Uno startet Luftbrücke in Haiti
Artikel zum Thema
- «Spenden ist für viele Leute ein Ventil»
- Schweiz schickt drittes Flugzeug – bereits vier Millionen gesammelt
- Unzählige Hände, Arme und Beine im Freien amputiert
- Haitis Erdbebenkinder sind begehrt
- Cholera forderte in Haiti schon 7000 Tote
- Studie: UNO-Soldaten haben die Cholera eingeschleppt
- US-Bericht spricht von fünfmal weniger Opfern beim Erdbeben in Haiti
Stichworte
Das Uno-Welternährungsprogramm (WFP) hat nach eigenen Angaben bereits 250'000 Nahrungsrationen verteilt. Ein Flugzeug mit 43 Tonnen angereicherten Energiebiscuits landete laut der Organisation in der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince.
Aber nicht nur über den Luftweg sollen Nahrungsmittel nach Haiti gebracht werden. Für die anlaufende Hilfsoperation der kommenden Wochen seien insgesamt fünf «humanitäre Korridore» notwendig, hiess es. So sollen die Hilfsgüter auch über Strassen aus der Dominikanischen Republik nach Haiti gebracht und in die Häfen von Port-au-Prince und Cap Haitien geliefert werden.
Um die Nahrung besser verteilen zu können, will das WFP vier Logistikzentren in der Hauptstadt und mindestens 30 weitere im Rest des Landes einrichten. Die Organisation rief die Militärs weltweit auf, in den nächsten Wochen insgesamt 100 Millionen Fertigmahlzeiten aus ihren Beständen bereitzustellen.
Essen und Trinkwasser abgeworfen
Ein US-Flugzeug warf am Dienstag erste Hilfsrationen über Port-au-Prince ab. 14'500 Lebensmittelpakete und 15'000 Liter Trinkwasser seien etwa acht Kilometer vom Flughafen entfernt fallen gelassen worden, teilte die US-Armee in Washington mit.
Die USA hatten dem Abwerfen von Hilfspaketen aus Flugzeugen zunächst skeptisch gegenüber gestanden, weil sie fürchteten, dass es zu Unruhen unter den hungrigen Erdbebenopfern führen könnte. Die Aktion aus der Luft mit der internationalen Gemeinschaft abgesprochen, hiess es nun. Damit würden weitere Verteilungspunkte geschaffen, um schneller an die Bevölkerung heranzukommen.
90 Personen lebend geborgen
Am Boden ging die Suche nach Überlebenden unvermindert weiter. Auch knapp sieben Tage nach dem schweren Erdstoss bestehe immer noch Hoffnung, Menschen lebend zu bergen, sagte die Sprecherin des Uno-Koordinationsbüros für humanitäre Angelegenheiten (OCHA), Elisabeth Byrs, in Genf.
Seit dem verheerenden Erdstoss wurden ihren Angaben nach mehr als 90 Menschen lebend aus den Trümmern geholt. An den Bergungsaktionen beteiligt waren 52 Rettungsteams mit 1820 Teilnehmern und 175 Hunden.
Aus den Trümmern geholt wurde am Dienstag unter anderem ein etwa anderthalb Jahre altes Mädchen. Es sei mit Staub bedeckt gewesen, aber unverletzt geblieben, berichtete eine Krankenschwester. Von den Eltern der Kleinen fehl jedoch jede Spur. Sie seien vermutlich in den Trümmern ihres Hauses gestorben.
Bei dem schweren Beben kamen laut Experten zwischen 100'000 bis 200'000 Menschen ums Leben. Zur Zahl der Verletzten gibt es nicht einmal Schätzungen. Hilfsorganisationen berichteten, ihre mobilen Spitäler seien überfüllt mit Verletzten.
Angst vor Seuchen
Zunehmend zum Problem wird die Ausbreitung von Seuchen. Infektionskrankheiten wie Masern oder Hirnhautentzündung würden immer häufiger diagnostiziert, berichteten Ärzte.
Uno und US-Militär betonten indessen, die Sicherheitslage im Erdbebengebiet sei trotz einiger Zwischenfälle relativ stabil. «Die Lage ist angespannt, aber ruhig. Die Bevölkerung kooperiert», sagte Uno-Sprecherin Byrs. Ein Vertreter der US-Armee sagte, Plünderungen und Gewalt kämen nur vereinzelt vor und behinderten die Hilfe nicht. (bru/sda)
Erstellt: 19.01.2010, 17:06 Uhr
















Die Welt in Bildern















