack Obama läuft es im Moment gar nicht. Ein Ärgernis jagt das nächste. Sein Umfragewerte fallen weiter. Was ist los mit dem Obama-Team?
Es ist sicherlich viel Pech dabei. Die Explosion der «Deepwater Horizon» kann man ihm ja nicht vorwerfen. Seine Umfragewerte sind zwar schlecht, aber für einen Präsidenten im zweiten Amtsjahr eigentlich ganz okay. Es ist ein Grundproblem bei allen Präsidenten: Die erhöhten Erwartungen können nie erfüllt werden. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 24.06.2010, 19:51 Uhr
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3 Kommentare
Endlich einer der Klartext redet. Diejenigen Politiker, die diesen Krieg angezettelt haben, verfolgen andere Interessen = Rohstoffe in unbegrenzter Menge! Die Soldaten lediglich Kanonenfutter für die sogenannte Freiheit der USA. Solange dort Geld gesprochen wird, ist diese Maschinerie nicht aufzuhalten, unter dem Kürzel: Stoppt die El Kaida. Die Geschichte wird eines Tages McChrystal recht geben Antworten
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